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Krawalle in Nordirland Stadt von «The Troubles»: Belfast und die Gewalt

In Nordirland setzen Demonstrierende Häuser und Autos in Flammen. Die Szenen erinnern an den Bürgerkrieg vor 30 Jahren.

Die Aktualität: In Belfast kommt es seit Dienstag zu teilweise gewaltsamen Protesten. Auslöser war ein Messerangriff am Montag, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Der mutmassliche Täter ist ein 30-jähriger Mann aus dem Sudan. Die Proteste richten sich gegen Migrantinnen und Migranten. Teils vermummte Randalierende setzten Wohnhäuser und Fahrzeuge in Brand. 

Der Nordirlandkonflikt: Auch wenn die Ausschreitungen einen anderen Ursprung haben, erinnern die aktuellen Bilder an früher. «Es sind Erinnerungen an ‹The Troubles›, die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Nordirland 30 Jahre lang gebeutelt haben», sagt Historikerin und Friedensforscherin Corinna Hauswedell. Der Nordirlandkonflikt («The Troubles») war ein jahrzehntelanger politischer und gewaltsamer Konflikt in Nordirland zwischen protestantischen Unionisten, die Teil des Vereinigten Königreichs bleiben wollten, und überwiegend katholischen Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstrebten. Zwischen Ende der 1960er-Jahre und 1998 starben bei Ausschreitungen und Anschlägen fast 4'000 Menschen.

Einblicke in den Nordirlandkonflikt

Der Nährboden: Corinna Hauswedell betont, dass die aktuellen Gewaltausbrüche, auch wenn sie Ausdruck von Fremdenhass sind, nicht ohne die Geschichte Belfasts zu verstehen sind. Sie vermutet, dass jene, die sich zur Gewalt mobilisieren lassen, oft aus Wohngebieten der protestantischen Seite stammen, wo es viele arbeitslose Jugendliche gibt, die die Zuwanderung als Bedrohung ihrer eigenen Identität sehen.

Corinna Hauswedell

Historikerin und Friedensforscherin

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Die Historikerin und Friedensforscherin Corinna Hauswedell hat sich intensiv mit dem Nordirlandkonflikt beschäftigt. Hauswedell war unter anderem am Bonn International Centre for Conflict Studies tätig. Sie lebte einige Jahre in Belfast und wohnt auch heute noch in Irland.

«Wir müssen aufpassen, dass Wut und Hass nicht genutzt werden, um alte Familienemotionen wieder zu mobilisieren und auf einem fast ausgetrockneten, aber noch fruchtbaren Boden wieder neue Gewalt wächst», so Hauswedell.

Die Stadt: Belfast hat sich seit «The Troubles» und dem Friedensabkommen von 1998 stark verändert. Heute leben rund 350'000 Einwohnerinnen und Eiwohner in der Hauptstadt Nordirlands. Nach wie vor gebe es viele Spuren des Nordirlandkonflikts, sagt die Historikerin. So trennen heute sogenannte «Peace Walls» einzelne Stadteile voneinander, um Gewalt zu unterbinden. Beachtlich sei die zivilgesellschaftliche Initiative, Belfast zu einer «City of Sanctuary» zu machen, so Hauswedell. Die Stadt soll ein Zufluchtsort werden für Asylsuchende. «Das ist eine besondere Ironie der Geschichte, dass es jetzt in Belfast diese konkreten Gewaltausbrüche gibt.»

«Power sharing» in der Politik

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Vier Personen stehen nebeneinander in formeller Kleidung vor einem Gebäude.
Legende: Michelle O'Neill (rechts) und Emma Little-Pengelly bei einem Treffen mit dem irischen Premierminister Michael Martin (rechts) und seinem Stellvertreter. REUTERS/Clodagh Kilcoyne

Nordirland ist Teil des Vereinigten Königreichs und wird durch ein System der dezentralen Selbstverwaltung regiert. Dabei regieren in Nordirland die beiden stärksten Parteien Nordirlands, die DUP (Democratic Unionist Party, protestantisch) und Sinn Féin (republikanisch), zusammen im «Power sharing».

An der Spitze Nordirlands stehen aktuell die katholisch-republikanische Michelle O'Neill und die protestantisch-probritische Emma Little-Pengelly. «Nun kommt es darauf an, dass dieses mühsam errungene gemeinsame Regierungskonzept anhält und dass es nicht zu einem Gegeneinander kommt», sagt Historikerin Corinna Hauswedell zur aktuellen politischen Lage in Nordirland.

Die Zukunft: Trotz Nordirlands blutiger Vergangenheit und der aktuellen Demonstrationen schaut Historikerin Corinna Hauswedell positiv in die Zukunft: «Es gibt eine starke Zivilgesellschaft, die versucht aus die Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg aufzuarbeiten.» Gerade in Belfast leben zwar auch heute Katholiken und Protestanten noch in ziemlich getrennten Stadteilen, die Stadt sei jedoch im Wandel, so Hauswedell: «Die heutige jüngere Generation geht oft in die gleichen Pubs, feiert die gleichen Feste.» 

SRF 4 News, 11.6.2026, 16 Uhr ; 

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