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Das letzte TV-Duell vor den Wahlen
Aus Nachrichten vom 07.12.2019.
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Kurz vor den Wahlen Ein Duell in zwei parallelen Universen

Zum zweiten und letzten Mal haben die beiden Kandidaten für das Amt des britischen Premierministers gestern Abend die Klingen gekreuzt. Die beiden Männer, Boris Johnson für die Konservativen und Jeremy Corbyn für Labour, standen zwar im selben Fernsehstudio der BBC in Maidenhead in der Grafschaft Kent, aber sie bewegten sich in unterschiedlichen Welten. Sie führen zwei gänzlich verschiedene Wahlkämpfe; am Donnerstag ist Wahltag.

Die Qual der Wahl

Jeremy Corbyn sprach kritisch vom britischen Sozialgefüge, von grassierender Armut und Ungleichheit, und versprach grosszügige Abhilfe, einen hoffnungsvollen Neubeginn. Boris Johnson dagegen sprach ungeachtet der Fragen vom Brexit, den er allein mit einem kühnen Handstreich vollziehen werde. Schamlos setzt Johnson also auf den Überdruss, den das Thema Brexit in der breiten Öffentlichkeit verbreitet.

Wie schon beim ersten Fernsehduell vor fast drei Wochen konnte das Publikum in einer Blitzumfrage keinen Sieger ausmachen, was möglicherweise auch bedeutet, dass beide Kandidaten in gleichem Umfang anziehen und abstossen. Die Stimmbürger, so darf man vermuten, hätten lieber andere Kandidaten für das Premierministeramt. Dieses Dilemma wurde am Freitag noch unterstrichen, als zwei ehemalige Premierminister, Tony Blair und John Major, öffentlich davon abrieten, ihre eigenen Parteien zu wählen.

Taktische Wähler

Die Meinungsumfragen bilden unverändert einen klaren Vorsprung der Konservativen ab, der nur geringfügig geschrumpft ist. Sowohl die Tories als auch Labour haben in den letzten drei Wochen zugelegt – die Konservativen auf Kosten der Brexit-Partei von Nigel Farage, Labour zum Schaden der wenig überzeugenden Liberaldemokraten.

Doch der prozentuale Vorsprung der Konservativen lässt sich unter dem geltenden Majorzwahlrecht nicht automatisch in eine parlamentarische Mehrheit übersetzen. Taktische Wähler in wenigen Dutzend Wahlkreisen werden letztlich darüber entscheiden, ob Boris Johnson die absolute Mehrheit schafft, die er für seinen Brexit braucht.

Martin Alioth

Martin Alioth

Grossbritannien- und Irland-Korrespondent, SRF

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Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Es zeugt von der Kraftlosigkeit der europäischen Linken, dass Jeremy Corbyn dort als Retter gelten könnte. Corbyn war sein Leben lang skeptisch gegenüber Europa, was für europäische Fortschrittliche schon für sich allein ganz unmöglich sein sollte. Er stimmte 1975 gegen den Beitritt GB zur Europ. Wirtschaftsgemeinschaft und rührte 40 Jahre später kaum einen Finger in der Kampagne gegen den Brexit. Jetzt wehrt er sich gegen den Brexit, will ein Referendum. Ein zwiespältiger Mann bzw. Politiker
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    1. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Corbyn will ein Referendum inklusive "wollt ihr diesen Deal" vorlegen. Ich finde das nicht zwiespältig sondern richtig. Jetzt, wo die Tatsachen bekannt sind, kann sich das Volk besser entscheiden.
      Wie ein zweites Referendum herauskommen würde, ist ebensowenig abzuschätzen, wie, wer am Donnerstag die Parlamentswahlen gewinnen wird.
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Johnson gab sich betont staatsmännisch und seriös und Corbyn wiederholte die üblichen Labourpositionen. Und keiner konnte überzeugend erklären, wie sie die ganzen dem Volk versprochenen Weihnachtsgeschenke finanzieren wollen. Und keiner war besonders überzeugend und schon gar nicht mitreissend. Ist eigentlich nur noch interessant, wieviel Prozent die Libdems bei der Wahl holen werden (15% oder mehr). Wahrscheinlich wird es eine schwierige Regierungsbildung werden.
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  • Kommentar von Bruno Mazzotti  (Bruno Mazzotti)
    Schlussendlich wird es darum gehen, welcher von den Beiden der bessere und intelligentere Verhandler auf dem internationalen Parkett sein wird. Hier scheint Johnson die Nase vorne zu haben, da Corbin nach wie vor laviert und keine klare Aussage zur EU - Frage macht.
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