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Nach der Explosion in Beirut: Immer mehr Libanesen wollen das Land verlassen
Aus HeuteMorgen vom 30.09.2020.
abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
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Krise in Libanon Die Verzweiflung in Libanon wächst

Nach der Explosion in Beirut wollen immer mehr Libanesinnen und Libanesen das Land verlassen – und nehmen dabei Risiken in Kauf.

Die jüngsten Berichte über die Leichen libanesischer Staatsbürger, die Behörden aus dem Meer bergen, bestürzen die libanesische Bevölkerung – elendiglich waren sie verdurstet oder ertrunken. Die Überlebenden berichten, wie sie Zahnpasta assen, weil sie nichts anderes zu essen hatten.

Baracke, davor junge Menschen.
Legende: Keine Arbeit, kein Geld: Viele Libanesen wollen ihr Land verlassen – in Richtung Europa. SRF/Susanne Brunner

Solche Berichte schrecken den 22-jährigen Abed el Rahman Saade aus Tripoli jedoch nicht davon ab, selbst von der illegalen Überquerung nach Zypern zu träumen. «Ich frage nicht, ob ich dabei sterben werde. Ich will eine Zukunft. Hier lebe ich in der Hölle», sagt der junge Mann, der einen Bachelor in erneuerbaren Energietechnologien für Heizungs- und Kühlsysteme hat.

Ich frage nicht, ob ich dabei sterben werde. Ich will eine Zukunft. Hier lebe ich in der Hölle.
Autor: Abed el Rahman Saade22-jähriger Libanese

Weiterstudieren kann er nicht – dafür hat er kein Geld. Zusammen mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern lebt er in einer kleinen Zweizimmerwohnung. «Ausser mir haben alle Corona. Sie bleiben jetzt zusammen in einem Zimmer, ich im anderen Zimmer.»

900 Franken für eine Überfahrt

Für eine echte Quarantäne ist kein Platz. Im Spital bekommt seine Familie keine Pflege, wofür Abed eine zynische Erklärung hat. Je mehr Corona-Kranke Libanon habe, desto mehr Geld erhofften sich seine korrupten Politiker von der internationalen Gemeinschaft.

Gasse mit zerfallenden Häusern in Tripoli.
Legende: Die Armut ist überall sichtbar in Tripoli. SRF/Susanne Brunner

Doch das Geld werde bei den Armen aber nie ankommen. «Die armen Leute gehen in die Hölle», sagt er bitter. Der junge Mann muss für seine coronakranke Familie Lebensmittel auf Pump kaufen und die Schulden später zurückzahlen, sobald der Vater wieder arbeiten kann.

Umgerechnet rund 900 Franken verlangen Schmuggler für einen Platz auf einem überfüllten Flüchtlingsboot nach Zypern – zu viel für Abed. Könnte er das Geld auftreiben, würde er die Überfahrt allerdings wagen – trotz Lebensgefahr oder der drohenden Rückschaffung nach Libanon durch die zyprischen Behörden.

Zunahme von Flüchtlingen aus Libanon

Anfang September schickte Zypern nach eigenen Angaben über 200 Syrer und Libanesen zurück. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bestätigt die Zunahme von Bootsflüchtlingen aus Libanon Richtung Zypern.

Zerfallende Gebäude, davor junge Menschen.
Legende: Viele junge Libanesen sehen keine Zukunft mehr in ihrem Land. SRF/Susanne Brunner

Zu den schrecklichen Berichten sagte der libanesische Staatspräsident Michel Aoun, dass der Menschenschmuggel härter bekämpft werden müsse. Mehr Stipendien oder Arbeitsplätze für junge Menschen stellte er nicht in Aussicht. Doch dies wäre das Einzige, was Abed längerfristig davon abhalten kann, auch ein Bootsflüchtling zu werden.

Heute Morgen, 30.10.2020, 6:00 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Hauser  (danielhauser)
    Ich sehe nicht ein, warum der Westen im Libanon den grössten Teil der Hilfe stemmen sollte. Dazu habe sie genügend finanzstarken arabische Nachbarn. Wenn grosse arabische Fluggesellschaften per Email um solche Hilfe bitten, dann haben wir durch reine Wahl dieser Fluggesellschaften schon genug getan.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Zypern kann, was weder die Griechen noch die Italiener schaffen. Rückführungen in den Nahen Osten, bravo.