Zum Inhalt springen

Header

Video
US-Repräsentantenhaus stimmt über Ukrainehilfen ab
Aus Tagesschau vom 20.04.2024.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 33 Sekunden.
Inhalt

Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Die militärische Lage

Die russischen Streitkräfte haben am Sonntag offenbar die südukrainische Hafenstadt Odessa von der Halbinsel Krim aus mit ballistischen Raketen angegriffen. Mehrere ukrainische Medien berichteten von einer Explosion in der Stadt, bei der mindestens vier Menschen verletzt wurden.

Die zuletzt schwer umkämpfte Kleinstadt Tschassiw Jar im Osten der Ukraine bleibt nach Berichten ukrainischer Militärs weiter unter ihrer Kontrolle. «Tschassiw Jar hält», sagte der Sprecher der dortigen Truppenverbände, Nasar Woloschyn, im ukrainischen Fernsehen. Die russischen Bodentruppen versuchten erfolglos, mit Artillerieunterstützung vorzudringen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Die Kleinstadt Tschassiw Jar gilt als nächstes Ziel der russischen Armee.

Russland meldet nach Drohnenbeschuss von ukrainischer Seite den Tod zweier Zivilisten im grenznahen Gebiet Belgorod. Die Frau und der Mann seien in einem Haus umgekommen, das nach dem Einschlag eines Sprengsatzes in Brand geraten sei.

Zudem habe Russland im Gebiet Smolensk nach dem Abschuss einer Drohne ein Kraftstofftank wegen herabfallender Teile Feuer gefangen. In den Regionen Brjansk und Kaluga seien Energieanlagen beschädigt worden. 50 ukrainische Drohnen seien insgesamt abgefangen worden.

US-Institut rechnet mit Zunahme russischer Angriffe

Box aufklappen Box zuklappen

Westliche Militärexperten erwarten angesichts der vom US-Repräsentantenhaus gebilligten milliardenschweren Militärhilfe für die Ukraine eine Zunahme russischer Raketen- und Drohnenangriffe in den kommenden Wochen. Russland werde die aktuellen materiellen und personellen Einschränkungen des ukrainischen Militärs und den ungewöhnlich trockenen Frühling ausnutzen, bis sich das Fenster schliesse und die US-Hilfe tatsächlich eintreffe, heisst es am Sonntag in einer Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) in Washington.

Allerdings gebe es für die Russen bisher nur einzelne taktische Erfolge bei den Offensivoperationen und keinen Durchbruch an der Frontlinie, teilten die ISW-Experten mit. Zu erwarten sei, dass Russland vor allem die geschwächte ukrainische Flugabwehr für sich nutzen und etwa die Angriffe mit Gleitbomben intensivieren werde. Es bestehe weiter die Gefahr eines operativ bedeutenden russischen Vormarsches im Kriegsgebiet in den kommenden Wochen.

Die Ukraine meldete russische Raketenangriffe, die in den Städten Saporischja und Odessa Infrastrukturobjekte beschädigt hätten. Zwei von sieben russischen Raketen seien abgeschossen worden.

Diplomatie und Unterstützung

Das US-Repräsentantenhaus hat am Samstag für milliardenschwere Hilfen für die Ukraine gestimmt. Die Vorlage mit einem Volumen von etwa 61 Milliarden Dollar war einer von insgesamt vier Gesetzentwürfen, die der von Republikanern beherrschten Kongresskammer vorlagen. Die nötige Zustimmung des Senats für den Gesetzentwurf steht noch aus, gilt aber als sicher.

Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz begrüsste am Sonntag das vom US-Repräsentantenhaus bewilligte Hilfspaket für die Ukraine. «Die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses zur Unterstützung der Ukraine ist ein starkes Signal in dieser Zeit», erklärte er via X. «Wir stehen gemeinsam an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer, die für ihr freies, demokratisches und unabhängiges Land kämpfen.»

