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Moskau und Teheran Deshalb besucht Irans Aussenminister Putin in Moskau

Irans Aussenminister Abbas Araghtschi ist in Moskau eingetroffen. Dort soll er mit Machthaber Wladimir Putin zusammentreffen. Offiziell gibt es keine Angaben zu den Inhalten der Gespräche. SRF-Russland-Korrespondent Calum MacKenzie beantwortet die wichtigsten Fragen.

Calum MacKenzie

Russland-Korrespondent

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Calum MacKenzie ist Russland-Korrespondent von Radio SRF. Er hat in Bern, Zürich und Moskau Osteuropa-Studien studiert.

Warum reist Araghtschi nach Moskau?

Beide Seiten halten sich bedeckt. Der Kreml spricht nur davon, dass Gespräche geplant seien. Der iranische Botschafter sagt immerhin, es werde beim Besuch um die iranischen Verhandlungen mit den USA zum Krieg im Nahen Osten gehen. 

Wie überraschend ist der Besuch?

Einerseits nicht wirklich: Russland und der Iran pflegen seit Jahren eine strategische Partnerschaft. In der Vergangenheit war es oft so, dass sich Moskau und Teheran über wichtige Themen austauschten – etwa zu Syrien oder zur russischen Invasion der Ukraine. Oft fuhren die beiden Länder dann auch eine gemeinsame Linie. Überraschend ist der Besuch aber deshalb, weil sich Moskau aus dem aktuellen Krieg im Nahen Osten eher heraushält. Die USA und Israel gehen dort gegen den Iran vor, US-Präsident Donald Trump ist die federführende Figur. Und weil Russland immer noch auf Hilfe von Trump bei der Ukraine hofft, will man ihn nicht verärgern. Im Vergleich zu früher hat sich Moskau zum Iran bislang eher auf Distanz gehalten. Deshalb sind die Gespräche in Moskau jetzt gewissermassen eine neue Entwicklung. 

Was kann Moskau Teheran anbieten?

Zu Beginn der Invasion in die Ukraine hatte der Iran kostengünstige Drohnen geliefert, mit denen die russische Armee ukrainische Städte beschiesst. Unterdessen stellt Russland diese Drohnen aber selbst her, sogar in verbesserter Version. Offenbar will Moskau diese Drohnen jetzt in den Iran liefern, wie US-Medien berichteten. Wenn das stimmt, ist das eine interessante Entwicklung: Einerseits, weil sich die Situation gedreht hat, andererseits, weil Russlands Militär eigentlich von den Kampfhandlungen in der Ukraine sehr belastet ist. Doch Russland stellt die Drohnen inzwischen in grosser Zahl her, und da erscheint es nicht unplausibel, dass Moskau ein paar an den Iran abgibt. Zudem beliefert Moskau laut verschiedenen Berichten Teheran mit Geheimdienst­informationen, damit der Iran Ziele in den Golfstaaten beschiessen kann.

Erhöht Moskau jetzt die Unterstützung Teherans?

Falls dem so ist, wird das wohl weitgehend verdeckt bleiben, denn Putin will es sich mit Trump nicht verscherzen. Womöglich hat aber die Tatsache, dass sich das iranische Regime als hartnäckiger erwiesen hat als zuerst erwartet, das russische Kalkül geändert. Zuerst hatte es nach einem ähnlichen Szenario ausgesehen wie in Syrien, wo mit Baschar al-Assad ja ein russischer Verbündeter gestürzt wurde. Dort ging am Ende alles sehr schnell, und Moskau war wegen seines Angriffskriegs auf die Ukraine nicht in der Lage, etwas dagegen auszurichten. Das Regime in Teheran zeigt sich jetzt stabiler. Zudem schwächt der Iran-Krieg die USA und Europa. Der Kreml dürfte erkannt haben, dass es für ihn mehr Sinn ergibt, den Krieg durch mehr Hilfe für den Iran zu verlängern, als Schadensbegrenzung zu betreiben, indem er Teheran im Stich lässt.

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SRF 4 News aktuell, 27.4.2026, 7:50 Uhr ; 

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