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Weitere Eskalation im Ukraine-Krieg
Aus Echo der Zeit vom 27.02.2022.
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Krieg in der Ukraine «Die Hürden eines Atomwaffen-Einsatzes werden tiefer»

Tag vier im russischen Krieg gegen die Ukraine. Und die Eskalations-Spirale dreht gefährlich weiter: Russlands Präsident Putin hat am Nachmittag verkündet, dass er die atomaren Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt habe. Fredy Gsteiger ordnet das Gefahrenpotenzial ein.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF News: Was bedeuten die Äusserungen Putins konkret?

Fredy Gsteiger: Staatschef Putin spricht von Spezial-Kampfmodus. Es ist aber offenkundig, dass in westlichen Hauptstädten nicht ganz klar ist, was er damit gemeint hat. Einzelne Medien haben seine Äusserungen auf die Art und Weise interpretiert, als wären die Atomstreitkräfte in höchster Alarmbereitschaft. Das stimmt wohl nicht, aber klar ist, dass Putin weiter eskaliert. Früher in der Woche bereits hatte er wenig verklausuliert mit noch nie dagewesenen Konsequenzen für den Westen gedroht. Die amerikanische Interpretation lautete damals, dass dies eine Drohung sei, dass man aber keinerlei Anzeichen sehe, dass die Streitkräfte in höhere Alarmbereitschaft versetzt würden. Nun aber geschieht genau das.

Beide Seiten wissen, dass sie die Gegenseite zigfach vernichten könnten, wenn sie das wollen. Aber darüber sprach man nicht.

Damit wäre natürlich ein Einsatz wahrscheinlicher, wäre auch schneller zu bewerkstelligen. Die Hürden werden tiefer. Unklar ist allerdings ebenfalls, ob Russland seine taktischen Atomwaffen meint, also Atomwaffen mit weniger Reichweite, die zum Beispiel in der Ukraine selber zum Einsatz kommen könnten. Oder aber seine strategischen Atomwaffen, mit denen Moskau auch Berlin, London, New York und Washington in Schutt und Asche legen könnte.

Muss der Westen nun nachziehen?

Das ist noch nicht klar. Offenbar wurde der Westen von Putins Ankündigung kalt erwischt. Es gibt verbale Äusserungen, verbale Kritik. Etwa von der amerikanischen UNO-Botschafterin, Linda Thomas-Greenfield, welche die Ankündigung aufs Schärfste verurteilt. Von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der sie gefährlich und verantwortungslos nennt. Aber militärisch ist noch unklar, wie der Westen reagieren will. Von amerikanischen Beamten hört man, dass man analysieren will, was Putin eigentlich gemeint hat, was sein Schritt bedeutet. Im Moment verzichtet man auf eine Eins-zu-eins-Antwort.

Im Atomwaffen-Bereich herrscht aktuell die gefährlichste Situation seit der Kuba-Krise, also seit Jahrzehnten.

Man zögert, die westlichen Atomwaffen, vor allem die amerikanischen, ebenfalls in höhere Alarmbereitschaft zu versetzen. Jahrzehntelang galt das Prinzip, dass man mit Atomwaffen nicht zündelt, auch nicht verbal. Beide Seiten wissen, dass sie die Gegenseite zigfach vernichten könnten, wenn sie das wollen. Aber darüber sprach man nicht. Und die grosse Frage in den westlichen Hauptstädten ist nun: Wie rational entscheidet eigentlich die russische Führung noch?

Steigt auch die Gefahr eines Zwischenfalls, einer unbeabsichtigten Eskalation?

Das ist zu befürchten. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten gab es vielfach Zwischen- und Unfälle mit Atomwaffen, welche teilweise nur knapp verhindert werden konnten. Man war oft nah daran, dass wirklich etwas Gravierendes passiert ist. Je mehr mit Atomwaffen hantiert wird – wenn sie verschoben werden auf Trägersysteme, auf Raketen, U-Boote oder Flugzeuge – umso grösser ist das Risiko. Und das Risiko ist ebenfalls grösser, je höher die politischen Spannungen sind und je aggressiver die Rhetorik ist. Das steigert das Risiko ebenfalls. Im Atomwaffen-Bereich herrscht aktuell die gefährlichste Situation seit der Kuba-Krise, also seit Jahrzehnten.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Echo der Zeit, 27.2.2022, 18:00 Uhr;

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