Die US-Hilfe für die Ukraine wird nach russischer Darstellung das Land weiter in den Ruin treiben. «Die Entscheidung, der Ukraine Hilfe zu leisten, war erwartbar und wurde vorhergesagt. Sie wird die Vereinigten Staaten von Amerika weiter reich machen und die Ukraine weiter zugrunde richten, sie wird zu noch mehr toten Ukrainern führen», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstagabend der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Ukraine will mit US-Hilfe Militär und Wiederaufbau finanzieren

Box aufklappen Box zuklappen

Die Ukraine erwartet angesichts der vom US-Repräsentantenhaus gebilligten milliardenschweren Militärhilfe eine Stärkung ihres Kampfes gegen den russischen Angriffskrieg. Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal teilte am Sonntag bei Facebook mit, dass von dem Paket etwa 50 Milliarden US-Dollar für die Verteidigung der Ukraine ausgegeben werden sollten. Das bedeute mehr Waffen für die Ukraine, darunter mehr Flugabwehr und Geschosse mit grösserer Reichweite.

7.8 Milliarden US-Dollar seien vorgesehen, um den Staatshaushalt der Ukraine zu stützen. 1.57 Milliarden US-Dollar wiederum seien als Wirtschaftshilfe geplant und 400 Millionen US-Dollar zum Schutz der Grenzen und für die Minenräumung. Von dem Geld solle auch die Wiederherstellung der wichtigen Infrastruktur finanziert werden. Russland hatte zuletzt mit Raketen- und Drohnenangriffen vor allem die Energieanlagen des Landes zerstört oder beschädigt.

Nach der Entscheidung der Nato zur weiteren Stärkung der Flugabwehr der Ukraine hat sich deren Präsident Wolodimir Selenski zurückhaltend zufrieden geäussert. «Wir in der Ukraine schätzen die Bemühungen jedes Führers, jedes Staates, der wirklich aktiv ist, seine Versprechen einhält und versucht, die Fähigkeiten unserer Luftverteidigung zu verbessern», sagte Selenski am Freitag in seiner täglichen Videoansprache, die aussergewöhnlich kurz gefasst war.

Angesichts anhaltender russischer Luftangriffe bekennen sich die G7-Aussenminister dazu, die Fähigkeiten der Ukraine zur Flugabwehr zu stärken. Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung hervor, die die Minister zum Abschluss ihres Treffens auf der italienischen Mittelmeerinsel Capri am Freitag veröffentlichten.

Einschätzung der britischen Geheimdienste

Der Absturz eines russischen Überschallbombers geht nach britischer Einschätzung vom Samstag sehr wahrscheinlich auf einen Abschuss der Ukraine zurück. Es sei fast sicher, dass dies ein weiterer Erfolg der Ukraine gegen die russische Luftwaffe sei, teilte das britische Verteidigungsministerium auf der Plattform X mit. «Dies ist das erste Mal, dass ein strategischer Bomber von ukrainischen Flugabwehrsystemen abgeschossen wurde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Russland nun bisher mindestens 100 Kampfflugzeuge verloren hat.»

Die russische Luftwaffe hatte am Freitag einen ihrer schweren Überschallbomber vom Typ Tupolew Tu-22M3 verloren. Während das Verteidigungsministerium in Moskau von einem Absturz sprach, der vermutlich technische Ursachen habe, nahm die Ukraine dies als Abschuss in Anspruch. Der Kommandant der ukrainischen Luftwaffe, Mykola Oleschtschuk, teilte mit, es sei erstmals gelungen, ein solches Flugzeug mit einer Rakete abzuschiessen.

Geflüchtete und Kriegsopfer

Selenski hat Ende Februar die Zahl der bisher infolge des russischen Angriffskriegs getöteten Soldaten seiner Streitkräfte mit 31'000 angegeben. Die vom ukrainischen Präsidenten bei einer Medienkonferenz angeführte Zahl ist die erste offizielle Nennung von Opferzahlen des Militärs im nunmehr zwei Jahren andauernden Krieg gegen die russischen Invasoren.

