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Hilferuf von Prinzessin Latifa per Videobotschaft aus Dubai
Aus Tagesschau vom 17.02.2021.
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Latifa von Dubai Die gefangene Prinzessin

Mit den jüngsten Videos wächst die Sorge um die Tochter des Emirs von Dubai. Aber auch der Druck auf ihren Vater steigt.

Ein Video von Prinzessin Latifa, eines von bis zu 30 Kindern von Mohammed bin Raschid al-Maktum, dem Herrscher von Dubai, schockiert die Öffentlichkeit. Darin bezeichnet sie sich selbst als Geisel:

Diese Villa wurde umfunktioniert in ein Gefängnis, alle Fenster sind geschlossen, ich kann sie nicht öffnen.
Autor: Prinzessin LatifaTochter des Emirs von Dubai

Latifa wollte vor drei Jahren aus Dubai fliehen. Sie scheiterte und wird seither gefangengehalten. Wenn sie denn überhaupt noch am Leben ist. Denn sie sagt, ihr werde gedroht, sie würde erschossen, wenn sie nicht kooperiere.

Und sie erwähnt auch, dass sie seit Mai 2018 festgehalten werde und dass das 14 Monate her sei. Es kann also gut sein, dass dieses Video bereits über ein Jahr alt ist. Heute wäre Latifa 35 Jahre alt. Doch wieso wollte sie überhaupt flüchten? «Sie hat als Prinzessin den ganzen Luxus», sagt Grossbritannien-Korrespondentin Henriette Engbersen. Doch etwas habe sie nicht: «Die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten will.»

Nicht der erste Fluchtversuch

Schon vor ihrem Fluchtversuch 2018 hatte Latifa ein langes Video publiziert. Darin erklärte sie, sie wolle gerne im Ausland leben. Das werde ihr verwehrt.

Engbersen weiss: «Sie hat bereits – fast 20 Jahre ist das jetzt her – schon einmal versucht, zu fliehen. Sie wurde zurückgeholt und war danach drei Jahre im Gefängnis.» Damals sei sie massiv geschlagen worden. Einmal sei sie auf allen Vieren in ihre Zelle zurückgekrochen, beschreibt sie ihr Martyrium.

«Die Tochter des Scheichs lebt in einem goldenen Käfig», so die Einschätzung der SRF-Korrespondentin. «Wenn sie gehorcht, hat sie alles ausser ihrer Freiheit. Gehorcht sie nicht, drohen Schläge, Gefängnis oder Schlimmeres.»

Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum
Legende: Latifa ist die Tochter des emiratischen Ministerpräsidenten und Emirs von Dubai, Mohammed bin Raschid al-Maktum. Ihre ältere Schwester Schamsa wurde 2000 in Cambridge entführt und nach Dubai zurückgebracht, nachdem sie versucht hatte, sich abzusetzen. Keystone

Die britische Regierung hat ihre Besorgnis ausgedrückt. Das Videomaterial sei «sehr beunruhigend», sagte Aussenminister Dominic Raab, nachdem der britische Sender BBC die von der verschwundenen Frau aufgenommenen Videos veröffentlicht hatte. Auch Premier Boris Johnson zeigte sich besorgt.

Die Regierungen Dubais und der Vereinigten Arabischen Emirate hätten die Videos auf Anfrage nicht kommentiert, erklärte die BBC.

Dass sich ausgerechnet die britische Regierung zu dem Fall äussert, liegt daran, dass es enge Verbindungen des Scheichs mit Grossbritannien gibt, wie Engbersen erklärt. «Er ist dort zur Schule gegangen. Er besitzt etliche Ländereien, Villas, berühmte Pferdeställe, und dadurch pflegt er auch enge Kontakte zum Königshaus.» Hinzukomme, dass sich eine seiner Ehefrauen vor einigen Jahren erfolgreich nach Grossbritannien abgesetzt habe.

Menschenrechtskommission eingeschaltet

In der Folge kam es in London zu einem Scheidungsverfahren. «Dabei hielt das britische Gericht fest, dass der Scheich zwei seiner Töchter, die versucht hatten zu fliehen, entführt hat. Und das Gericht hielt auch fest, dass er seine Töchter gefoltert hat. Das ist der britischen Öffentlichkeit nun bekannt.»

Doch kann dieser öffentliche Druck etwas bewirken? «Es ist im Moment unklar, ob diese Frau noch lebt», sagt die Korrespondentin. «Die UNO-Menschenrechtskommission will sich jetzt immerhin mit diesem Fall befassen. Und das heisst sicherlich, dass der Druck auf den Scheich erhöht wird.»

UNO-Menschenrechtsbüro verlangt Lebenszeichen

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Das UNO-Menschenrechtsbüro ist in Sorge um die verschwundene Prinzessin Latifa. Das Büro habe die Regierung aufgefordert, ein Lebenszeichen der Frau zu veröffentlichen, sagte eine Sprecherin am Freitag in Genf. Man warte auf eine Antwort.

