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International Militärpolizei in Kambodscha schiesst auf Demonstranten

Bei Zusammenstössen zwischen kambodschanischen Sicherheitskräften und protestierenden Textilarbeitern sind Augenzeugen zufolge mehrere Menschen getötet worden. Militärpolizisten hätten mit Sturmgewehren und Pistolen das Feuer auf die Demonstranten eröffnet.

Legende: Video In Kambodscha schiesst Polizei auf Streikende abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.01.2014.

In der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh hat die Militärpolizei nach Angaben von Menschenrechtlern auf protestierende Textilarbeiter geschossen. Die Demonstranten hätten vor einer Fabrik mit Steinen, Flaschen und Benzinbomben geworfen. Bei den Zusammenstössen seien drei oder vier Protest-Teilnehmer ums Leben gekommen.

Ein Sprecher der Militärpolizei sagte dagegen, nur ein Mensch sei gestorben, mehrere seien verletzt worden. «Wir erfüllen nur unsere Pflicht, Rolle und Aufgabe. Jetzt sichern wir die Lage», sagte er.

Die Gewerkschaften haben zu einem landesweiten Streik aufgerufen. Sie fordern mehr Geld für die Beschäftigten der Bekleidungsindustrie, die zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des südostasiatischen Landes zählt.

Rund 650'000 Menschen sind in der Textilindustrie tätig. 400'000 von ihnen nähen für internationale Modemarken wie Gap, Nike und H&M. «Für Kambodschas Wirtschaft ist der Streik eine Katastrophe», sagt SRF-Asienmitarbeiter Peter Achten. 90 Prozent der Exporte Kambodschas seien Textilprodukte.

Demonstranten stellen politische Forderungen

Nach zwei Wochen überwiegend friedlicher Streiks, Protestmärsche und Demonstrationen hatten die Sicherheitskräfte am Donnerstag erstmals eine Demonstration gewaltsam aufgelöst. Dabei wurden nach Angaben von Teilnehmern mehrere Menschen verletzt und festgenommen.

«Es geht nicht mehr nur um Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen», erklärt Achten das harte Durchgreifen der Militärpolizei. «Jetzt stellen die Demonstranten auch politische Forderungen.»

Dicht gedrängt ziehen Demonstranten durch Phnom Penh.
Legende: Anhänger der Opposition beteiligen sich ebenfalls an den Protesten. Reuters

Opposition unterstützt Textilarbeiter

Die Streiks hätten in politische Proteste umgeschlagen, weil die Textilunternehmer nicht auf die Forderungen der Arbeitnehmer eingegangen seien. «Sie sind überzeugt, die korrupte Regierung hinter sich zu haben. Zu Recht, wie das harte Durchgreifen der Militärpolizei nun zeigt», sagt Achten.

Die Textilarbeiter werden von der Opposition unterstützt. Diese hat selbst zu Protesten gegen die Regierung aufgerufen, weil sie nach eigenen Angaben bei der Wahl im Juli um mehr als zwei Millionen Stimmen betrogen worden war.

«Die Regierung wird hart durchgreifen»

Der autoritäre Ministerpräsident Hun Sen sieht sich durch die Demonstrationen mit seiner grössten politischen Herausforderung seit zwei Jahrzehnten konfrontiert. Die Regierung werde wohl als Gewinnerin aus dem Machtkampf hervorgehen, sagt Achten. «Sie wird weiter hart durchgreifen, denn für sie steht viel Macht auf dem Spiel.» Und für die Textilunternehmer gehe es um «fette Profite».

Die Textilfabriken werden Kambodscha nicht verlassen, wie Achten sagt. Auch dann nicht, wenn die Produktionskosten steigen würden. «Kambodscha ist hinter Bangladesch und Pakistan das billigste Land für Textilprodukte. Selbst Firmen aus China, Vietnam oder Thailand kommen nun nach Kambodscha.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    In Kambodscha beherrschen zwei Generäle jeweils die hälfte der Wirtschaft, des Transports und des Tourismus. Hier muss nun einer der beiden seine Arbeiter wieder an die Arbeit bekommen sonst zieht die Billigindustrie weiter. So einfach und traurig ist das...
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Der "neue" Kapitalismus zeigt wieder mal seine hässliche Fratze. Dass die Mafia im Vergleich zur Textilindustrie ein Kindergartenverein ist... Wahrlich nichts neues. Nicht erstaunlich also, dass z.B. Nike Milliardengewinne macht. Einfach nicht mehr kaufen. Den Konsumenten ist das alles aber völlig schnuppe... Bis der Tag kommt an dem sie dann merken, dass ihre Arbeitsbedingungen jenen Kambodschas angeglichen werden. Dummheit ist vererblich.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Geld oder Leben!Rund um den Globus.Mensch was bist du für ein edles Wesen.Seid fruchtbar und vermehret euch fleissig.Aber eines dürft ihr nicht vergessen,ihr müsst "rentieren" auf Teufel komm raus.Überleben ist angesagt. Wenn man schon mal auf diesem Planeten leben darf,muss,soll(dazu verdammt ist),kann es nicht genug"knallhart"zu und hergehen.Wo auf dieser schönen Welt,wird gegenwärtig überall protestiert und demonstriert?Um was geht es? Was ist Lebensqualität?Was ist Menschenverachtung?
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