Der Chef der mächtigen jemenitischen Rebellenorganisation war schnell zur Stelle. Noch am Abend des Kriegsbeginns verurteilte Abdul-Malik al-Huthi die «israelisch-amerikanische Aggression» – mit sanfter Stimme, aber scharfen Worten.
Um die Solidarität mit Iran zu unterstreichen, trommelten die Huthis ihre Gefolgsleute auf die Strassen der Hauptstadt Sanaa. Doch das wars, konstatiert der jemenitische Politexperte Farea al-Muslimi vom britischen Auslandforschungsinstitut Chatham House.
«Die Huthis haben bis jetzt mit Beten und Protestieren reagiert. Militärisch hielten sie sich still», sagt er. Es dürfte dabei bleiben, glaubt Muslimi – solange die Huthis nicht selber angegriffen werden.
Eskalation während des Gaza-Kriegs
Im Gazakrieg war das noch ganz anders. Da torpedierten die Huthis den Frachtverkehr im Roten Meer, ohne selbst provoziert worden zu sein. Sie schickten Drohnen und Raketen auch direkt nach Israel, aus Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung, wie sie sagten.
Liegt die Zurückhaltung daran, dass die Huthis nicht in den gleichen Strudel gezogen werden wollen wie die Hisbollah im Libanon, die nun erneut unter massivem israelischem Beschuss steht?
Eine schmerzhafte Erinnerung für die Huthis sei vor allem das US-Bombardement vor einem Jahr in Jemen selbst, sagt Muslimi.
Die US-Angriffe setzten den Huthis zu. Beide Seiten kamen überein, die Feindseligkeiten zu pausieren.
Warum dieses Stillhalteabkommen aufs Spiel setzen? Das dürften sich die Huthis jetzt fragen. Zumal der Nutzen einer militärischen Intervention unklar erscheint. Würde sie überhaupt noch einen Unterschied machen im Krieg gegen den Iran?
Hinzu kommen ideologische Differenzen, betont Muslimi. Die Huthis präsentierten sich zwar als Teil der «Achse des Widerstands» – je schwächer die Hisbollah wurde, umso mehr gar als eine Wortführerin dieser Achse.
Die Huthis wurden im letzten Jahrzehnt selbst nicht müde, zu betonen, dass sie keineswegs die Marionetten Teherans sind.
Doch es gibt beträchtliche Unterschiede zur Hisbollah. Die schiitische Miliz wurde in den 1980er-Jahren von iranischen Revolutionsgarden geschaffen, sie war immer abhängig von Teheran.
Die Huthis sind kein iranisches Konstrukt, sondern eine Stammesbewegung, die sich stolz auf Jahrhunderte zurückliegende jemenitische Königreiche beruft. Auch politisch und wirtschaftlich sind sie viel eigenständiger als die Hisbollah und selbst konfessionell verschieden vom Schiitentum, wie es im Libanon und Iran gepflegt wird.
«Die Huthis wurden im letzten Jahrzehnt selbst nicht müde zu betonen, dass sie keineswegs die Marionetten Teherans sind», ruft Muslimi in Erinnerung. Dennoch: Die Huthis haben im Laufe des Jemenkriegs militärisch immer stärker vom Iran und dessen Verbündeten profitiert.
Nimmt Israel die Huthis in Visier?
Bisher schickte die Hisbollah Raketenexperten, Teheran Waffensysteme. Der Ausfall dieser militärischen Unterstützung würde die Rebellen zwar treffen, doch die Machtverhältnisse in Jemen alleine nicht verändern, glaubt der jemenitische Politwissenschaftler in London, der die islamistische Bewegung und die Repression, die sie nach innen ausübt, seit Jahren scharf kritisiert.
Sich aus dem Sturm herauszuhalten vermöchten die Huthis gleichwohl nicht: Er erwarte, dass Israel, wenn es mit Iran fertig sei, sich die jemenitische Rebellenbewegung vornehmen werde. In der Reihe «unvollendeter Kriege», so wie Israel das sehe, seien die Huthis wohl so oder so das nächste Ziel.