Das ist passiert: Nebst der Strasse von Hormus könnte eine weitere Meerenge blockiert werden, die Strasse Bab al-Mandab. Sie führt ins Rote Meer und zum Suezkanal. Die jemenitische, vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat dort eine Seeblockade verhängt. Sie richtet sich gegen Saudi-Arabien. Die Miliz sagt, sie hätte sechs Schiffe zur Umkehr gezwungen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es aber nicht.
So kam es zur Blockade: Die Huthi-Miliz führt mit Saudi-Arabien seit mehr als zehn Jahren Krieg. Ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien aus dem Jahr 2022 hielt jedoch bis zur vergangenen Woche, als die international anerkannte Regierung des Jemen den Flughafen von Sanaa angriff, um die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern. Die Huthis machten Saudi-Arabien dafür verantwortlich und feuerten daraufhin Raketen auf den Flughafen Abha im Südwesten des Königreichs ab und verkündeten eine Blockade für saudische Schiffe. «Es handelt sich um einen inner-jemenitischen Konflikt, der aber auf die ganze Region ausstrahlt», sagt die österreichische Nahost-Expertin Gudrun Harrer.
Das ist das Ziel der Huthis: Laut Harrer ist die Seeblockade eine Machtdemonstration der Huthis. Es sei ein Versuch, ihre Macht in den beherrschten Teilen Jemens weiter zu etablieren. Die Huthis kontrollieren im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Weiter gehe es den Huthis darum, ihren Alliierten Iran zu entlasten. «Es ist eine Art inoffizieller Eintritt in den laufenden Golfkonflikt», sagt die Expertin. Zwar hätten die Huthis den USA nicht offiziell den Krieg erklärt, de facto würden sie nun aber am grossen Konflikt teilnehmen.
So reagiert Trump: US-Präsident Donald Trump sagte in Washington, dass es in der Region bisher keine Blockade der Miliz gegeben habe. «Wir haben länger nichts von ihnen gehört», sagte Trump während eines Treffens mit Libanons Präsident Joseph Aoun im Weissen Haus. «Wenn es passiert, werden wir uns um die Sache kümmern.» Die USA seien zuvor schon «energisch» gegen die Huthis vorgegangen, sagte Trump mit Verweis auf US-Luftangriffe im Jemen im vergangenen Jahr.
Das sagt die Expertin: Laut Gudrun Harrer dürfte es für die USA gar nicht so einfach sein, «sich um die Sache zu kümmern.» Denn die USA verfügten nicht über unendliche militärische Ressourcen. Zudem würden die Huthis unterschätzt. «Die Huthis haben Teile der jemenitischen Armee übernommen und sind hochgerüstet», sagt die Expertin. Sie verfügten über eine eigene Waffenindustrie. «Und sie haben natürlich die iranische Hilfe.»
Das sind die Auswirkungen auf den Handel: Seit 2023 hatten die Huthis mit Angriffen im Roten Meer – seinerzeit im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg und zur Unterstützung der Palästinenser – den Welthandel bereits massiv beeinträchtigt. Die Angriffe führten zu erheblichen Störungen des weltweiten Schiffsverkehrs und veranlassten grosse Reeder, ihre Routen um die Südspitze Afrikas umzuleiten – eine weitaus längere und teurere Strecke.
Wenn der Handelsfluss nun nicht nur am Golf, sondern auch auf der unteren Seite im Roten Meer unterbrochen wird, wäre das laut Nahost-Expertin Harrer eine Katastrophe. «Das sind ungeheure Kosten. Das sind auch Kosten für die Ärmsten, nicht nur für uns, weil wir mehr Geld fürs Benzin bezahlen müssen, sondern lebenswichtige Güter und Nahrungsmittel für die Welt wären betroffen.»