Worum geht es? Zwei Tanker für den Transport kasachischen Öls sind laut offiziellen Angaben nahe dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk am 13. Januar von Drohnen angegriffen worden. Das kasachische Energieministerium bestätigte auf seiner Website den Vorfall im Schwarzen Meer. «Der Tanker ‹Mathilda› unter maltesischer Flagge, der von einer Tochterorganisation des staatlichen Konzerns Kasmunaigas gechartert wurde, war einem Drohnenangriff ausgesetzt», heisst es in der Mitteilung. Auch ein zweiter Frachter, die «Delta Harmony», sei beschossen worden.
Was waren die Folgen? Opfer hat es keine gegeben. Die «Mathilda» sei weiterhin seetüchtig und weise trotz der Explosion keine grösseren Schäden am Rumpf auf, teilte die kasachische Behörde mit. Auf der in Liberia gelisteten «Delta Harmony» sei ein Feuer ausgebrochen, das aber schnell gelöscht werden konnte. Zu den Sachschäden machte das Ministerium keine Angaben. Bekannt wurde lediglich, dass beide Schiffe noch kein Öl geladen hatten, als sie beschossen wurden.
Warum ist das passiert? In ihrem Abwehrkampf gegen die russische Aggression beschiesst die Ukraine Objekte der Öl- und Gasindustrie im Hinterland des grossen Nachbarn. Damit soll einerseits die Treibstoffversorgung des russischen Militärs unterbrochen, andererseits Moskau die Finanzierung des Kriegs erschwert werden. In der Vergangenheit wurden dabei aber auch schon mehrfach Anlagen des Caspian Pipeline Consortiums (CPC) getroffen, über das kasachisches Öl mit dem Transit über Russland nach Europa befördert wird.
Wieso nutzt Kasachstan den russischen Schwarzmeerhafen? «Kasachstan kann als erdölfördernder und -exportierender Staat die Masse seines Öls nur durch Russland nach Europa und in die Welt transportieren», sagt Beate Eschment. Sie ist Wissenschafterin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin.
Wie positioniert sich Kasachstan zwischen Russland und der Ukraine? Geopolitisch sei Kasachstan in einer ziemlich schwierigen Lage, weil es eine 7000 Kilometer lange Grenze zu Russland hat, sagt die Expertin. Dazu kommt, dass viele Menschen aus Russland in Kasachstan leben. «Und es gibt sogar russische Nationalisten, die Anspruch auf kasachisches Territorium erheben.» Aber – so die Wissenschaftlerin – Kasachstan manövriere sich gut durch diese Situation. «Kasachstan balanciere sehr mutig und geschickt. Vergangenen Herbst hat sich der kasachische Präsident zum ersten Mal seit Kriegsbeginn mit Selenski getroffen.» Das sei ein klares Bekenntis zur Ukraine. Schon zu Beginn des Kriegs habe Kasachstan sich so eingeordnet, für Russland sei dies eher unerwartet gewesen.
Wie steht es mit Kasachstans «geerbter» Abhängigkeit von Russland? In vielerlei Hinsicht sei Kasachstan als ehemalige Sowjetrepublik immer noch von Russland abhängig, sagt die Expertin. Sie nennt dies eine «geerbte» Abhängigkeit. Aber typisch für die Aussenpolitik des Landes sei zurzeit, dass es versuche, sich möglichst unabhängig von Russland zu machen. «Kasachstan versucht, möglichst viele weitere Kontakte zur Welt einzugehen, um einen Konterpart zu Russland zu haben», so Beate Eschment.