Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Sudanesen feiern den Rücktritt Al-Baschirs abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.04.2019.
Inhalt

Machtwechsel im Sudan Militär setzt Präsident Al-Baschir nach 30 Jahren ab

  • Sudans Armee hat den Langzeit-Präsidenten Omar Hasan al-Baschir zum Rücktritt gezwungen. Gemäss Verteidigungsminister wurde er festgenommen.
  • Die Streitkräfte würden nun für eine Übergangszeit von zwei Jahren die Macht im Land übernehmen, sagte Verteidigungsminister Awad Ibn Auf.
  • Der Geheimdienst kündigte unterdessen die Freilassung aller politischen Gefangenen an.

Im Sudan ist es zu einem Militärputsch gegen Präsident Omar Hasan al-Baschir gekommen. Nach monatelangen Protesten zwang die Armee das seit 30 Jahren autokratisch regierende Staatsoberhaupt zum Rücktritt, wie aus Regierungskreisen verlautete. Der 75-jährige Al-Baschir sei in Haft.

Am Morgen hatten Medien zunächst den Rücktritt Al-Baschirs vermeldet. Erst mit der TV-Ansprache von Verteidigungsminister Awad Ibn Auf am frühen Nachmittag ist deutlich geworden, dass der Rücktritt auf Druck der Armee erfolgt ist.

Nach Angaben von Awad Ibn Auf übernehmen ab sofort die Streitkräfte die Macht im Land. Es werde eine von den Streitkräften geführte Übergangszeit von zwei Jahren geben, sagte er in einer Fernsehansprache. In der Hauptstadt Khartum feierten Tausende Demonstranten den Sturz Al-Baschirs.

Karte Sudan
Legende: Der Sudan zählt rund 40 Millionen Einwohner und liegt im Nordosten Afrikas. Das Land ist flächenmässig fünfmal so gross wie Deutschland. Die Landessprache ist Arabisch. SRF

«Er ist gestürzt, wir haben gewonnen»

Der Geheimdienst kündigte der amtlichen Nachrichtenagentur Suna zufolge die Freilassung aller politischen Gefangenen an. Das Hauptgebäude von Al-Baschirs Islamischer Bewegung, aus der sich die regierende Nationale Kongresspartei rekrutiert, wurde von den Streitkräften gestürmt, wie ein Reuters-Reporter berichtete.

Um das Verteidigungsministerium, auf dessen Gelände sich Baschirs Residenz befindet, und an Verkehrsknotenpunkten der Hauptstadt formierten sich Soldaten. Vor dem Ministerium und in den Strassen versammelten sich Tausende Regierungsgegner, die skandierten: «Er ist gestürzt, wir haben gewonnen.»

Der Sudan leidet unter Wirtschaftskrise

Seit Monaten demonstrieren Zehntausende Menschen gegen den autoritären Staatschef Al-Baschir, der das Land im Nordosten Afrikas seit drei Jahrzehnten mit harter Hand regiert.

Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch die schwere Wirtschaftskrise, in der sich der Sudan seit Jahren befindet. Doch die Proteste richteten sich zunehmend gegen den 75 Jahre alten Präsidenten selbst. Dieser versuchte zunächst gegenzusteuern: Im Februar verhängte Al-Baschir einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht.

Protestierende vor der Zentrale der Streitkräfte in der sudanesischen Hauptstadt Khartum
Legende: Die Proteste spitzten sich seit dem Wochenende zu: Tausende Menschen versammeln sich täglich zu einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte, die auch gleichzeitig die Residenz von Präsident Al-Baschir ist. Keystone

Sicherheitskräfte gingen teilweise mit scharfer Munition gegen die Demonstranten vor und töteten einem Ärzteverband zufolge mindestens 21 Menschen. Dabei stellten sich offenbar auch Teile der Streitkräfte auf die Seite der Demonstranten und lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.