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Huthi-Miliz an der Seite Irans Warum greifen die Huthis Israel gerade jetzt an?

Seit dem Wochenende greift auch die Huthi-Miliz aus dem Jemen in den Iran-Krieg ein. Am Samstag startete sie einen Angriff mit zwei Raketen auf Israel. Auch in der Nacht auf Montag soll es wieder Angriffe gegeben haben. Die islamistische Miliz gehört zur sogenannten «Achse des Widerstands», also zu den Milizen, die den Iran unterstützen. Über Motive und Strategie spricht Politologin Elham Manea von der Universität Zürich.

Elham Manea

Nahost-Expertin

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Elham Manea ist Titularprofessorin für Politikwissenschaft, spezialisiert auf den arabischen Nahen Osten. Weiter ist sie Schriftstellerin und Menschenrechtlerin. Sie ist schweizerisch-jemenitische Doppelbürgerin und lebt und arbeitet in der Schweiz.

SRF News: Warum haben die Huthis gerade jetzt in den Krieg eingegriffen?

Elham Manea: Das ist nicht nur eine Eskalation, sondern ein gezieltes Signal auf mehreren Ebenen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Gespräche zwischen Saudi-Arabien und den Huthis stecken fest. Diese Verhandlungen sind für die Huthis zentral, weil es um finanzielle Unterstützung, politische Anerkennung und Stabilität im eigenen Gebiet geht. Wenn sich dort nichts bewegt, wächst der Druck im Innern. Gleichzeitig richtet sich das Signal an verschiedene Zielgruppen: Nach aussen präsentieren sich die Huthis als Teil eines regionalen Bündnisses mit Nähe zum Iran. Nach innen mobilisieren sie Unterstützung über das Thema Palästina. Das ist kein Widerspruch, sondern Strategie.

Gruppe von Menschen hält Gewehre in die Luft vor blauem Himmel.
Legende: Laut der Politologin Elham Manea zeigt der Konflikt, wie eng wirtschaftlicher Druck und politisches Handeln miteinander verknüpft sind. Im Bild heben Huthi-Anhänger in Sana'a ihre Waffen während einer Solidaritätskundgebung mit Iran. (27.3.2026) EPA/YAHYA ARHAB

Was bezwecken die Huthis mit ihren Angriffen auf Israel?

Der Iran spielt eine wichtige Rolle, aber es geht nicht nur um den Iran. Die Huthis sind ideologisch und politisch eng mit dem Iran verbunden, aber sie treffen ihre Entscheidungen selbst. Nach aussen zeigen sie: Wir sind Teil dieser regionalen Front und ein relevanter Akteur. Nach innen geht es um Mobilisierung. Und dafür ist das Thema Palästina und Israel viel wirksamer als ein Konflikt im Namen des Iran. Deshalb sehen wir keine unkontrollierte Eskalation, sondern gezielte, begrenzte Aktionen.

Die Huthis agieren ideologisch, aber sie sind auch pragmatisch.

Könnten die Huthis erneut Schiffe im Roten Meer angreifen?

Das ist möglich. Das Rote Meer ist wie ein Hebel für die Huthis. Sie haben bereits gezeigt, dass sie es als Druckmittel einsetzen können. Aber im Moment handeln sie vorsichtig. Sie wissen, dass eine neue, grosse Eskalation sofort internationale Reaktionen auslösen würde. Deshalb ist das zwar eine reale Möglichkeit, aber kein automatischer nächster Schritt. In den nächsten Tagen werden wir mehr wissen.

Warum diese Zurückhaltung?

Die Huthis agieren ideologisch, aber sie sind auch pragmatisch. Sie kalkulieren ihre Aktionen und stehen unter starkem innerem Druck. Die Attacke im letzten Jahr hat ihre eigene Basis geschwächt. Das bedeutet nicht, dass weitere Eskalationen ausgeschlossen sind. Im Moment sind sie zurückhaltend. Aber alles ist offen, alles ist möglich.

Sollte der Druck weiter steigen oder sich der Konflikt ausweiten, kann sich ihre Strategie rasch ändern.

Was ist als Nächstes von den Huthis zu erwarten?

Am ehesten sehen wir eine Fortsetzung des aktuellen Musters: starke Rhetorik und gezielte, begrenzte Aktionen, aber keine offene Eskalation. Die Huthis stehen wirtschaftlich und innen- sowie aussenpolitisch unter Druck. Gleichzeitig versuchen sie, ihre Rolle in der Region aufzuwerten. Diese Balance ist jedoch nicht stabil. Sollte der Druck weiter steigen oder sich der Konflikt ausweiten, kann sich ihre Strategie rasch ändern.

Das Gespräch führte Dominik Rolli.

SRF 4 News, 30.3.2026, 6:45 Uhr ; 

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