Der Dantokpa-Markt im Zentrum von Cotonou ist einer der grössten Westafrikas. In hunderten kleinen Shops wird hier fast alles angeboten: elektronische Geräte, Esswaren, Möbel – Altkleider.
Weg vom reinen Rohstoff-Lieferanten
Mehrere zehntausend Tonnen Secondhand-Kleider führt Benin pro Jahr aus dem Ausland ein. Auch manches T-Shirt, das in der Schweiz in einen Altkleidercontainer geworfen wird, landet irgendwann hier.
Das will das Land nun ändern. Denn Benin ist reich an Baumwolle. Trotzdem entstand hier nie eine grössere Textilindustrie. Die weisse Faser wurde fast ausnahmslos roh exportiert. «Es ist unser starker Wille, die Rohstoffe des Landes künftig selbst zu verwerten», sagte der Präsident Benins, Patrice Talon, vor einigen Jahren.
Exporte in die ganze Welt
Die Wertschöpfung im Land halten – das hört man auch anderswo in Afrika. Doch Talon liess den Worten Taten folgen. Das zeigt sich in dem riesigen Industriepark in Glo-Djigbé, eine Fahrstunde ausserhalb Cotonous.
Abdul-Hakim Salifou empfängt vor einer hoch in den Himmel ragenden Fabrikhalle. Die Firma Benin Textiles fertige aus der Baumwolle aus dem Norden des Landes Textilien, erklärt er.
Im ersten von zwei Fabrikgebäuden rattern laute Maschinen: In der Spinnerei werde aus den gereinigten Baumwollfasern Garne gesponnen – mit Schweizer Maschinen, wie Salifou betont, von der Firma Rieter aus Winterthur.
In der mächtigen Halle wird klar, dass es Benin ernst meint mit dem Plan, zur Konkurrenz zu werden für die Textilmächte aus Fernost. 3500 Personen arbeiten hier. In einer zweiten Fabrik nebenan sind es nochmals so viele.
Von der Baumwollfaser zum Hotelhandtuch
Während anderswo die Arbeitsschritte von der Baumwollfaser zum Kleidungsstück getrennt stattfinden, macht man hier alles unter einem Dach. Inzwischen seien die Kinderkrankheiten der Fabrik, die vor drei Jahren den Betrieb aufnahm, ausgemerzt, sagt Salifou. Man wachse und exportiere in die ganze Welt: «Europa, USA, Afrika.»
Nächste Station: die Weberei. In langen Reihen stehen laut ratternde Webmaschinen. Im vollautomatischen Betrieb fertigen sie Tag und Nacht Stoffe, die aufgerollt und weiter gereicht werden – zuerst in die Veredelung, dann in die Färberei.
Am Schluss des Herstellungsprozesses steht die Näherei. Gerade werden Handtücher für ein lokales Hotel gefertigt, in der Halle nebenan sind es T-Shirts, Hosen und Blusen.
Importiert Benin ein ausbeuterisches System?
Am Eingang des Industrieparks steht ein vollverglastes Bürogebäude. Dort empfängt der Chef des Parks, Létondji Beheton. Das sei erst der Anfang der Textil-Offensive Benins: «Das Ziel ist es, die gesamte Baumwollernte Benins vor Ort zu verarbeiten.»
Anderswo hat die Textilindustrie einen schlechten Ruf: tiefe Löhne, unwürdige Arbeitsbedingungen, minimale Sicherheitsstandards. Importiert Benin ein ausbeuterisches System? Beheton verneint: «Wir wollen von anderen lernen, es aber besser machen.» Solche Missstände würden hier kulturell kaum akzeptiert, Benin sei «ein Ort der Gesetze».
Bisher gibt es dazu kaum Widerspruch im Land – trotz der tiefen Einstiegsgehälter, die bei rund 80 Franken pro Monat liegen sollen. Doch das kann sich ändern. Vor allem, weil die Textilbranche weiterwachsen soll: Um die gesamte Baumwollernte des Landes zu verarbeiten, müssten die Kapazitäten verzehnfacht werden.