WHO-Bericht: Hohes Risiko für Rettungsteams in der Ukraine

Box aufklappen Box zuklappen

Bereits zwölf Rettungsteams sind in diesem Jahr in der Ukraine angegriffen worden – etwa Rettungssanitäterinnen und -sanitäter in Ambulanzen. Dies schrieb die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer Mitteilung am Freitag. Das Personal im Rettungswesen habe demnach ein weitaus höheres Risiko, verletzt oder getötet zu werden, als anderes Gesundheitspersonal in der Ukraine.

Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Zahl der getöteten oder verwundeten russischen Soldaten inzwischen die Marke von 350'000 überschritten hat. Dies teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel mit (Meldung vom 14. März 2024).

Nach britischen Schätzungen sind bis Anfang März 2024 etwa 355'000 russische Soldaten getötet oder verwundet worden. Mitte Februar schätzte das US-Verteidigungsministerium die Zahl getöteter oder verwundeter russischer Soldaten auf 315'000.

Hunderte blaugelber Flaggen, ein Kind mit einem Ballon, daneben eine Frau
Legende: Denkmal für die im Krieg gefallenen Soldaten in Kiew (14. März 2024). Keystone / AP Photo, Vadim Ghirda

Des Weiteren wird in London die Zahl der Verwundeten bis Ende November 2023 auf 180'000 bis 240'000 Soldaten und 40'000 Wagner-Kämpfer geschätzt.

Laut den ukrainischen Streitkräften hat Russland 459'530 Soldaten verloren (Stand 21. April 2024). Die Zahl beinhaltet getötete wie auch schwer verletzte Soldaten.

Wie Russland macht die Ukraine in der Regel keine Angaben zu Getöteten und Verletzten in den eigenen Reihen. Unabhängig lassen sich die Angaben der Kriegsparteien nicht prüfen.

Zivile Opfer: Seit Russlands Einmarsch am 24. Februar 2022 hat die UNO in der Ukraine mindestens 10'675 getötete Zivilistinnen und Zivilisten registriert – darunter mehr als 560 Kinder. Weitere 20’080 Zivilisten seien seit Beginn der russischen Invasion verletzt worden (Stand 15. März 2024). Die UNO zählt nur Fälle, die sie bestätigen konnte.

Geflüchtete: Rund 6 Millionen Menschen haben seit Kriegsbeginn die Ukraine verlassen und Schutz in europäischen Ländern gesucht, weltweit sind es über 6.4 Millionen Geflüchtete (Stand 11. April 2024). Das teilt das Flüchtlingshilfswerk der UNO (UNHCR) mit. Die Zahl der Binnenflüchtlinge beziffert die für Flüchtlingsfragen zuständige Vizeregierungschefin auf 4.9 Millionen (Stand 18. November 2023).

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Box aufklappen Box zuklappen

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldawien und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

64'754 Personen, die wegen des Kriegs gegen die Ukraine in die Schweiz geflüchtet sind, haben derzeit einen aktiven Schutzstatus S (Differenz zur Vorwoche: +129). Das teilte das Staatssekretariat für Migration (SEM) zuletzt mit (Stand 19.04.2024). Bei insgesamt 22'520 Personen wurde der Status S beendet.

Wie prüft SRF die Quellen in der Kriegsberichterstattung?

Box aufklappen Box zuklappen

Die Informationen zum Ukraine-Krieg sind zahlreich und zum Teil widersprüchlich. Die verlässlichsten Quellen sind eigene Journalistinnen und Reporter anderer Medien vor Ort, denen man vertrauen kann. Weitere wichtige Quellen sind Augenzeugen – also Menschen vor Ort, die Eindrücke vermitteln können.

Besonders zu hinterfragen sind Informationen von Kriegsparteien. Denn alle Kriegsparteien machen Propaganda – in diesem Angriffskrieg vor allem die russischen, offiziellen Quellen. Die Aussagen der Kriegsparteien ordnen wir entsprechend ein. Grundsätzlich gilt bei SRF: Je schwieriger und unzuverlässiger die Quellenlage, desto wichtiger ist Transparenz. Umstrittene Fakten und Informationen, die nicht unabhängig überprüfbar sind, werden als solche kenntlich gemacht.

Krieg in der Ukraine

Box aufklappen Box zuklappen

Tagesschau, 20.04.2024, 19:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel