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Midterm-Wahlen in den USA Guerilla-Journalist mit Rechtsdrall

Schmutziger Wahlkampf: James O'Keefe schleicht sich unter die Demokraten und hält mit versteckter Kamera drauf.

Legende: Audio Undercover-Journalismus mischt US-Wahlkampf auf abspielen. Laufzeit 04:42 Minuten.
04:42 min, aus Rendez-vous vom 01.11.2018.

Das Video fand im Internet virale Verbreitung und bald auch in lokalen und nationalen Medien. James O'Keefe hat sich ins Team der Senatorin aus Missouri, Claire McCaskill, eingeschlichen und filmt mit versteckter Kamera.

Er plaudert mit zwei Wahlkampfverantwortlichen über Planned Parenthood (deutsch: Familienplanung). Die Frauengesundheitsorganisation gilt bei Konservativen als Abtreibungsmaschine.

«Ja, wir müssen lügen»

«Was hast du mir gestern Abend erzählt», fragt O'Keefe. «Planned Parenthood gibt Senatorin McCaskill keine Wahlspenden, weil sie Abtreibungsgegner nicht abschrecken wollen», antwortet einer der Wahlkampfhelfer. «Und trotzdem erhalten wir Geld von ihnen?», fragt James O'Keefe nach. «Genau», sagt die andere Wahlkampfhelferin.

Es geht nicht um meine Meinung oder um Lobbying, es geht einfach darum aufzudecken, was die Leute sagen.
Autor: James O'KeefeUndercover-Journalist

O'Keefe geht sehr gezielt vor. Er attackiere demokratische Wackel-Kandidaturen in eher konservativen Staaten, sagt er im Interview mit SRF: «Wir glauben, dass Demokraten dort ihre gemässigten Wähler in die Irre führen müssen, um wieder gewählt zu werden. Darum filmen wir Undercover.»

O'Keefe will heilige Kühe schlachten

Er sehe sich als Journalist in der Tradition des deutschen Enthüllungs-Journalisten Günter Wallraff. Dass dieser doch eher linke Themen bearbeitete, kümmert ihn nicht: «Es geht nicht um meine Meinung oder um Lobbying, es geht einfach darum aufzudecken, was die Leute sagen.»

«Project Veritas» – Projekt Wahrheit – nennt O'Keefe seine Aktionen. Aber politischer Dreh in Wahlkämpfen ist doch unabhängig der Partei gang und gäbe, warum ist O'Keefe auf die Demokraten fixiert? Er würde halt lieber die heiligen Kühe schlachten, die andere Medien nicht berühren wollen, sagt O'Keefe.

Claire McCaskill 2010 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama
Legende: Seit 2006 gehört Claire McCaskill (hier 2010 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama) dem US-Senat an. Nun wird die Luft allmählich dünn – auch wegen James O'Keefe. Reuters

Sein Project Veritas ist klar in konservativer Mission unterwegs. Es macht seit 2009 linke Organisationen und Kandidaten unsicher, bisweilen auch gemässigte Republikaner – oft mit Erfolg. Inzwischen ist das Projekt zum Multimillionen-Geschäft angewachsen. Die NGO wird von Spendern konservativer Grössen wie den Koch-Brüdern finanziert, gemäss öffentlichen Dokumenten.

«Wir haben enorm hohe Anwaltskosten, hunderttausende Dollar pro Monat, denn wir werden oft verklagt», sagt O'Keefe. Auch Senatorin McCaskill in Missouri verlangt, dass der Staatsanwalt von Missouri gegen Project Veritas ermittelt. Pikant ist, dass genau dieser Staatsanwalt – der Republikaner Josh Hawley – ihr den Senatssitz streitig macht.

Demokratische Senatorin in Bedrängnis

«Es ist erstaunlich, dass Hawley diese betrügerische Aktion unterstützt. Als Staatsanwalt müsste er doch eigentlich ermitteln», sagte McCaskill vor lokalen Medien. Josh Hawley selber sagte, er habe nichts mit dem Video zu tun. Senatorin McCaskill sei offensichtlich in einer verzweifelten Phase.

Tatsächlich: Die Undercover-Aktion von James O'Keefe hat die Senatorin zusätzlich in Bedrängnis gebracht, ihre Wiederwahl steht auf der Kippe. Und damit auch die ohnehin geringen Chancen, dass die Demokraten die Mehrheit im Senat zurück gewinnen können.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Fabio Krauss (FabioK)
    Project Veritas ist eine super Sache. So wurde z.B. auch herausgefunden, dass Google und Twitter eine sehr zweifelhafte Zensur angewandt haben (gegen Konservative!). Es ist erstaunlich, dass SRF, das zu Neutralität in der Berichterstattung verpflichtet wäre, kaum Artikel veröffentlicht, die gegenüber einer konservativen, bürgerlichen Politik positiv eingestellt wären. Alles rechts von der Mitte wird von SRF kritisiert - Dieser Bericht hier wie auch der zu Österreichs Position zum UN-Migr.Pakt.
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    1. Antwort von L. Drack (samSok)
      Eine recht haltlose Unterstellung, dass SRF alles rechts der Mitte kritisiere, dies geschieht auch weder im obigen Bericht noch in jenem über die Haltung der Kurz-Regierung (letzteres ist ein Interview). Ich sehe aber, dass dies von rechter Seite häufig moniert wird. Auch wenn linker Seite ebenso oft auch linke Positionen fehlen.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Ich wäre gespannt auf Ihre Formulierungen, die sachlicher als die srf-Berichte wären. Aber die sind ja wohl nicht zu erwarten, da sie von einem "der Neutralität verpflichteten" Medium bereits "gegenüber einer konservativen, bürgerlichen Politik positiv eingestellte" Artikel verlangen. Man kann sich kaum mit weniger Zeichen deutlicher widersprechen.
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    3. Antwort von Fabio Krauss (FabioK)
      @Drack: Wenn über die Tatsache, dass Österreich den UN-Migrationspakt nicht unterschreibt, nur mit einem Interview berichtet wird, in welchem die Regierung Kurz und deren Entscheidung massivst (!) kritisiert wird ohne die andere Seite und deren Argumente zu beleuchten, dann ist das einseitig. Auch dieser Bericht: Hätte sich jemand bei den Republikanern (Trump) eingeschlichen, wäre er wohl ein investigativer Held. Da Demokraten ausgehorcht werden, wird es jedoch unterschwellig stark kritisiert.
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    4. Antwort von L. Drack (samSok)
      Äxgüsi Herr Krauss, haben Sie den Bericht von SRF vom Mittwoch 31.10.2018 übersehen, wo über Kurz‘ Absicht, aus dem M-Pakt auszutreten, ausführlich berichtet wurde?
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  • Kommentar von Marti Müller (marchman)
    Als ob die Dems brave Lämmer wären...Typische schwarz weiß Berichterstattung
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Herr Müller können sie mir erklären was das in de Schweiz bringen würde? Wie stimmen ja hier Größtenteils gar nicht ab und die wenigen Amerikaner die ich kennen sind so eingefleischt in ihr Parteien denken, da geht vorher die Welt unter bevor sie das kreuz bei de andern Partei machen würden.
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  • Kommentar von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Würde dasselbe ein "linker" Journalist bei den Republikanern machen, würde dieser in den Medien für investigativen Journalismus abgefeiert und ausgezeichnet. Grundsätzlich finde ich gut, dass Lobbyarbeit aufgedeckt wird, egal in welcher Partei. Hätte auch in der Schweiz noch viel Potential zu Transparenz.
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