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Massen-Exodus Hunger und Gewalt treiben Venezolaner ins Ausland

Legende: Audio Massenexodus aus Venezuela geht weiter abspielen. Laufzeit 03:35 Minuten.
03:35 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.05.2018.

Von den 31 Millionen Einwohnern Venezuelas sind zurzeit etwa vier Millionen auf der Flucht. Seit 2017 haben die Migrationszahlen um 900 Prozent zugenommen, wie neue Erhebungen der Internationalen Organisation für Migration zeigen. Damit ist Venezuela das Land in Südamerika, das am meisten Einwohner verliert.

Eine Frau mit einem Transparent.
Legende: «SOS!! Wir brauchen Nachschub. Unserer Patienten sterben uns weg!» steht auf dem Transparent dieser Spital-Angestellten in Caracas. Keystone

Grund für den Massen-Exodus ist zum einen die dramatische humanitäre Lage mit Hunger und Versorgungsproblemen auch im medizinischen Bereich. Zugleich ist die Kriminalitätsrate explodiert. Zum anderen haben vielen Menschen jegliche Hoffnung verloren, dass sich die Zustände im Land jemals ändern oder verbessern könnten, wie SRF-Südamerika-Korrespondent Ulrich Achermann berichtet.

Die Wiederwahl Maduros gilt als sicher

Präsident Nicolas Maduro will sich am 20. Mai im Amt bestätigen lassen. Die Wiederwahl gilt als sicher. Viele Venezolaner rechnen mit einem Wahlbetrug, Oppositionsparteien haben zum Wahlboykott aufgerufen. Die USA, aber auch die EU erkennen die Wahl nicht an.

Präsident Maduro.
Legende: Die Gegner von Präsident Nicolas Maduro sind entweder ins Ausland geflohen oder in Haft. Keystone/Archiv

Unter den Flüchtenden sind vorwiegend junge Männer und vereinzelt auch Frauen. Zuerst geht meist ein junger Mann. Sobald die Migranten irgendwo Arbeit gefunden und sich niedergelassen haben, zieht die Familie nach. Ansonsten unterstützen die jungen Männer ihre Eltern und Geschwister vom Ausland aus.

Appell Kolumbiens an internationale Gemeinschaft

Das Hauptauffangbecken ist das Nachbarland Kolumbien, wo nach neuesten Schätzungen bereits rund eine Million Venezolaner leben. Kolumbien stösst angesichts des humanitären Dramas an seine Grenzen. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos appellierte am Rande des Katholikentags im deutschen Münster an die internationale Gemeinschaft. Diese müsse den Druck auf Maduro verstärken, damit dieser internationale Hilfe annehme. Denn die sozialistische Regierung leugne die humanitäre Krise und verschärfe damit die Lage.

Destinationen sind aber auch die spanischsprachigen Länder Ecuador, Chile und Argentinien. Allerdings hat Chile, das sehr viele Venezolaner aufgenommen hat, jetzt die Visumspflicht eingeführt, um den Zustrom etwas zu bremsen.

Keine Ende der Krise in Sicht

Die venezolanische Regierung hat keine Strategie, die Abwanderung zu stoppen. «Man schaut einfach zu und ist insgeheim nicht unglücklich, wenn doch einige Menschen gehen», erklärt Achermann. Die Lebensmittelversorgung stellt für die Regierung ein unüberwindbares Hindernis im kriselnden Erdöl-Land dar, wo das subventionierte Benzin immer noch billiger als Wasser ist. «Wenn einmal klar ist, dass Präsident Maduro am Ruder bleibt, wird die Absetzungsbewegung noch zunehmen», schätzt Achermann.

Ulrich Achermann

Ulrich Achermann

Südamerika-Korrespondent, SRF

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Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Nur die effektiven "Verursachungs-Behebung-Verbesserung", welche zu diesem weiteren unglaublichen menschlichen Desaster führen/führten, können dieses Leid stoppen - verbessern = Vetternwirtschaft - Korruption - Ausbeutung natürlicher Ressourcen (Ausland) - Menschen-Ausbeutung....
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Alles US-gesteuert. Mit Nachschub fuer die Beliebigen (eine interessante Infografik waere der Nachschub fuer Saddam - noch als frere et cochon - in den 8 Jahren Krieg des Irak gegen den Iran) und ruinoesem Embargo gegen die Missliebigen. Bis zum zweiten Weltkrieg im lateinamerikanischen Hinterhof. Heute global....
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  • Kommentar von T. H. Isaak (cuibono)
    Die Krise wird ein Ende haben und zwar mit dem Anstieg des Öl-Preises. Ein Blick auf die Charts zeigt dass der Preis für ein Barrel seit Sommer 2017 von 45 auf 75 USD angestiegen ist, und ein weiterer Anstieg auf über 100 USD gilt als wahrscheinlich, insbesondere im Zusammenhang mit den amerikanischen Sanktionen gegen den Iran. Bei über 90 USD pro Barrel fangen sich Venezuelas Kassen wieder an zu füllen. Mal schauen, was die venezolanische Regierung daraus macht.
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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Herr Dupond: Ich lehne jegliche Diktatur, ob links oder recht ab. Ich bin gegen Extremismus jeglicher Art. Das können Sie aus meinen diversen Kommentaren leicht entnehmen. Aber ich bin nicht stur gegen alles, was von Rechts kommt. Diesen Eindruck gewinne ich aber von all Ihren Kommentaren. Sollte ich mich da irren, nehme ich die Bemerkung zurück.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Das Linksrechtsschema hat im Neofeudalismus ausgedient. Zar Putin links? Den Arbeitgebern in den A.... kriechende statt Streiks orgnisierende Gewerkschafter links? Den Kapitalismus selektiv zum Wirtschaftskrieg missbrauchende Chinesen links? Den selektiven Superkommunismus zur Auspluenderung der zu Fleissigen Missbrauchende rechts? Ich bin fuer Egalite und gemeinsame Wohlfahrt. Ohne Freiheit zu privater Macht ueber Mitbuerger, und ohne Bruederlichkeit fuer selbsverschuldet Erwerbsscheue aller Un
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