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Krise auf den Reisfeldern Teure Ernte: Wie der Iran-Krieg Thailands Bauern trifft

Der Iran-Krieg treibt die Düngerpreise in die Höhe. Für Thailands Reisbauern wird der Anbau zunehmend unrentabel.

Die Schritte von Chuan Juntar knirschen auf dem trockenen Boden seines brachliegenden Reisfelds. Der 77-jährige Kleinbauer lebt in Suphanburi, gut zwei Stunden Autofahrt von Bangkok entfernt. Eigentlich wäre jetzt, kurz vor der Regenzeit, die Zeit für die Aussaat.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Chuan Juntar hat noch keinen Dünger gekauft. Einen solchen Preisanstieg habe er noch nie erlebt, sagt er und kramt einen zerknitterten Papierzettel hervor, auf dem er seine Kosten von Hand notiert hat. «Dieses Jahr ist das bisher Schlimmste», meint er.

Mann steht auf einem Feldweg in einer weitläufigen Landschaft.
Legende: Chuan Juntar auf seinem brachliegenden Reisfeld. Mit den hohen Düngerpreisen lohne sich der Anbau kaum mehr. SRF/Martin Aldrovandi

Er beginnt zu rechnen: die Kosten für den Traktor, die Pacht für das Land, die Löhne für die Arbeiter, die gestiegenen Dieselpreise und nun auch das teure Düngemittel. Chuan Juntar plant, günstigere Mischungen zu kaufen. Doch selbst diese sind in den letzten Monaten um rund ein Drittel teurer geworden. «Alles ist teurer geworden, aber der Preis für den Reis ist kaum gestiegen. Eigentlich lohnt sich das für mich nicht mehr, weil kein Gewinn übrig bleibt.»

«Müssen die Kosten weitergeben»

Unweit von Juntars Feld führt der Düngemittel-Zwischenhändler Somboon Sisuantang durch seine grossen Lagerhallen. Er geht zu ein paar wenigen Säcken, die in einer Ecke gestapelt sind. Harnstoff-Dünger, der wichtigste für die Reisbauern, sei kaum noch zu bekommen.

«Die Kosten sind kontinuierlich gestiegen. Seit dem Iran-Krieg haben alle Marken die Preise nach oben angepasst», erklärt Somboon. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als diese Kosten an die Bauern weiterzugeben.

Thailand importierte bis vor dem Krieg grosse Mengen an Düngemitteln aus der Region am Persischen Golf. «Normalerweise stammen etwa 60 bis 70 Prozent des importierten Harnstoff-Düngers aus Saudi-Arabien. In letzter Zeit konnte kein Harnstoff mehr importiert werden», so der Händler.

Mann steht vor gestapelten Reissäcken.
Legende: Händler Somboon Sisuantang erwartet wegen der gestiegenen Düngerpreise dieses Jahr deutlich weniger Absatz. SRF/Martin Aldrovandi

Die Lieferketten sind unterbrochen. Verschärft wird die Lage dadurch, dass auch China, ein weiterer wichtiger Produzent, den Export von Düngemitteln stark eingeschränkt hat, um die eigene Landwirtschaft zu schützen.

Hungerkrise droht

Die Folgen für die Nahrungsmittelproduktion werden sich wohl erst in einigen Monaten zeigen, wenn die Ernten wegen des geringeren Düngereinsatzes kleiner ausfallen. Die Situation in Thailand ist kein Einzelfall.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass die verschiedenen Auswirkungen des Nahostkonflikts dieses Jahr zusätzlich 45 Millionen Menschen weltweit in eine akute Hungersnot treiben könnten. «Ich mache mir Sorgen um die Landwirte», sagt Händler Somboon. «Wenn die Situation noch lange andauert, wird es für den Agrarsektor in Thailand sehr schwierig.»

Zurück auf dem Feld, hat Reisbauer Chuan Juntar eine Entscheidung getroffen. Trotz der hohen Kosten wird er auch dieses Jahr wieder Reis anbauen, wenn auch mit weniger Dünger. «Auch meine Nachbarn machen weiter, obwohl wir damit wohl kein Geld verdienen», sagt er mit einem Seufzer. Lässt er das gepachtete Land zu lange brachliegen, überwuchert es, und die Pacht muss er ohnehin bezahlen.

Echo der Zeit, 11.5.2026, 18:30 Uhr

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