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Wer hat beim Machtkampf im Pazifikraum die besseren Karten?
Aus SRF 4 News aktuell vom 10.08.2022.
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Machtkampf um Taiwan Noch verhindert die Abschreckung einen Krieg im Pazifikraum

China demonstriert seit Tagen militärische Stärke im Pazifikraum und fordert die USA heraus. Mit den Manövern übe Peking die Invasion der Insel, heisst es von taiwanesischer Seite. Taiwan werde über die künftige Dominanz im Pazifikraum entscheiden, sagt ETH-Sicherheitsexperte Brian Carlson.

Brian Carlson

Brian Carlson

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Brian Carlson leitet das Team Globale Sicherheit am Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich. Das Kompetenzzentrum für schweizerische und internationale Sicherheitspolitik bietet sicherheitspolitische Expertise in Forschung, Lehre und Beratung. Die Denkfabrik verbindet Forschung mit Politikberatung und bildet so eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis.

SRF News: Wie ist das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen den Grossmächten China und USA und wer hat das Sagen?

Nach den meisten Massstäben sind die USA militärisch immer noch weit stärker als China. Das US-Militärbudget ist noch immer viel grösser als jenes von China. Zugleich besteht die Sorge, dass China in bestimmten regionalen Situationen, etwa bei einem bewaffneten Konflikt um Taiwan, geografisch im Vorteil sein könnte. Chinas hat zudem militärisch modernisiert und heute ein Raketenarsenal, um US-Kriegsschiffe und -Stützpunkte in der Region zu treffen. So will Peking fremde Streitkräfte fernhalten.

Gemäss vielen Militäranalysten sollten die USA Taiwan helfen, ein «Stachelschwein» zu werden.

Wird Taiwan entscheidend sein, wer künftig den Pazifikraum dominiert?

Ja. Das ist so. Wenn es den USA und ihren Verbündeten nicht gelingt, Taiwan zu verteidigen, würde sich das regionale Gleichgewicht militärisch und psychologisch zugunsten Chinas verschieben. China könnte dann mit Taiwan als Basis seine Macht leichter ausspielen. Das Engagement der USA in der Region wäre infrage gestellt. Verbündete würden an der Verpflichtung der USA zweifeln, sie zu verteidigen.

Wie können die USA China davon abhalten, Taiwan anzugreifen?

Gemäss vielen Militäranalysten sollten die USA Taiwan helfen, ein «Stachelschwein» zu werden. Die USA müssten Taiwan mit so vielen Raketen und anderen Mitteln zur Selbstverteidigung bewaffnen, dass China ihm nichts mehr anhaben könnte. Daher hat Washington Taiwan auch ermutigt, strategisch vorzugehen und auch kleinere Waffensysteme zu kaufen, um eine chinesische Invasion wirksamer verhindern zu können.

Die Flaggen Chinas und der USA vor der taiwanischen weissen Sonne auf blauem Grund.
Legende: Momentan wolle keine Seite den bewaffneten Konflikt um Taiwan, schätzt ETH-Sicherheitsxperte Brian Carlson. Die wirtschaftlichen Folgen und militärischen Verluste wären zu hoch. Symbolbild Imago/Future Image

Die USA sind stark von verbündeten Staaten wie Japan, den Philippinen und Südkorea abhängig. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?

Das gesamte Netzwerk ist ein grosser Vorteil für die USA als pazifische Macht. Um diese zu demonstrieren, müssen sie grosse Entfernungen zurücklegen und sind auf Stützpunkte und Verbündete angewiesen. Diese zählen darauf, notfalls verteidigt zu werden. Starke Bündnisse liegen im kommenden Wettstreit mit China in ihrem Interesse.

In fünf bis sechs Jahren dürfte die Wahrscheinlichkeit eines chinesischen Angriffs immer grösser werden.

Wie gross ist der Wille der USA und Chinas zu einer Konfrontation?

Momentan will sicher keine Seite den bewaffneten Konflikt um Taiwan, denn er wäre unabhängig vom Ausgang für beide Partien mit schweren militärischen Verlusten und enormen wirtschaftlichen Einbussen verbunden. Aber in fünf bis sechs Jahren dürfte die Wahrscheinlichkeit eines chinesischen Angriffs immer grösser werden. China will die Kontrolle über Taiwan, und zwar lieber früher als später. In den USA besteht breiter Konsens darüber, China stärker entgegenzutreten und Taiwan zu unterstützen.

Wer würde einen Krieg im Pazifikraum gewinnen?

Das hängt vom Szenario ab. Im Fall eines Kriegs um Taiwan zeigen viele Studien, dass China gewinnen würde, allerdings nur mit schweren Verlusten und Schäden. Im Fall eines vollwertigen Kriegs im Pazifik mit Schlachten in der ganzen Region wie im Zweiten Weltkrieg wären die USA wohl im Vorteil. Im Wesentlichen haben sie immer noch die Kontrolle im Pazifik. Die Welt steuert aber auf eine gefährliche Periode zu. Die kommenden Jahre dürften entscheidend werden für den Rest des Jahrhunderts.

Das Gespräch führte Nicolà Bär.

SRF 4 News, 10.08.2022, 06:18 Uhr;

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49 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community, vielen Dank für Ihre interessanten Beiträge - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen eine gute Nacht. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Dominic Müller  (Domi3)
    Was soll dieser Unsinn, "es gibt nur ein China"? Wir haben mehrere Beispiele, dass Länder sich teilen, Südkorea / Nordkorea, oder BRD / DDR, Aufteilung von Indien/Pakistan. Das Imperium Romanum existiert auch nicht mehr. Die Welt wandelt sich, man darf das Zeitrad nicht gewaltsam zurückdrehen.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Taiwan ist eines der freisten und demokratischten Länder der Welt. Weit vor den USA und mit Rang 8 sogar vor der Schweiz (9). China liegt auf Rang 148. Welches Land wir unterstützen sollten ist ja wohl klar. Leider überwiegt nach wie vor die Profitgier der Wirtschaft, weshalb die Unsinnige 1-China Politik weiter akzeptiert wird. Dabei ist der Fall doch glasklar. Taiwan muss keine Unabhängigkeit ausrufen, dieses Land war zu keinem Zeitpunkt teil des kommunistischen Chinas. Wir blamieren uns.
    1. Antwort von Esther Jordi  (Esther Jordi)
      Richtig, Taiwan gehörte nie zur Volksrepublik China. Aber wir wissen ja, dass Geschichte von manchen Herrschern grosszügig ausgelegt wird, auch wenn sie zurückgeht bis ins Kaiserreich China.