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Draghi überreicht Lagarde eine Glocke
Aus News-Clip vom 28.10.2019.
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Lagarde übernimmt EZB Eine Frau für schwierige Aufgaben

Es sind Zeiten grossen Streites und grosser Unsicherheiten, in denen Christine Lagarde als erste Frau das Zepter bei der Europäischen Zentralbank (EZB) übernimmt.

Symbolisch wurde Christine Lagarde heute in Frankfurt von ihrem Vorgänger Mario Draghi die Glocke übergeben, mit der die Präsidentin in den Sitzungen des EZB-Rates die Mitglieder zur Ordnung ruft.

Christine Lagarde, neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, erhält in Frankfurt eine Glocke von ihrem Vorgänger Mario Draghi.
Legende: Reuters

Und dieses Instrument kann sie brauchen in diesen turbulenten Zeiten, in denen von Lagarde vor allem diplomatische Qualitäten gefragt sein dürften, die einen Ausgleich zwischen Nord- und Südeuropäern aushandeln kann.

Grosse Glocke nur für die Übergabe

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Bei der doch recht grossen Glocke, die Christine Lagarde heute von Draghi entgegennahm, handelt es sich übrigens nur um eine Kopie. Das tatsächlich deutlich kleinere Originalglöckchen blieb an seinem angestammten Platz im EZB-Turm.

Die Zeichen der europäischen Geldpolitik stehen nämlich derzeit auf Sturm. Im EZB-Rat, dem obersten Entscheidungsgremium der europäischen Zentralbank, brodelt es so sehr, dass die Spannungen zwischen den Mitgliedern aus dem Süden und dem Norden zuletzt auch öffentlich ausgefochten wurden.

Für trockene und diskrete Zentralbanker fast schon eine Ungeheuerlichkeit. Die Entscheidung des EZB-Rates im September, umstrittene Anleihenkäufe wieder aufzunehmen, hatte vor allem Repräsentanten aus Nordeuropa empört.

Laute Kritik aus Nordeuropa

In dieser Hinsicht ist die neue Präsidentin ein Gegenentwurf zu ihrem Vorgänger. Mario Draghi, der Ökonom mit einem prestigeträchtigen Doktorabschluss vom Massachusetts Institute of Technolgy (MIT), rettete mit seiner Geldpolitik zwar den Euro und formte die EZB zu einer modernen Zentralbank – doch seine Kritiker vor allem in Nordeuropa wurden in den letzten Monaten nur lauter, statt leiser.

Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank: Mario Draghi.
Legende: Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank: Mario Draghi. Keystone

Das schlimmste Szenario für die Euro-Zone wäre es aber, wenn sich die Mitglieder der europäischen Zentralbank nicht mehr auf einen Kurs einigen könnten, weil sie ihre nationalen Interessen als zu unterschiedlich bewerten.

Christine Lagarde ist keine Ökonomin. Sie ist Juristin, Politikerin und ehemalige Chefin des IWF. Im politischen Ausgleich liegen ihre Stärken: Als IWF-Chefin nahm sie immer wieder eine Vermittlerrolle zwischen Süd- und Nordeuropa ein.

Christine Lagarde blickt Emmanuel Macron an bei einer Zeremonie zur Feier des Wechsels an der Spitze der EZB in Frankfurt.
Legende: Die Vermittlerin: Lagarde ist Juristin, Politikerin und ehemalige Chefin des IWF. Hier im Bild neben Emmanuel Macron, bei einer Zeremonie zur Feier des Wechsels an der Spitze der EZB in Frankfurt. Keystone

Im besten Fall kann sie auch die Meinungsverschiedenheiten zwischen den süd- und nordeuropäischen EZB-Ratsmitgliedern überwinden. Denn so sehr sich die einzelnen nationalen Interessen unterscheiden mögen, eine handlungsfähige und glaubwürdige EZB liegt im Interesse jedes einzelnen Mitgliedslandes.

Kaum mehr Spielräume

Schliesslich steht die Weltwirtschaft vor einer Abkühlung. Erst vor wenigen Wochen senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose auf das tiefste Niveau seit der Weltwirtschaftskrise von 2008. Für die europäischen Währungshüter ist das vor allem deshalb beunruhigend, weil ihr Spielraum von Zinssenkungen und Anleihenkäufen praktisch ausgeschöpft ist. Eine in Uneinigkeit gefangene EZB kann in dieser Situation niemand gebrauchen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Michel  (Mosses01)
    Mme. Lagarde und E. Macron - das neue Euro Dream Team...
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  • Kommentar von Hans Klein  (HansKlein)
    Als französische Finanzministerin hat sie einem Superreichen widerrechtlich 400 Mio. zugeschanzt, wofür sie "des fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern schuldig gesprochen" wurde. Man meint in der korrupten EU wohl, dass sie damit genau die richtige Person für die Oberaufsicht über die Gemeinschaftswährung ist? Na, passt wenigstens zu ihrer "Partnerin" von der Leyen, die hat in Deutschland ja so auch einige Dutzend Millionen Steuergelder "befreundeten" Beratungsfirmen zugeschanzt.
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  • Kommentar von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
    Ist das die Christine Lagarde, die im Prozess um eine Millionen-Zahlung an den Unternehmer Bernard Tapie schuldig gesprochen wurde?
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