Zum Inhalt springen
Inhalt

International «Krise epischen Ausmasses» in Zentralafrika

Die UNO schlägt Alarm: Generalsekretär Ban Ki Moon fordert die internationale Gemeinschaft zu «sofortigem Handeln» auf. Die EU-Aussenminister haben beschlossen, rund 500 Soldaten in die Zentralafrikanische Republik zu entsenden. Das Krisenland hat seit heute eine neue Interimspräsidentin.

Legende: Video EU will Truppen in Zentralafrik. Republik senden abspielen. Laufzeit 01:07 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.01.2014.

Nach zehn Monaten schwerster Gewalt zwischen Muslimen und Christen ist die Zentralafrikanische Republik am Boden. Seit zehn Tagen herrscht zudem ein Machtvakuum. Interimsstaatschef Michel Djotodia und sein Ministerpräsident

Nicolas Tiangaye mussten am 10. Januar auf internationalen Druck hin zurücktreten. Djotodia war der Anführer der muslimischen Seleka-Rebellen. Er übernahm nach dem Sturz des christlichen Präsidenten François Bozizé im März 2013 die Führung.

Grafik der Zentralafrikanischen Republik.
Legende: Die Zentralafrikanische Republik mit der Hauptstadt Bangui ist etwa fünfzehn Mal so gross wie die Schweiz. SRF

Freiwillige «Überbrückungsmission»

Nun hat die EU beschlossen, eine Militärmission in die Zentralafrikanische Republik zu entsenden. Rund 500 Soldaten sollen die französischen und afrikanischen Truppen unterstützen. Diese sind bereits mit über 5600 Soldaten dort stationiert. Sie versuchen bisher vergeblich, den Religionskrieg in den Griff zu bekommen.

Erwartet wird, dass sich der Einsatz auf die Hauptstadt Bangui und die Sicherung des dortigen Flughafens konzentriert. Dies, um die 100'000 Flüchtlinge dort zu schützen, und um sicherzustellen, dass humanitäre Hilfe weiter ins Land gebracht werden kann.

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sprach in Brüssel von einer «europäischen Überbrückungsmission», an der sich die EU-Länder zwar beteiligen können, aber nicht müssen. Deutschland werde sich nicht daran beteiligen, weil es sich stärker in Mali engagieren werde, sagte Steinmeier.

EU-Diplomaten zufolge soll die EU-Truppe solange im Einsatz sein, bis die afrikanische Eingreiftruppe Misca die geplante Truppenstärke von 6000 Mann erreicht hat oder eine UNO-Friedensmission nach Zentralafrika geschickt wird.

Derweil werden immer neue Gräueltaten aus dem bitterarmen Land werden gemeldet. Am Wochenende töteten und verbrannten christliche Milizen in Bangui zwei Muslime auf offener Strasse.

Gegenseitiger Hass scheint unermesslich

Auf einem Agenturbild ist zu sehen, wie ein Mann, der offensichtlich einen anderen Mann erstochen hatte, das Blut seines Opfers ableckt, das am Messer haftete. Der gegenseitige Hass ist offenbar unermesslich.

Die Krise in der Zentralafrikanischen Republik hat laut UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon ein «episches Ausmass» angenommen. Er fordert die internationale Gemeinschaft zu «sofortigem Handeln» auf.

Diese Botschaft Bans wurde in Genf im UNO-Menschenrechtsrat verlesen. Ban bittet darin die internationale Gemeinschaft, der Zentralafrikanischen Republik zu helfen und die Übergangsbehörden zu unterstützen.

Finanzielle Hilfe wegen Hungersnot

Die internationale Gemeinschaft hat 366 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in der Zentralafrikanischen Republik zusagt. Das teilte die zuständige EU-Kommissarin mit.

Die anhaltende Gewalt hat eine humanitäre Katastrophe mit unabsehbaren Folgen ausgelöst. Über vier Millionen Menschen sind davon betroffen – es droht eine Hungersnot.

