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Selenski vermeldet Gebietsgewinn um Charkiw
Aus Tagesschau vom 11.05.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Aktionen und Massnahmen

Die Industriestadt Krementschuk in der Zentralukraine ist nach ukrainischen Angaben von einer Serie russischer Raketen getroffen worden. Beim bisher grössten Angriff auf die Stadt seit Kriegsbeginn sei auch eine Raffinerie beschädigt worden, sagte der regionale Militärchef Dmitrij Lunin nach Angaben der Agentur Unian. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Insgesamt habe das russische Militär zwölf Raketen unbekannten Typs abgefeuert.

Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben in den vergangenen 24 Stunden mit schweren Luft- und Raketenangriffen Hunderte ukrainische Soldaten getötet und zahlreiche Militärfahrzeuge zerstört. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte: «Mit Luft-Boden-Raketen sind mehr als 320 ukrainische Soldaten vernichtet und 72 Militärfahrzeuge ausser Gefecht gesetzt worden.»

Raketenstreitkräfte und Artillerie hätten derweil mehr als 400 Truppenansammlungen und Militärkonvois, 12 Gefechtsstände und 26 gegnerische Artilleriestellungen unter Feuer genommen. Im Raum Korotytsch, nur wenige Kilometer westlich der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw, sei dabei ein Flugabwehrsystem vom Typ S-300 ausgeschaltet worden. In der Grossstadt Slowjansk seien drei Stellungen für den Raketenwerfer Smertsch getroffen worden.

Russische Truppen sollen überdies die Ausgänge der unterirdischen Gänge des Azowstal-Werks in Mariupol blockieren. Dies erklärte der Berater des Bürgermeisters von Mariupol, Petro Andriuschtschenko, auf Telegramm. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig prüfen. Die unterirdischen Gänge seien den Russen von einem Verräter gezeigt worden, so Andriuschtschenko.

Derweil gehen die pro-russischen Separatisten in der Region Donezk laut einem Medienbericht davon aus, dass sich keine Zivilisten mehr im belagerten Asowstal-Werk aufhalten. Die Stadtverwaltung von Mariupol hatte am Dienstag erklärt, in dem Stahlwerk seien nach den jüngsten Evakuierungen noch mindestens hundert Zivilisten.

Diplomatie

UNO-Generalsekretär António Guterres rechnet nicht in absehbarer Zeit mit Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. «Auch dieser Krieg wird nicht ewig dauern, es wird einen Zeitpunkt geben, wo es zu Friedensverhandlungen kommt», sagte Guterres in Wien bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Vortag. «In unmittelbarer Zukunft sehe ich das aber nicht», fügte er hinzu.

Das Repräsentantenhaus in Washington hat ein von US-Präsident Joe Biden beantragtes Hilfspaket für die Ukraine um Milliarden Dollar aufgestockt und mit grosser Mehrheit verabschiedet. Das Paket umfasst ein Volumen von fast 40 Milliarden Dollar. Der Senat – die andere Kammer im Kongress – muss noch zustimmen.

Biden hatte den Kongress um 33 Milliarden Dollar gebeten. In dem nun aufgestockten Paket entfällt rund die Hälfte der Gesamtsumme auf den Verteidigungsbereich.

Derweil reisten Anfangs Woche die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock gemeinsam mit ihrem niederländischen Amtskollegen Wopke Hoekstra in die Ukraine. Baerbock hat bei ihrem Besuch breite Unterstützung bei der Aufklärung von Kriegsverbrechen zugesichert. Ferner eröffnete Baerbock die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Kiew wieder, die ihre Arbeit dort wegen Russlands Angriffskrieges Mitte Februar vorübergehend eingestellt hatte.

Die Ukraine hatte umgekehrt am Montagabend der EU ein rund 1000-seitiges Dokument mit Antworten auf den berühmten Fragebogen zur EU-Mitgliedschaft übergeben. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski wünscht sich, dass seinem Land schon im Juni der Status eines EU-Beitrittskandidaten zuerkannt wird.

