Zum Inhalt springen

International Kroatien ist zurück an seinem «rechtmässigen Platz»

Kroatien feiert seine EU-Mitgliedschaft. Punkt Mitternacht wurde die Europaflagge gehisst. Doch in die Freude mischen sich Sorgen und Zweifel, denn viele ungelöste Probleme warten.

Legende: Video Feiern zum EU-Beitritt in Zagreb abspielen. Laufzeit 1:03 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 01.07.2013.

Seit Mitternacht ist Kroatien das 28. Mitglied der EU. Zusammen mit Tausenden Kroaten feierten am Sonntagabend 170 internationale Vertreter, darunter die Spitzen der EU-Kommission, den EU-Beitritt des kleinen Adrialandes. Zum Abschluss der Feiern wurde in der Hauptstadt Zagreb ein Feuerwerk gezündet.

«Ihr seid immer Europäer gewesen»

Kroatien sei nun an seinen «rechtmässigen Platz» im Herzen Europas zurückgekehrt, so EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei der zentralen Feier in Zagreb. Kroatien sei gut vorbereitet, habe wichtige Reformen unternommen und sei ein Beispiel für andere Staaten in der Region. «Ihr seid immer Europäer gewesen», sagte EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Kroatiens Beitritt sei ein «Meilenstein» und wichtiger Vorreiter für die Region.

«Solche Momente gibt es nicht oft für eine Nation», sagte Staatspräsident Ivo Josipovic bei einem Abendessen für die Gäste und versprach, die EU-Mitgliedsbestrebungen anderer Staaten auf dem Westbalkan zu unterstützen. Sein Land habe eine neue Verantwortung, die Staaten der Region unterstützen, Europäische Kriterien zu erfüllen, so auch Ministerpräsident Zoran Milanovic.

Wieso nimmt die EU Kroatien auf?

Die Probleme in Europa seien nicht aus der Welt, wenn die osteuropäischen Länder draussen blieben, sagt der Osteuropa-Journalist Norbert Mappes-Niediek im Gespräch mit SRF: «Im Gegenteil, sie werden stärker.» Und letztlich würden sie – wie die Kosten der Jugoslawienkriege – auf die grossen europäischen Staaten zurückfallen.

«Im Prinzip hat Kroatien jetzt den Zugang zu den grossen europäischen Fonds, für Sozialpolitik und anderes.» Allerdings, sagt Norbert Mappes-Niediek, täten sich gerade neue EU-Länder mit schwachen Verwaltungen schwer, darauf zuzugreifen. «Es kann sein, dass irgendwann die Währung gestützt wird. Daran wird sich die EU auch beteiligen, dies wäre aber hauptsächlich die Aufgabe des IWF.»

Um in die EU aufgenommen zu werden, habe Kroatien einen Prozess durchmachen müssen, sagt der Journalist und Osteuropa-Kenner. Vor allem die Entflechtung zwischen Politik und Mafia sei eine wichtige Errungenschaft des Landes. «Vielleicht ist es der wichtigiste Schritt in dem ganzen Prozess.»

Die Probleme bleiben

Kroatien ist nach Slowenien das zweite EU-Mitglied aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die frühere jugoslawische Republik, die seit 1991 selbstständig ist, bringt grosse Probleme mit. Die Wirtschaft ist schwer angeschlagen, die Industrie liegt am Boden, die Sozialsysteme drohen zusammenzubrechen und die öffentliche Verwaltung muss modernisiert werden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dezsö Kulcsar, Ungarn Debrecen
    Will man denn total ignorieren, dass der einzige Vorteil der EU-Einigung die Friedenswahrung ist, so bitte, setzt ihr eure Dschungelkämpfe der "nationalen" Interessen auch durch Waffengewalt fort, um die kleinen Pfründe (Kursvorteile) weiter genießen zu können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Das ist ja das Dilemma der Rechtsnationalen: Einerseits müssen die anerkennen, dass durch die EU der Frieden in Europa einkehrte, andererseits halten sie am System sich bekämpfender Nationalstaaten fest, weil es für die Schweiz billiger kommt. (im Moment)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Jene die effektiv zur Kasse gebeten werden, sehen dies natürlich anders. Wahrscheinlich wäre dem Frieden besser gedient, wenn diese Problemländer im Balkan vorerst mal "draussen" bleiben müssten. Aber eben, wenn's um Macht und Einfluss geht, wird so manches in Kauf genommen, auch wenn's letztlich schief gehen muss. Und ein Beitritt der Balkanländer wird an irgend einer Stelle erhebliche Probleme mit sich bringen. Daran kann keiner wirklich zweifeln.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tobias Funk, Winterthur
    Ein weiteres Schulden Land kommt nun in die Schulden EU. Herzlich Willkommen. Fr.1Mia Kohäsions-Steuergeld liegt schon bereit! Ein JA zur Erweiterung der PFZ ist auch schon auf sicher!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Laut CIA wird die Staatsverschuldung für 2011 auf 43,9 % des BIP geschätzt. Als Vergleich die Zahlen der Schweiz: Die Staatsverschuldung betrug 2009 198,4 Milliarden US-Dollar oder 40,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Und nicht vergessen: jene, welche vom Amt für Migration mit 6000 Franken in der Tasche ihre Heimreise nach Kroatien subventioniert bekamen, werden bald über die Personenfreizügigkeit, welche wohl wieder mit einem nicht ablehnbaren "Päkli" zur Abstimmung kommen wird, zurück in die Schweiz kommen... Natürlich alles im Sinne der humanitären Tradition der Schweiz... :-/
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Betrachten Sie es doch mal von einer anderen Seite: Wie oben Dezső Kulcsar erwähnt, dient die EU hervorragend der Friedenswahrung. Der Jugoslawienkrieg ist noch nicht so lange her - mit dem Beitritt zur EU ist das nun, so lange die EU lebt, vorbei. Auf deutsch: es macht 100 mal mehr Sinn, die Einbindung Kroatiens mit zu finanzieren, als unnötig Wahnsinnssummen für eine absolut nutzlose Armee eines winzigen Landes oder einer Insel inmitten der EU zu verschleudern.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von M. Keller, Thurgau
      L. Kunz: die EU _DIENTE_ dem Frieden. Eventuel ist es ihnen schon aufgefallen, das in mehreren Ländern der EU die Menschen auf die Strasse gehen, und gegen die EU und EU-freundliche Regierungen demonstrieren. Vgl. Spanien und Frankreich. Lesen Sie mal internationale Medien; in Deutschland gilt nämlich das über diese Demonstrationen mit bereits weit mehr als 90 Toten nicht berichtet werden darf. Frieden in der EU? Es kracht bald WEGEN der EU (weil die Idee korrumpiert wurde)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen