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Medien in Polen «Es wird viel Bullshit herumgeboten zurzeit»

Polens rechtskonservative Regierung verstärkt den Druck auf die freien Medien. Kritische Medienplattformen verspüren indes Aufwind. Ein Besuch bei Oko.press.

Legende: Audio Mutige Polen kämpfen um die Wahrheit in den Medien abspielen. Laufzeit 03:21 Minuten.
03:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.08.2018.

Nichts, nicht einmal ein Schild unter der Klingel deutet darauf hin, dass in diesem unscheinbaren Mehrfamilienhaus im Süden von Warschau das erfolgreichste Medien-Start-Up Polens arbeitet. Das ist Absicht.

Es wird viel Bullshit herumgeboten zurzeit. Unsere Leser wollen wissen, was wahr ist und was nicht.
Autor: Agata SzczęśniakRedaktorin Oko.press

Wer der Redaktion von Oko.press seine Meinung sagen will, soll das im Netz tun, sagt Agata Szczęśniak. Widerspruch erregen – das gehört für sie dazu. Aber immer mit Fakten. «Es wird viel Bullshit herumgeboten zurzeit. Unsere Leser wollen wissen, was wahr ist und was nicht.»

Die 38-Jährige hat vor zwei Jahren eine Stelle bei der renommiertesten Zeitung des Landes gekündigt, um in einer abgewetzten Wohnung die Internetseite Oko.press zu lancieren. Ein paar Monate zuvor hatte die nationalkonservative Partei PiS die Wahlen gewonnen. Seither sind ihre Politiker dabei, Polen nach ihrem Geschmack umzubauen.

Demonstranten bilden einen Stop-Schriftzug mit Lichtern
Legende: Ein Teil der polnischen Gesellschaft hat genug von der politischen Entwicklung im Land. Reuters/Archiv

Das Interesse an Politik wächst wieder

Das habe viele vor allem junge Leute aufgerüttelt, sagt Szczęśniak: «Sie sind heute engagierter, sie sind stärker interessiert an Politik und sie suchen neue Medien.» Medien, die für diejenigen Werte einstehen, welche die Regierung gerade torpediert.

Gleichheit, Frauenrechte, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, eine liberale Demokratie: dafür stehe Oko.press. Im Gegensatz zu herkömmlichen Nachrichtenportalen recherchieren die zwei Dutzend Journalistinnen und Journalisten hier nur zu wenigen Themen.

Unseren Lesern steht es frei zu zahlen oder auch nicht – und sie zahlen.
Autor: Agata SzczęśniakRedaktorin Oko.press

Sie überprüfen, ob das, was Politiker zur Justizreform sagen, auch wirklich stimmt. Sie decken die Verbandelungen des Umweltministers mit der Holzindustrie auf. Oder sie strengen ein Verfahren gegen einen nationalistischen Parlamentarier an, der ukrainische Pflegerinnen beleidigt.

Leser zahlen freiwillig

900'000 Menschen erreicht Oko.press jeden Monat. In den sozialen Medien kann die junge Internetseite punkto Aufmerksamkeit sogar mit den ganz grossen Portalen in Polen mithalten. Und vielleicht der grösste Erfolg: Oko.press kann sich selbst finanzieren, obwohl auf der Seite alles gratis ist und es keine Werbung gibt.

«Unseren Lesern steht es frei zu zahlen oder auch nicht», sagt Szczęśniak, «und sie zahlen. Das überrascht auch uns und es macht uns stolz.» Ob das so bleibt, wenn der Gegner von Oko.press – die Nationalkonservativen – einmal nicht mehr regieren sollten. Szczęśniak glaubt Ja. Fakten zurechtrücken, das müsse man schliesslich bei allen Politikern.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hanna Bednarz (Pick-a-boo)
    Prüft auf der Oko Press Webseite, wer diese “unabhängige” Initiative im 2016 sponserte und wer immer noch verantwortlich ist für die Stiftung. Dies sind die Besitzer des grossen liberalen Medienkonglomerat zu welchem auch Gazeta Wyborcza gehört, welches öffentlich gegen die momentane Regierung kämpft. Egal ob sie Recht haben oder nicht, man kann nicht sagen, dass Oko Press eine unabhängige Webseite ist.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Gratis arbeiten wohl auch die nicht. Frägt sich bloss wer da wirklich bezahlt. Dann kann man vielleicht auch besser verstehen was da wirklich abläuft und welchen Stellenwert man dieser Bewegung beimessen kann.
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    1. Antwort von Daniel Schmidlin (Tellerwäscher)
      Steht ja in dem Bericht; die Leser bezahlen. Leute, die Fakten und keine Propaganda lesen wollen!
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    2. Antwort von Marti Müller (marchman)
      Herr schmidlin: Was Probaganda ist liegt im Auge des Betrachters
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  • Kommentar von Paul Leuenberger (simbawaniyka)
    In den nächsten 12 Monaten stehen in Polen 3 Wahlgänge an (Selbstverwaltung, EU-Parlament, Präsident). Es ist absolut legitim, dass sich die Opposition meldet und für ihre Anliegen kämpft. Die Resultate dieser Wahlgänge wird zeigen, was die Mehrheit des Volkes denkt. Die Opposition (Parteien, Medien usw.) sollte sich vermehrt auf Sachinhalte konzentrieren und weniger ins Ausland "rätschen" gehen, sowas kommt in keinem Land gut an. NB: renommierte Gazeta Wyborcza gehört zu Ringier/Axel Springer!
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