Sanktionen und Embargos

In Bezug auf die wirtschaftlichen Sanktionen haben die USA und die anderen G7-Staaten am Sonntag weitere Sanktionen gegen Russland verhängt. Das Weisse Haus teilte mit, alle G7-Staaten hätten sich dazu verpflichtet, die Einfuhr von russischem Öl auslaufen zu lassen oder zu verbieten. Ein Öl-Embargo soll es Moskau schwieriger machen, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.

Das Öl-Transitland Ukraine hat die Lieferungen von russischem Gas nach Westeuropa derweil reduziert. Über das umkämpfte Gebiet Luhansk im Osten floss seit Mittwochmorgen kein russisches Gas mehr, wie aus ukrainischen und russischen Quellen hervorging. Grössere Auswirkungen hat dies bislang aber nicht. Die Gasmengen wurden durch Gas aus Norwegen und den Niederlanden ausgeglichen.

Der russische Staatskonzern Gazprom bekräftigte, alle Verpflichtungen gegenüber Europa zu erfüllen. Gleichzeitig hat Russland gegen die Firma Gazprom Germania und andere ehemalige Tochterunternehmen seines staatlichen Gaskonzerns Sanktionen verhängt. Mit insgesamt 31 aufgelisteten Firmen dürften von russischer Seite keine Geschäfte mehr gemacht werden, hiess es.

Kriegsopfer

Getötete Armee-Angehörige: Im Krieg in der Ukraine seien bislang 23'000 russische Soldaten ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte Wolodimir Selenski am 30. April. Russland spricht von deutlich tieferen Zahlen: Die Rede ist von mehr als 1000 gefallenen Soldaten. Dagegen seien auf ukrainischer Seite bislang 23'000 Kämpfer getötet worden. Die tatsächlichen Opferzahlen lassen sich nicht überprüfen.

Zivile Opfer: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bislang 3309 getötete Zivilisten verifiziert (Stand 5. Mai). Die Ukraine selber zählte bis am 25. April mindestens 3818 getötete und über 4000 verletzte Zivilisten, die Statistik sei jedoch unvollständig, teilte die ukrainische Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine mit.

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sind zudem mindestens 3000 Menschen gestorben, weil sie keinen Zugang zur Behandlung ihrer chronischen Krankheiten hatten. 40 Prozent der Haushalte hätten mindestens ein Mitglied, das eine dauerhafte Behandlung benötige, teilt der Europa-Chef der WHO mit

Untersuchungen zu Kriegsverbrechen

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Die Ukraine untersucht nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwältin in Zusammenarbeit mit internationalen Ermittlern derzeit rund 8600 Fälle mutmasslicher Kriegsverbrechen. Bei den untersuchten Taten handle es sich um die Tötung von Zivilisten, den Beschuss ziviler Infrastruktur, Folter, Sexualverbrechen sowie um den Einsatz verbotener Waffen.

Flüchtende: Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) rechnet in diesem Jahr mit insgesamt 8.3 Millionen Menschen, die aus der Ukraine fliehen. Bisher haben rund 5.9 Millionen Flüchtlinge die Grenzen zu Nachbarländern überquert. Etwa 7.7 Millionen Menschen sind im Land selber auf der Flucht.

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine hat die Schweizer Spendensammelorganisation Glückskette zur Solidarität mit der betroffenen Bevölkerung aufgerufen.

Die Menschen flüchteten in die Nachbarländer. Deshalb werde sich die Glückskette auf die Aufnahme von Flüchtlingen in diesen Staaten, insbesondere Polen, konzentrieren. Je nach Entwicklung der Situation werde die Glückskette ihre Unterstützung auf Hilfsprojekte direkt innerhalb der Ukraine ausweiten, sofern die Sicherheitslage dies zulasse.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

In der Schweiz haben die Bundesbehörden bis Donnerstag 48'717 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert. Das waren 329 mehr als am Vortag, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) per Twitter bekannt gab. Den Schutzstatus S haben bisher 46'203 ukrainische Flüchtlinge erhalten, 728 mehr als am Vortag.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 10.05.2022, 19:30 Uhr;

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