Dies könnte bewirken, dass sich beispielsweise Investoren von Dubai distanzierten. «Ob das dem Scheich letztlich so sehr schadet, dass er vielleicht doch überdenken muss, wie er mit seiner eigenen Familie und den Frauen umgeht in seinem Land, bleibt jedoch eine offene Frage.»

SRF 4 News, 18.02.2021, 16:15 Uhr;

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Gienger  (Pascal Gienger)
    Trotzdem ziehen täglich hunderte nach Dubai wegen der Steuerfreiheit. Solange "weniger Stüüür" für viele Menschen und Firmen wichtiger ist als alles andere können Despoten wie Herr Al-Maktum machen was sie wollen.
    1. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      Sowohl Karl Marx als auch Bertolt Brecht haben gesagt: das Geld hat keine Heimat und kein Moral.
  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Ein gefundenes Fressen für die Dubai Bascher. Wobei man immer am Cherry Picken ist, Landet die Mars Sonde der Arabischen Emirate auf dem Mars, wird auf dem Land mit grösster Verachtung herum gehackt. Land die US Sonde auf dem Mars...dann ist niemand der Meinung Guantanamo müsse endlich geschlossen werden oder der Abwurf der Atombomben sei ein Skandal oder der Vietnamkrieg völlig fehl am Platz gewesen.
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Ein klassisches Beispiel von Whataboutism. Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Was ich an Whataboutism nie verstehen werde ist wie ein Unrecht ein anderes Unrecht rechtfertigen soll. Es geht hier um Dubai und dieser Staat verdient wirklich mehr Druck von den demokratischen Staaten.
    2. Antwort von Danielo Rüfenachto  (leGierAffe)
      Na, das war jetzt mal Whataboutism vom feinsten.
      Was genau ist jetzt der Bezug zur USA? Oder denken Sie etwa, dass die Tatsache, dass die USA ein Gefangenenlager auf Guantanamo Bay haben, die Machenschaften des Emirs von Dubai rechtfertige? Darf man Ihrer Meinung nicht über Unrecht in Dubai berichten, weil die USA kein Musterknabe ist?
      Oder mögen Sie es schlicht und einfach nicht, dass man schlecht über Dubai spricht? Es macht so den Anschein...
    3. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Dubai ist kein Staat, sondern eins von 7 Emiraten, die zu den Arabischen Emiraten gehören Herr Gasser.

      @Herr Rüfenacht
      Ich habe nicht zum Bericht an sich kommentiert, sondern zu den Kommentaren an sich. Diese sind ja im Beispiel der Emiratischen Mars Sonde, Whataboutismen vom feisten. Sobald es jedoch um die USA geht, kommen keine Whataboutismen. ich denke aber man müsste aus Fairnessgründen die USA gleich in Whataboutismen kommentieren wie man das mit den Emiraten und China auch macht.
    4. Antwort von Christina Bloch  (Christina Bloch)
      Wann kommen die Antworten zustimmen oder ablehnen wieder❓❓❓❓
    5. Antwort von SRF News editor
      @Christina Bloch
      Guten Abend
      Die «Zustimmen/Ablehnen» Funktion in der Kommentarspalte wies seit einiger Zeit immer wieder technische Defekte auf. Deshalb wurde die Funktion vorübergehend deaktiviert. Unsere IT-Abteilung ist aktuell daran, das Problem zu beheben. Wir sind sehr bemüht, die Funktion «Zustimmen/Ablehnen» so schnell wie möglich wieder zu aktivieren. Danke für Ihr Verständnis.
      Liebe Grüsse, SRF News
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Es fällt schon auf, dass das Schicksal einer Prinzessin in Dubai deutlich mehr Gefühle weckt, als das Schicksal Hunderttausender internierter Uigurinnen oder der ihres Landes enteigneten Tibeterinnen. Immer noch werden die Handelsbeziehungen zu China verstärkt, die Flüge dorthin sind mit europäischen Geschäftsleuten gut bestückt, und das zunehmende Engagement der Chinesen in ganzen Industriezweigen in Europa scheint auch nicht gross zu stören. Einzelschicksale berühren halt mehr.
    7. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Es wäre schön wenn man wieder zum Thema zurückkommt, nämlich dem Leiden der Prinzessin Latifa von Dubai. Alles Andere hat anderswo genug Platz.
  • Kommentar von Röné Bringold  (Röné Bringold)
    RF als Vermittler in Dubai? Sein 2. Wohnsitz ist gross genug um die Abstandsregeln einzuhalten.
    1. Antwort von Jojo Murer  (Jojo12)
      Genau! Das wäre Zivilcourage