Die USA greifen Chinas Freunde an. Anfang Januar haben die USA den venezolanischen Präsidenten gekidnappt. In diesen Tagen droht Amerika mit einem Militärschlag gegen Iran. Diese beiden Länder verkauften bisher – trotz Sanktionen – drei Viertel ihres Öls an China und beide Länder pflegten mit Peking über viele Jahre freundschaftliche Beziehungen. China-Korrespondent Lukas Messmer schätzt ein, wie China mit dieser neuen weltpolitischen Realität umgeht.
Wie reagiert China auf die Aggressionen Amerikas?
China hat bisher mit scharfen Worten, aber ohne Taten reagiert. Das Aussenministerium hat alle Aktionen und Drohungen der USA kritisiert und verurteilt. Die Regierung in Peking sagt jeweils, dass sie jede Einmischung in die internen Angelegenheiten ihres Landes sowie die Androhung oder den Einsatz von Gewalt in internationalen Beziehungen entschieden ablehne. China ist derzeit vor allem an weltweit guten Handelsbedingungen interessiert und vermeidet Konflikte.
Was pflegt China mit Staaten wie Iran und Venezuela für Beziehungen?
Mit beiden Ländern hat China über viele Jahre freundschaftliche Beziehungen geführt. Das zeigte sich nicht nur, sondern vor allem beim Handel mit Rohöl. Sowohl Venezuela als auch der Iran verkauften den Löwenanteil ihres Öls an China. Etwa fünf Prozent der Ölimporte Chinas kamen aus Venezuela und etwa zwanzig Prozent kommen aus dem Iran. Der Deal: China erhielt Öl zu guten Preisen und unternahm im Gegenzug nichts dagegen, dass das Öl an Sanktionen vorbei mit einer «Schattenflotte» von nicht registrierten Tankern zu privaten Raffinerien in der Provinz Shandong gebraucht wurde. Der Iran braucht China. China braucht den Iran nicht wirklich.
Wo kauft China jetzt sein Öl?
China ist von diesen Importen nur bedingt abhängig. Öl ist einfach eine Ware und kann anderswo gekauft werden, zum Beispiel in Russland oder Saudi-Arabien. China braucht auch künftig weniger Öl. Der Verbrauch hat begonnen, abzunehmen, auch weil China massiv in grüne Technologien investiert. Mehr als die Hälfte aller verkauften Autos sind heute Elektroautos.
Wie beeinflusst die Haltung der USA gegenüber dem Iran das Verhältnis USA –China?
China scheint dies zu trennen. China kritisiert Amerika für sein Verhalten scharf, dabei bleibt es aber. Laut dem chinesischen Nahost-Experten Ma Xiaolin hat Chinas Wachstum auch nur dank der regelbasierten internationalen Ordnung mit den USA im Zentrum stattfinden können, und es hat ein Interesse daran, dass es so bleibt.
Was hat China für Interessen in Grönland?
Die Schwärme von chinesischen Schiffen rund um Grönland sind ein Hirngespinst von Donald Trump. China hat aber durchaus Interessen in der Arktis. Forschungsschiffe vermessen die Region. Denn durch die Erwärmung des Klimas könnte bald eine «polare Seidenstrasse» entstehen. Auf der Route von Shanghai nach Hamburg würden Containerschiffe gegenüber der Suezkanal-Route 7000 Kilometer Weg sparen. China hat auch schon versucht, in Grönland zu investieren – zum Beispiel in einen Flughafen.