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International Kurdenstaat in Nordsyrien: Wird Erdogans Albtraum wahr?

Die Türkei wollte eines immer verhindern: einen Kurdenstaat im Nachbarland. Und nun ausgerechnet das: Die Kurden haben eine Selbstverwaltung im Norden Syriens ausgerufen – direkt an der Grenze. Ein symbolischer, aber gefährlicher Schritt.

Recep Tayyip Erdogan
Legende: Recep Tayyip Erdogan fürchtet eine Stärkung des Autonomiestrebens der Kurden in der Türkei. Keystone

Die syrischen Kurden und ihre Verbündeten haben eine autonome Region im Norden des Landes ausgerufen. Der Plan für ein «föderales System» sei bestätigt worden. Dies sagte ein Kurdensprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Das Autonomiegebiet soll drei bereits existierende Selbstverwaltungen in Nordsyrien einschliessen. Die türkische Regierung hatte wiederholt gedroht, dass sie einen Kurdenstaat in Nordsyrien nicht dulden werde.

«Wertlos und ohne Auswirkungen»

Die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) beherrscht weite Gebiete im Norden Syriens und führt diese faktisch bereits autonom. Sie ist der syrische Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und wird von den USA unterstützt.

Die Reaktion des Assad-Regims folgte postwendend: Die Ausrufung einer autonomen Region sei «wertlos». Die Erklärung werde «keine rechtlichen, politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Auswirkungen» haben, liess ein Mitarbeiter des Aussenministeriums verlauten.

Auch die grösste syrische Opposition kritisierte den Schritt. Die Form des syrischen Staates zu bestimmen – ob nun zentral oder föderal – sei keine Entscheidung einer einzelnen Fraktion. Dies erklärte die vom Westen unterstützte Allianz in einer Stellungnahme. Denn über dieses neue Syrien werde bei den momentan in Genf stattfindenden Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien verhandelt.

Terroristen mit «sehr wenig» Unterstützung

Bei der Föderation soll es sich aber nicht um einen eigenen Staat handeln. Sie sei auch keine Reaktion darauf, dass die PYD nicht zu den Gesprächen in Genf eingeladen sei. Die Pläne für die Autonomieregion gebe es schon längere Zeit, entgegnete die PYD.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch gesagt, die Mitglieder der PYD seien Terroristen mit «sehr wenig» Unterstützung unter den syrischen Kurden. Ankara befürchtet eine Stärkung des Autonomiestrebens der Kurden in der Türkei.

Die PYD hatte Ende 2013 bereits Selbstverwaltungen für die drei Kantone Dschasira, Kobane und Afrin eingerichtet. Während Dschasira und Kobane durch ein Vorrücken kurdischer Kämpfer gegen die Terrormiliz IS miteinander verbunden wurden, bleibt Afrin im Nordwesten eine Exklave.

Wichtiger Partner des Westens

Der militärische Arm der PYD beherrscht den grössten Teil der syrisch-türkischen Grenze. Die Miliz ist im Kampf gegen den IS der wichtigste Partner des Westens und werden mit Luftangriffen unterstützt. Sie soll bei Gefechten mit syrischen Rebellen laut Aktivisten auch von der russischen Luftwaffe unterstützt worden sein.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Cornelius Jaschko (Politically Correct Player)
    Es zeigte sich, dass die menschliche DNA von der Schimpansen-DNA in nur rund 1,7 Prozent abweicht was sehr zum denken bewegt :-) Leider kann man feststellen dass die Schimpansen auch Territorial sind und Kriegs Partien gegen andere Schimpansen organisieren jedoch foltern sie sich nicht gegenseitig und empfinden tiefen Hass und manchmal das Vergnügen dabei :-) Traurig wie tief der Kapitalismus uns gebracht hat :-) Den 1.7% Genetischen Vorsprung gewinnen wir hier verlieren aber da :-) Gott helfe !
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    1. Antwort von Franz Huber (R.)
      Wenn sie Recht haben mit ihrer Behauptung, dass die Schimpansen keinen Hass empfinden. Und auch keine Lust und/oder Befriedigung wenn sie einen Artgenossen töten. Dann haben wir gar keinen Genetischen Vorsprung zu verlieren.Ganz im Gegenteil. Wir müssen aufholen. Und es stimmt schon, solche weniger schönen menschlichen Gefühle gibt es natürlich nur im Kapitalismus. Der herrschte ja auch schon zu Biblischen Zeiten, der Kapitalismus.
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  • Kommentar von Paul Waldy (Paul Waldy)
    Herr Erdogan zieht alle über den Tisch. Dank an Frau Merkel, Harr Hollande und alle anderer EU Politiker. Dir Türkei braucht für seine Bürger kein Visum, die Türkei kommt in die EU und so sind alle Migranten automatisch auch in der EU. Ich bin' der Meinûg alle unsere Politiker sind blind und naïv und keine Zukunftsplanner.
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  • Kommentar von Cornelius Jaschko (Politically Correct Player)
    Die Welt Führer handeln meistens aus den Angst Zuständen die ich auch gerne als Psychosen bezeichnen würde :-) Hätte der Erdogan eine Freundschaft mit den Kurden gesucht müsste er jetzt keine Angst haben, sondern würde sich freuen über neue Handelsbeziehungen die er erreichen könnte :-) Wir leben im Universum wo The Fibonacci Sequence,The Golden Ratio in allen dingen aufzufinden ist und anstatt herauszufinden unseren Anschluss zum Universum wir bekriegen uns wie Tiere zu Dinosaurier Zeiten :-)
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