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Kritik an Einwanderungsbehörde USA: Demonstrationen nach tödlichen Schüssen durch ICE-Beamten

  • Nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf eine Frau sind am Samstag in Minneapolis Zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen.
  • Die Demonstration war Teil von mehr als 1000 landesweiten Kundgebungen gegen die Abschiebepraxis der US-Regierung.

Der massive Protest in Minneapolis unterstreicht die grosse Empörung über den Tod einer 37-Jährigen, die am Mittwoch in ihrem Auto von einem ICE-Beamten erschossen wurde. Das Opfer war eine Freiwillige in einem Netzwerk, das ICE-Einsätze in Minneapolis beobachtet.

Menschenmenge bei Protest mit Schildern gegen Krieg.
Legende: Die Demonstrierenden in Minneapolis protestieren am Samstag gegen die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf eine Frau und fordern das Ende der Abschiebepraxis der US-Einwanderungsbehörde. imago images/Chris Riha (10.01.2026)

Die Darstellung des Vorfalls der demokratisch geführten Behörden in Minnesota und der republikanischen Regierung unterscheidet sich stark. Den Behörden in Minnesota zufolge war der Schusswaffengebrauch ungerechtfertigt. Ein Video eines Augenzeugen zeige, wie das Fahrzeug der Getöteten von dem Beamten wegdrehte, als dieser feuerte.

Das Ministerium für Innere Sicherheit (DHS), dem die ICE untersteht, erklärte hingegen, der Beamte habe in Notwehr gehandelt. Das DHS erklärte hingegen, die 37-Jährige sei auf den Beamten zugefahren, nachdem ein Kollege sie aufgefordert hatte, das Auto zu verlassen.

Video zeigt das Aufeinandertreffen der Frau und des Beamten

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Der 47 Sekunden lange Clip zum Aufeinandertreffen der Getöteten und des ICE-Beamten wurde am Freitag von der Webseite «Alpha News» veröffentlicht.

«Ich bin nicht sauer»

Aus Perspektive des Beamten sieht man, wie er um den mitten auf der Strasse stehenden Honda der Frau herumgeht. Die 37-jährige Frau schaut den Beamten an, der näher kommt. «It's fine, Dude. I'm not mad», sagt sie, auf Deutsch etwa: «Ist schon gut, Mann. Ich bin nicht sauer.» Eine andere Frau fordert ihn auf, sein Gesicht zu zeigen.

Beamter sagt nichts

Der Filmende reagiert auf eine Ansprache der Frau, laut US-Medien die Partnerin der 37-Jährigen, nicht. Er geht wieder auf die Beifahrerseite des Fahrzeugs. Im Hintergrund geht ein weiterer Beamter auf die Fahrerseite des Autos zu. Eine Männerstimme sagt: «Raus aus dem Auto. Komm raus aus dem verdammten Auto.»

Der Honda setzt sich wieder in Bewegung, zunächst rückwärts, die Räder des Fahrzeugs so gedreht, dass er nach hinten links fährt. Dann dreht die Fahrerin das Lenkrad in die entgegengesetzte Richtung, wechselt in den Vorwärtsgang, das Auto fährt los.

Plötzlich brüllt ein Mann – aufgrund der Lautstärke offensichtlich der Beamte – etwas wie «Whohoo», im Hintergrund wird auch geschrien. Abrupt zeigt die Kamera in den Himmel, Knallgeräusche sind zu hören, wieder ein Schrei. Kurz danach sagt ein Mann: «Fucking bitch» (Deutsch: verdammte Schlampe). Die Kamera hat sich inzwischen wieder auf die Strasse gerichtet. Zu sehen ist, wie das Auto sich von der Szene entfernt, bis ein Aufprall zu hören ist.

Was das Video nicht zeigt

Das Video zeigt nicht, ob der Beamte direkt vom Fahrzeug bedroht oder berührt wurde. Das Heimatschutzministerium und der US-Vizepräsident führen das Video dennoch als Beleg dafür an, dass der Beamte auf die Fahrerin schoss, weil er sich selbst verteidigen musste. Die «New York Times» hat andere Videos zur Rekonstruktion des Vorfalls ausgewertet. Sie verweist darauf, dass der Beamte auf anderen Aufnahmen links neben dem Wagen zu sehen ist, der nach rechts abdreht – also von ihm weg –, als er schiesst.

Die Beschreibung des Videos wurde gekürzt.

Die Schüsse fielen kurz nachdem rund 2000 Bundesbeamte in den Grossraum Minneapolis-St. Paul entsandt worden waren. Das Ministerium für Innere Sicherheit bezeichnete dies als seine bisher grösste Operation und verschärfte damit den Konflikt mit der Staatsführung in Minnesota.

Die Spannungen verschärften sich am Donnerstag weiter, als ein Beamter der US-Grenzpolizei in Portland im Bundesstaat Oregon einen Mann und eine Frau in ihrem Auto anschoss und verletzte. Ähnlich wie im Fall von Minneapolis erklärte das DHS, der Fahrer habe versucht, sein Fahrzeug als Waffe einzusetzen und die Beamten zu überfahren.

Proteste weitgehend friedlich

Die Proteste in Minneapolis verliefen nach Angaben von Bürgermeister Jacob Frey grösstenteils friedlich. In der Nacht zum Samstag sei es jedoch zu Sachbeschädigungen in einem Hotel und zu 29 Festnahmen gekommen, als Demonstranten versuchten, in ein anderes Hotel einzudringen, in dem sie ICE-Beamte vermuteten. «Wir werden dem Chaos von Donald Trump nicht mit unserem eigenen Chaos begegnen», sagte Frey. «Er will, dass wir den Köder schlucken.»

Pressekonferenz mit drei Personen, darunter ein Polizist, mit Mikrofon und Schneefall.
Legende: Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey (Mitte), hat nach der tödlichen Erschiessung zu gewaltlosem Protest aufgerufen. AP Photo/Jen Golbeck (10.11.2026)

Zutritt zu ICE-Hauptquartier verweigert

Am Samstagmorgen wurde drei demokratischen Kongressabgeordneten aus Minnesota der Zutritt zu einem regionalen ICE-Hauptquartier verwehrt. Die Abgeordneten bezeichneten die Verweigerung als illegal. «Es ist unsere Aufgabe als Mitglieder des Kongresses, sicherzustellen, dass die Inhaftierten menschlich behandelt werden», sagte die Abgeordnete Angie Craig.

Eine Sprecherin des Ministeriums für Innere Sicherheit erklärte, der Zutritt sei verweigert worden, um «die Sicherheit der Häftlinge und des Personals zu schützen». Zudem müssten Kongressmitglieder Besuche sieben Tage im Voraus anmelden.

SRF 4 News, 11.01.206, 8 Uhr ; 

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