Die Aktualität: In Belfast kommt es seit Dienstag zu teilweise gewaltsamen Protesten. Auslöser war ein Messerangriff am Montag, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Der mutmassliche Täter ist ein 30-jähriger Mann aus dem Sudan. Die Proteste richten sich gegen Migrantinnen und Migranten. Teils vermummte Randalierende setzten Wohnhäuser und Fahrzeuge in Brand.
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Bild 1 von 4. Bei den Protesten in Belfast wurden von Demonstranten Fahrzeuge in Brand gesetzt. Bildquelle: AP Photo/Peter Morrison.
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Bild 2 von 4. In verschiedenen Städten Grossbritanniens kam es nach der Messerattacke vom Montag zu Protesten. Bildquelle: AP/Andrew Matthews.
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Bild 3 von 4. Bewohnerinnen und Bewohner mussten aus Häusern evakuiert werden, die während der Proteste in Belfast angezündet wurden. Bildquelle: AP.
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Bild 4 von 4. Die Polizei in Belfast setzte Wasserwerfen gegen die protestierenden Menschen ein. Bildquelle: AP Photo/Peter Morrison.
Der Nordirlandkonflikt: Auch wenn die Ausschreitungen einen anderen Ursprung haben, erinnern die aktuellen Bilder an früher. «Es sind Erinnerungen an ‹The Troubles›, die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Nordirland 30 Jahre lang gebeutelt haben», sagt Historikerin und Friedensforscherin Corinna Hauswedell. Der Nordirlandkonflikt («The Troubles») war ein jahrzehntelanger politischer und gewaltsamer Konflikt in Nordirland zwischen protestantischen Unionisten, die Teil des Vereinigten Königreichs bleiben wollten, und überwiegend katholischen Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstrebten. Zwischen Ende der 1960er-Jahre und 1998 starben bei Ausschreitungen und Anschlägen fast 4'000 Menschen.
Einblicke in den Nordirlandkonflikt
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Bild 1 von 3. Am 15. August 1998 verübte die Real IRA in Omagh, Nordirland, einen Autobombenanschlag. Dabei wurden 29 Menschen getötet und über 200 verletzt. Bildquelle: REUTERS/Mike Mahoney.
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Bild 2 von 3. Am 15. Juni 1996 detonierte die Provisional Irish Republican Army (IRA) eine 1'500 Kilogramm schwere Lastwagenbombe im Zentrum von Manchester. Dank der schnellen Evakuierung von über 75'000 Menschen nach telefonischen Warnungen gab es keine Todesopfer, aber über 200 Verletzte. Bildquelle: Keystone/ LYNNE SLADKY.
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Bild 3 von 3. In London detonierte die IRA am 9. Februar 1996 eine Lastwagenbombe ausserhalb von Canary Wharf in den Londoner Docklands. Obwohl die IRA 90 Minuten vorher Warnungen verschickt hatte, wurde das Gebiet nicht vollständig evakuiert. Die Explosion tötete zwei Menschen und verletzte über 100 weitere. Bildquelle: Keystone/ Alastair Grant.
Der Nährboden: Corinna Hauswedell betont, dass die aktuellen Gewaltausbrüche, auch wenn sie Ausdruck von Fremdenhass sind, nicht ohne die Geschichte Belfasts zu verstehen sind. Sie vermutet, dass jene, die sich zur Gewalt mobilisieren lassen, oft aus Wohngebieten der protestantischen Seite stammen, wo es viele arbeitslose Jugendliche gibt, die die Zuwanderung als Bedrohung ihrer eigenen Identität sehen.
«Wir müssen aufpassen, dass Wut und Hass nicht genutzt werden, um alte Familienemotionen wieder zu mobilisieren und auf einem fast ausgetrockneten, aber noch fruchtbaren Boden wieder neue Gewalt wächst», so Hauswedell.
Die Stadt: Belfast hat sich seit «The Troubles» und dem Friedensabkommen von 1998 stark verändert. Heute leben rund 350'000 Einwohnerinnen und Eiwohner in der Hauptstadt Nordirlands. Nach wie vor gebe es viele Spuren des Nordirlandkonflikts, sagt die Historikerin. So trennen heute sogenannte «Peace Walls» einzelne Stadteile voneinander, um Gewalt zu unterbinden. Beachtlich sei die zivilgesellschaftliche Initiative, Belfast zu einer «City of Sanctuary» zu machen, so Hauswedell. Die Stadt soll ein Zufluchtsort werden für Asylsuchende. «Das ist eine besondere Ironie der Geschichte, dass es jetzt in Belfast diese konkreten Gewaltausbrüche gibt.»
Die Zukunft: Trotz Nordirlands blutiger Vergangenheit und der aktuellen Demonstrationen schaut Historikerin Corinna Hauswedell positiv in die Zukunft: «Es gibt eine starke Zivilgesellschaft, die versucht aus die Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg aufzuarbeiten.» Gerade in Belfast leben zwar auch heute Katholiken und Protestanten noch in ziemlich getrennten Stadteilen, die Stadt sei jedoch im Wandel, so Hauswedell: «Die heutige jüngere Generation geht oft in die gleichen Pubs, feiert die gleichen Feste.»