Neue Staatsführung

Samba-Panza im Parlamentssaal bei ihrer Wahl.
Legende: Reuters

Catherine Samba-Panza, die Bürgermeisterin der Hauptstadt Bangui, ist vom Übergangsparlament zur neuen Interimspräsidentin gewählt worden. Sie setzte sich in einer Stichwahl gegen den Sohn eines früheren Präsidenten durch. Samba-Panza steht vor einer Herkules-Aufgabe: Sie muss das zwischen Christen und Muslimen zerrissene Land wiedervereinen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    "Die EU-Aussenminister haben beschlossen, rund 500 Soldaten in die Zentralafrikanische Republik zu entsenden" Die Region dort hat einige der weltweit reichsten Uran-, Gold-, und Diamantvorkommen. Das hat man bei der EU offenbar auch schon mitbekommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @B. Kerzenmacher: Diese Tatsache ist schon seit längerer Zeit bekannt. Deswegen ist auch ein Kontingent südafrik. Truppen zum Schutze der südafrik. Minengesellschaften stationiert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von J-P.Simon, Nietzscheaner, Bern
    Wenn Bozizé den wallenden u. viel Staub aufwirbelnden Mantel der Religion umhängte – ein grober Fehler. Dieser Fehler weht ins Forum hinein, bei einigen Schreibern hat es das Buch des Korans geöffnet, mehr aufgeweht. Mit den zitierten Sprüchen, schrammt man am eigentlichen Problem vorbei. Wieder muss ich A.Käser Recht geben. Denn ich komme heute nicht mehr umhin, kann es auch nicht, die Ereignisse in Afrika nur in sich selbst zu beurteilen, ohne die internat. Gemeinschaft oder Mafia beizuziehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Und wieder einmal sind die Religionen die Übeltäter.Religionen?Oder geheime Mafia-Wirtschaftsorganisationen?Organisationen,die sich wie Krebsgeschwüre in alle Nationen einnisten,unter dem Vorwand verlogener"Liebesbotschaften".Um ihre Macht auszubauen und zu erhalten sähen sie Hass und Zwietracht.Sie sind es,die die Legitimation an sich reissen(dank ihren Dogmen)ihre "Nase" in sämtliche politischen Angelegenheiten zu"hängen".(weiter)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      (Weiter)Gleichzeitg sind sie eifrig darum bemüht, mittels Bevölkerungsvermehrung,Kultivierung der Armut und Verhinderung der Bildung,jedwelche Demokratisierungsbemühungen zu torpedieren.Sie fachen überall Brandherde an,um politische Kräfte zu binden,zu schwächen.Gegenmittel:Verteilung von Gratisverhütungsmittel,Gratis-Unterbindungen u.Sterilisationen.Keine Mittel und Kräfte für Militärinterventionen.Vom Virus befallene Gebiete"ausbluten"lassen.In noch verschonten Gebieten,in Bildung investieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      Wo der Islam in seiner Ausbreitung an seine Grenzen stösst bzw. es Widerstand gegen die Islamisierung gibt, herrscht Krieg und Konflikt - egal wo auf dieser Welt: Südbalkan, Afrika, Naher Osten, Russland, Bangladesh, Burma/Myanmar, Südthailand, Phillippinen, Indonesien, etc.. "Bekämpft sie, bis es keinen Widerstand mehr gibt und aller Glaube einzig für Allah ist." - Koran, 8:39
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von E. Waeden, H
      Allah, Gott ist doch dasselbe! Nur die Auslegung des Glaubens ist das Problem & wie man "heilige" Schriften interpretiert. "Doch der Mensch kann nicht in Frieden leben", solange er denkt er hätte den wahrhaften Glauben. Wobei nicht nur in Bangui viele Jahre Islamisten & Christen friedlich miteinander gelebt haben. In Wahrheit sind es ungläubige Extremisten die zerstören, was friedlich ist & nebeneinander funktioniert. Aber Hunger & Not macht Menschen eben manipulierbar.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @Herr Christen: statt stereotype Sprüche abzusetzen wäre es vielleicht ratsam, sich etwas besser zu informieren. In der Zentralafrikanischen Republik war es nicht das Anliegen der Rebellen, den Islam zu verbreiten, sondern sich gegen die Unterdrückung durch den christlichen Präsidenten Bozizé zu wehren, der die Religion in die Politik des einst laizistischen Landes brachte. Zuvor haben Christen und Moslems meist friedlich zusammen gelebt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Waeden - wenn Allah, Gott und Yahwe alles dasselbe sein soll, dann können Sie mir sicher erklären, warum im Koran, Sure 5:51 steht: "O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden, sie sind untereinander Freunde, und wer von euch sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von ihnen. Siehe, Allah leitet nicht die ungerechten Leute." - Allah hat also ein grosses Problem, wenn seine Schäfchen mit 'Ungläubigen' Freundschaft schliessen. Klingt nicht wie ein und derselbe Gott.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von J. Alexander, Herisau
      @Christen: 5. Mose - Kapitel 21: "Wenn jemand einen eigenwilligen und ungehorsamen Sohn hat ... Dann sollen ihn alle Leute seiner Stadt steinigen, dass er stirbt." - Kingt für mich ziemlich nach dem selben Gott
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    7. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Alexander - und wo hat jetzt 5. Mose 21 etwas mit Sure 5:51 zu tun, dass daraufschliessen lässt, dass Yahwe und Allah dieselbe Gottheit sind?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen