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Zerstörte Felder und Hoffnungen in Syrien und Nordirak
Aus Rendez-vous vom 12.06.2019.
abspielen. Laufzeit 04:06 Minuten.
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Lage in Syrien und Nordirak Hunderte Brände vernichten Ernten in Kurdengebieten

Es sah nach einem guten Erntejahr aus für die Bauern in Nordirak und Syrien. Es regnete so viel wie seit Jahren nicht mehr, und die Weizen- und Gerstenfelder gediehen prächtig. Doch die Vorfreude hielt nicht lange, denn seit Anfang Mai brennen viele Felder. Es gebe fast so viele Verdächtige wie Brände, sagt SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahost-Korrespondentin

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Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 als Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus. Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» Fernseherfahrung gesammelt.

SRF News: Wer steckt hinter den Brandstiftungen?

Susanne Brunner: In einigen Fällen hat sich der IS in Syrien und Irak zu den Brandstiftungen bekannt oder dazu aufgerufen. Die syrische Regierung beschuldigt in der Provinz Idlib Terroristen, die Raketen in Dörfer und Felder schiessen. Syrische und russische Streitkräfte bombardieren dort allerdings fast ununterbrochen.

Der irakische Zivilschutz beruft sich auf genaue Zahlen: Von 240 Bränden seien zwei Drittel auf elektrische Kurzschlüsse, Funkenschlag von Maschinen und weggeworfene Zigaretten zurückzuführen. Beim Rest der Brände sei die Ursache unbekannt. Dann gibt es auch Anschuldigungen gegen Streitkräfte im Irak. Ein Kurde, der sich diesbezüglich äusserte, wurde verhaftet. Die Feuer werden auf jeden Fall auch als Waffe eingesetzt. Die Extremisten streben nach einer weiteren Destabilisierung der kriegsversehrten Region. Es geht aber auch um die Kontrolle von Gebieten.

Kann man diese Brände nicht löschen?

Angesichts der weitgehend kaputten Infrastruktur ist das eine besondere Herausforderung. Wasserleitungen sind zerstört, effiziente Löschgeräte fehlen. Auch viele Feuerwehrleute sind vor Krieg und Verfolgung geflüchtet. Die Bevölkerung beider Länder in den hauptsächlich betroffenen Kurdengebieten fragt sich, warum die Zentralregierungen in Bagdad und Damaskus nicht helfen und ob das gar Absicht ist, weil sie die Kontrolle zumindest zum Teil wieder übernehmen wollen.

Menschen versuchen am 28. Mai 2019 in Jaabar in der Provinz Rakka ein Feuer zu löschen.
Legende: Ernte retten: Löschversuche am 28. Mai 2019 in Jaabar in der Provinz Rakka. Keystone/Archiv

Zugleich gibt es einen Hilferuf an die USA als Schutzmacht der Kurden in diesem Gebiet. Doch die USA machen geltend, dass die Streitkräfte keine Feuerwehr seien. Ein Experte warnte zugleich davor, viel Wasser für Löscharbeiten abzupumpen. Damit würden die an sich schon knappen Wasserreserven gefährdet.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Mit dem Getreide, das in den letzten Wochen abgebrannt ist, hätte man eine Stadt so gross wie Bern ein Jahr lang mit Brot versorgen können. Die UNO-Ernährungsorganisation FAO schätzt, dass allein in Syrien schon jetzt 6.5 Millionen Menschen nicht wissen, woher die nächste Mahlzeit kommt. Zweieinhalb Millionen weiteren Menschen geht es auch bald so. Wenn die Brände weitere Anbauflächen zerstören, wird die Not noch grösser. Hilfswerke allein können nicht so viele Menschen ernähren.

Droht bald eine Hungersnot?

Die Befürchtung ist gross, dass sich die Menschen von ihren Regierungen im Stich gelassen fühlen, wenn die Not noch grösser wird. Dann wären sie wieder empfänglicher für die Versprechungen von Extremisten wie jene vom IS. Die Folge wären neue Unruhen und damit noch mehr Hunger. Die Brände zeigen einmal mehr, dass die Region nach Jahrzehnten des Krieges noch sehr instabil ist. Es ist also ganz einfach, kleinste Fortschritte zu zerstören.

Das Gespräch führte Simon Leu.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Also diese Trockenheit, da genuegt ein kleiner Funke und wenn es brennt... dann brennt es.. wir haben das in SA jedes Jahr, Winter , trocken, Feuer.. hat man keine Firebreaks.. und es brennt bist du konkurs.. Denen fehlt es an Allem.. speziel an Maschinen die solche firebreaks machen koennen (sind normale Erdpfluege/Grader, die das machen..) Arme Menschen!
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Da müsste endlich die UNO eingreifen. Die Kurden hatten einen wesentlichen Anteil bei der Befreiung des syrischen Staates vom IS. Als Dank wird das 32 Mio Volk wieder im Stich gelassen und abgestraft. Die UNO lässt zu das Erdogan, Putin und Assad die Kurden weiterhin bekämpfen - und nun noch schlimmer: Man verbrennt ihnen die lebenswichtigen Nahrungsmitteln. Fiese Angelegenheit , vor allem von der Türkei und Russland!!!
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    1. Antwort von Stanic Drago  (Putinversteher)
      Wo haben Sie gelesen, dass Assad und Putin Kurden bekämpft? Nennen Sie uns ihre Quelle. Kurden haben sich weit ausserhalb ihres Siedlungs Gebiet verbreitet und Stämme an Euphrat Ufer hat mit IS sympatisiert. Es war zu erwarten, dass sie eine Kurden Heerschaft nicht akzeptieren wird. Russland kann nicht für alle Probleme Transantlantiker verantwortlich sein.
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    2. Antwort von Stanic Drago  (Putinversteher)
      Was schlagen sie vor? Türkei, Irak, Iran und Syrien bombardieren, bis sie wiligen ein Teil ihres Gebietes Kurden zu überlassen? Oder denken Sie, dass diese Länder freiwilig auf ihre Gebiet verzichten? Wir könnten NATO schicken diese Gebieten für Kurden zu erobern? Bei Kosovo hat funktioniert. Oder haben Sie ein geniale Plan das umzusetzen ohne Blut zu vergissen?
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    3. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      @stanic Den Kurden wurde vor 100 Jahren ein eigener Staat zugesprochen bevor die künstlichen Staaten Irsk und Syrien aus den Trümmern des osmanischen Reiches entstanden. Auf dem Zeichenbrett von Franzosen und Briten
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