Der Iran-Krieg hat Auswirkungen weit über den Nahen Osten hinaus. So ist etwa die weltweite Versorgung mit Gas und Erdöl gestört. Die Energie- und Rohstoffpreise steigen markant, was Unternehmen rund um die Welt belastet. Die Wirtschaft wird ausgebremst, die Teuerung angeheizt. Im Alltag bedeutet das, dass wir mit unserem Lohn weniger kaufen können.
Wie besorgniserregend ist die Situation?
Was wir sehen, ist ein geopolitischer Schock. Er trifft vor allem zwei empfindliche Bereiche: Energie und Nahrungsmittel. Beim Öl ist die Lage besonders dramatisch. Die Internationale Energieagentur warnt vor einer Rohstoffkrise historischen Ausmasses. Auch beim Gas ist die Lage heikel. Europa ist nach dem Wegfall des russischen Gases in hohem Masse von Flüssigerdgas abhängig, um seine Energieversorgung zu sichern – unter anderem von Katar. Doch das Emirat kann nicht mehr liefern. Man hatte es schlichtweg verpasst – auch in der Schweiz – unabhängiger zu werden von fossilen Brennstoffen.
Wie ist es bei den Nahrungsmitteln?
Bei den Lebensmittelpreisen ist die Energie ein zentraler Faktor für Dünger, für Maschinen, für Transport. Wenn Energie teurer wird, drückt das die Preise entlang der gesamten Produktionskette nach oben. Das trifft vor allem die Bevölkerung in ärmeren Ländern besonders hart. Das Gesamtbild ist deshalb heikel, weil der Schock die Konsumentenpreise nach oben drückt und gleichzeitig das Wachstum dämpft. Eine Kombination, die aus wirtschaftlicher Sicht besonders giftig ist. Kommt hinzu: Wenn der Irakkrieg morgen zu Ende ginge, würde eine Normalisierung der globalen Lieferketten noch Monate dauern.
Läuft die Teuerung aus dem Ruder?
Der entscheidende Punkt ist die Breitenwirkung der Teuerung. Wir sehen nicht nur höhere Energiepreise, wir beobachten auch, dass sich die höheren Kosten Schritt für Schritt durch die gesamte Wirtschaft fressen. Das gilt im Endeffekt natürlich auch für die Schweiz. In Deutschland hat die Inflation im Vergleich zum Februar schon merklich zugelegt. Und auch die Schweiz rechnet mit einem leichten Plus, ausgelöst allein durch den Iran-Krieg. Es geht aber auch um die Frage, ob sich die Erwartung festsetzt, dass die Preise kurz- und mittelfristig zulegen und das den Konsum bremst. In den USA sind diese Inflationserwartungen der Haushalte zuletzt wieder gestiegen.
Wie reagieren die Finanzmärkte?
Man kann sagen, sie sind zumindest teilweise nervös, aber noch nicht in Panik. Spannender und weniger sichtbar ist der Blick auf die Staatsanleihen. Dort passiert gerade Entscheidendes. Staaten müssen mehr Zinsen zahlen, wenn sie sich Geld leihen. Das betrifft praktisch alle grossen Volkswirtschaften und lässt die ohnehin schon hohe Schuldenlast der Staaten noch mehr steigen. Die Folge: Die Risiken für das Finanzsystem nehmen nochmals zu.
Wie sind Haushalte davon betroffen?
Höhere Zinsen bedeuten für Staaten meist zwei Dinge: Entweder sie sparen – also weniger Geld für öffentliche Leistungen – oder sie verschulden sich noch mehr und geben die Kosten indirekt weiter, etwa über Steuern oder Abgaben. Konkret in Europa sieht man, dass Länder mit hoher Verschuldung wieder stärker unter Druck geraten. Die Finanzmärkte signalisieren noch keine akute Krise. Aber es zeigt sich immer mehr, dass die Kosten des Iran-Kriegs im System ankommen. Das werden auch die Haushalte und die Unternehmen immer mehr spüren.