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US-Präsident Joe Biden verteidigt den Rückzug der US-Truppen
Aus HeuteMorgen vom 17.08.2021.
abspielen. Laufzeit 01:23 Minuten.
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Machtübernahme der Taliban Die Gefühlskälte von Joe Biden

Gerne zeigt sich der 46. Präsident der USA, Joe Robinette Biden, von der «gespürigen» Seite – klopft Schultern, streicht über Kinderhaar, verdrückt mit Trauernden eine Träne und verströmt Sozialwärme.

Doch sein Auftritt zu Afghanistan wirkte unterkühlt, bloss Stunden nachdem die schockierenden Bilder von der panischen Masse am Kabuler Flughafen über den Bildschirm flackerten. Kein Wort gegenüber den zehntausenden von Afghaninnen und Afghanen, die mit den US-Truppen, US-Medien und Nichtregierungsorganisationen zusammengearbeitet haben – fast eine Generation lang – und nun um ihr Leben fürchten müssen. Nicht einmal gute Wünsche.

Mehr Bestimmtheit, weniger Mitgefühl

Auch kein Dankeswort gegenüber den amerikanischen Soldaten und Soldatinnen, die im längsten Krieg der US-Geschichte gekämpft haben und gefallen sind. Sie und ihre Hinterbliebenen bekommen nun von ihrem Armeeoberhaupt zu hören, dass die Mission seit zehn Jahren sinnlos war – und damit Tschüss.

Statt Empathie gab es Nachdruck. Präsident Joe Biden erklärte nochmals, warum es keine Alternative zum Rückzug der US-Truppen geben würde. Dass es nicht im Interesse der USA sei, sich weiter in einen fremden Bürgerkrieg verwickeln zu lassen.

«The buck stops with me»

Die eklatante Fehlplanung des Rückzugs, das Chaos, das seine Regierung in der Eile angerichtet hat, streifte Biden nur knapp und gab der afghanischen Führung und dem Militär die Schuld. Der überraschend schnelle Kollaps der afghanischen Verteidigungslinie bestätigt für ihn nur, dass es höchste Zeit war, die Afghanen sich selbst zu überlassen. Die USA könnten nicht einen Krieg gewinnen, den die Afghanen selber nicht kämpfen wollten, meinte er.

Mag sein, dass Präsident Biden damit das musikalische Gehör der America-First-Amerikaner musikalisch trifft. In den Ohren der restlichen Welt – vor allem im Nahen und Mittleren Osten – klingt das zynisch. Die USA  waren 20 Jahre lang Hauptplayer in Afghanistan; davonmachen können sie sich, gänzlich aus der Verantwortung ziehen nicht.

Zwar sagte Präsident Biden noch «The buck stops with me»: Die Verantwortung, die US-Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen, nehme er auf sich. Doch auch das klingt hohl. Denn was heisst das schon?

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

 

SRF 4 News, 16.08.2021, 21:50 Uhr

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113 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.E. hervorragend dass Biden den Mut aufbringt die Fehler und Selbstüber-schätzung der USA seiner Vorgänger und seiner kleinen NATO-Epigonen zu bereinigen. Afghanen sind die Meister in ihrem Land und Verantworten ihre Entscheidungen, auch in Zukunft. Tragisch war die Besatzung und nicht der heutige Rückzug und Schutz der eigenen Statsbürger die vor Ort ihren Kopf riskierten für etwas, was die afghanische Armee und Teile der Bevölkerung offensichtlich selbst nie gewünscht haben.
  • Kommentar von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
    “Gefühlskälte“ - ernsthaft?
  • Kommentar von Marc Rocca  (Indiana)
    Einmischen dann, wenn es gefährlich für die ganze Welt wird... sonst nein! Auch nur dann, wenn es empirisch bewiesen ist. Was leider im Irak zbsp nicht der Fall war... also verfolgen die USA immer auch sekundäre Ziele, die wir nicht erfahren. Ich persönlich glaube, dass bei alle dem, das Opium der Hauptgrund für alles ist.