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Männlichkeitswahn? Urologe: «Bei Testosteron braucht es eine umfassende Analyse»

Damit die US-Soldaten noch männlicher und stärker werden, sollen sie ab 30 zum Hormontest. Bei zu tiefen Testosteronwerten soll eine Hormontherapie in Anspruch genommen werden können, so die Idee von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Wie sinnvoll das ist, erklärt der Urologe Frédéric Birkhäuser.

Frédéric Birkhäuser

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Frédéric Birkhäuser ist Urologe am Unispital Basel und spezialisiert auf Hormontherapien.

SRF News: Wie sinnvoll ist die Idee von Hegseth?

Frédéric Birkhäuser: Es gibt keinen wissenschaftlich gestützten Grund, solche flächendeckenden Tests bei Männern ab 30 durchzuführen.

Wie also kommt der US-Verteidigungsminister auf diese Idee?

Tatsache ist: In den letzten Jahren hat man immer mehr wissenschaftliche Daten gewonnen. Diese zeigen, dass Testosterontherapien im Bedarfsfall durchaus sinnvoll sein können und auch öfter angewendet werden sollten. Mit diesem Wissen ist insbesondere die amerikanische Gesundheitsbehörde jetzt dran, die Testosterontherapie zu lockern und freizugeben.

Hegseth will «richtige» Testosteronwerte

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Person in Hemd und gestreifter Krawatte spricht in einem Büro mit Lampen und Gemälde im Hintergrund.
Legende: Reuters

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat angekündigt, dass die Testosteronwerte der Soldaten ab 30 Jahren im Rahmen der jährlichen Gesundheitsuntersuchung gemessen werden sollen. Für Soldaten unter 30 sei der Test freiwillig, so Hegseth. Eine Behandlung wird demnach im Fall eines festgestellten Testosteronmangels empfohlen, ist jedoch keine Pflicht.

Mit den Tests soll Hegseth zufolge sichergestellt werden, dass die US-Soldaten über «die richtigen Testosteronwerte» verfügen, um ihre Bestleistung zu erbringen. Der Pentagon-Chef verwies in dem Zusammenhang darauf, dass der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter oft auf natürliche Weise sinke. (sda)

Wie verbreitet ist ein Mangel an Testosteron?

Das Problem ist stärker verbreitet, als man denkt. Es gibt viele Männer, die an einem Testosteronmangel leiden, ohne es zu wissen. Oder vielleicht weiss man es, aber der Mangel wird nicht behandelt. Man geht davon aus, dass bis zu sechs Prozent der erwachsenen Männer von einem Testosteronmangel betroffen sind.

Es ist nicht immer ein Testosteronmangel, wenn sich jemand schwach fühlt oder keine Lust auf Sex hat.

Wieso ist es trotzdem nicht sinnvoll, alle Männer zu testen?

Das Screening basiert immer auf einer Nutzenanalyse. Beim Testosteron ist das Problem, dass es viele Wechselwirkungen hat. Es ist nicht immer ein Testosteronmangel, wenn sich jemand schwach fühlt, an Gewicht zunimmt, eine Muskelschwäche, eine Depression oder keine Lust auf Sex hat. Es braucht also eine umfassende Analyse. Dazu gehört etwa eine zweimalige Messung des Testosterons. Es ist also zu einfach gedacht, wenn ein einmaliger Testosterontest zu einer Testosterontherapie führen soll.

Hegseth will die Leistungs- und Widerstandsfähigkeit seiner Soldatinnen und Soldaten erhöhen. Wie wichtig ist dazu ein normaler Hormonspiegel?

Das Testosteron ist schon ein Schlüsselhormon – und trotzdem nur ein kleiner Mosaikstein des Ganzen. Und gerade bei US-Soldaten, die unter massivem Stress leiden, können viele Gründe zu einer verminderten Leistung führen.

Man kann Testosteron keineswegs direkt mit Kraft und Power verlinken.

Auch kann man Testosteron keineswegs direkt mit Kraft und Power verlinken. Dies zu tun, ist eine womöglich gefährliche Message, gerade an jüngere Leute, die das über Social Media mitbekommen. Wir beobachten seit Längerem eine deutliche Zunahme der Anwendung von Testosteron und anderen Substanzen, auch in Fitnessstudios.

Gibt es auch einen positiven Aspekt des Vorgehens von Hegseth?

Viele Ärzte haben einen möglichen Testosteronmangel nicht auf dem Radar. Deshalb ist es nicht falsch, wenn jetzt eine Diskussion um Testosterontherapien aufkommt. Man sollte also vermehrt testen, wenn man einen Verdacht hat, und dann auch therapieren. Denn ein zu tiefer Testosteronwert ist langfristig ein Gesundheitsrisiko.

Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.

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SRF 4 News aktuell, 20.7.2026, 7:55 Uhr ; 

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