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Legende: Audio Merkel redet Klartext abspielen. Laufzeit 04:38 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 16.02.2019.
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Münchner Sicherheitskonferenz Merkel gegen Pence – zwei Welten prallen aufeinander

Es ist schwierig geworden zwischen Europa und den USA. Die Auftritte von Pence und Merkel in München verdeutlichen das.

Viele Beobachter waren nach Angela Merkels Auftritt des Lobes voll. Eine flammende aussenpolitische Rede habe die Bundeskanzlerin gehalten. Schade nur, meinten manche, dass sie sich erst jetzt so äussert, da sich ihre Regierungszeit dem Ende zuneigt.

Für Merkel war ein Plädoyer für internationale Zusammenarbeit offenkundig überfällig, denn die Welt habe sich aufgeteilt in viele Puzzleteile. Nun sei es höchste Zeit, sie wieder zusammenzufügen.

Beziehung zu China und Russland

Gewiss, die Kanzlerin griff auch die Schwierigkeiten auf. Und die haben nicht nur mit der Regierung Trump zu tun. Sondern auch mit China und Russland. Ja, das Verhältnis zu Russland habe man sich nach dem Mauerfall anders vorgestellt. Sie rief auch die Führung in Peking auf, sich an einem neuen Abkommen für ein Verbot atomarer Mittelstreckenraketen zu beteiligen.

Legende: Video Die «Iran-Debatte» dominiert die Münchner Sicherheitskonferenz abspielen. Laufzeit 04:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2019.

Ukraine-Krise, Syrien-Krise, Konflikt mit dem Iran – Lösungen hat auch Merkel keine, aber sie plädiert für Nüchternheit und das äusserst vehement. Wenn es schon schwierig sei mit einem Land, sei es gewiss nicht der richtige Ansatz, das bisschen zu zerstören, was einen noch verbinde. Also das Atomabkommen, dem die Amerikaner den Rücken gekehrt haben.

Klare Worte in Richtung USA

Mehrfach sprach die Kanzlerin die USA direkt an. Sie gab zu bedenken, dass die blosse Forderung an die Adresse der Europäer, ihre Rüstungsetats aufzustocken, kein Patentrezept sei: «Wir müssten erstmal klar wissen, was wir mit dem zusätzlichen Geld tun wollen.» Sie empörte sich darüber, dass Donald Trump deutsche und andere europäische Autos mit Sonderzöllen belasten wolle.

Probleme über Probleme. Doch immer wieder kam Merkel auf ihren zentralen Punkt zurück: Ja, Multilateralismus sei mühsam, ja, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, sei schwierig. Doch was sei die Alternative? Solle sich etwa jeder in seinem Haus verkriechen?

Gegenrede von Mike Pence

Ganz anders klang es gleich anschliessend bei US-Vizepräsident Mike Pence. Zwei Reden, zwei Welten. Von Partnerschaft, von gemeinsamen Lösungen war bei Pence kaum die Rede, vielmehr von einem Land, das weiss, was nötig und richtig ist – und das auch durchsetzen kann.

Die Rede von Pence war zum einen unverhohlene Propaganda für die Wiederwahl seines Chefs Donald Trump. Wiederholt pries er ihn in den höchsten Tönen. Zum andern war sie eine Liste mit Forderungen an die Adresse der Europäer. Mehr zahlen für die Nato müssten sie – und das mit konkreten Plänen belegen.

Forderungen an Europa

Zudem müssten sie das Iran-Atomabkommen kündigen, zumal der anti-israelische Iran nun ganz konkret einen Holocaust plane. Schliesslich müsse Europa das «Northstream 2»-Pipelineprojekt beerdigen und die EU einhellig gegen das Maduro-Regime in Venezuela Stellung beziehen.

Was, wenn die Europäer die US-Forderungen nicht erfüllten? Die Frage schwang ständig mit, doch dazu schwieg Mike Pence. Hingegen sagte er in München klarer als es Vertreter der Trump-Regierung bisher taten: Trotz «America-First» seien die USA bereit, in der Welt weiterhin die Führungsrolle zu spielen. Aber: Ausschliesslich zu ihren Bedingungen.

Dazu passte, dass Pence nach seiner Rede sogleich die Bühne verliess. Fragen beantwortete er keine – ein grober Verstoss gegen die Sitten auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Kein Wunder, dass noch nie die Sehnsucht nach dem «guten, alten Amerika» so offen beschworen wurde wie diesmal.

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83 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    «Doch was sei die Alternative? Solle sich etwa jeder in seinem Haus verkriechen?» Wieder eine so typische 'Merkellogik', eine profunde Ignoranz der Realität der Bundeskanzlerin. In den deutschen Bundestag ist indessen die grösste Oppositonspartei - Alternative für Deutschland - demokratisch gewählt worden, in Frankreich sind seit Monaten die Gelbwesten auf der Strasse, die Briten verlassen die EU, Italien im Clinch mit Frankreich, Ukraine ein Desaster usf. Verkrochen hat sich Frau Merkel bisher.
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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    «Lösungen hat auch Merkel keine, aber sie plädiert für Nüchternheit und das äusserst vehement.» Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte noch nie Lösungen parat und ihre über Nacht gefällten Entscheide waren nie von Nüchternheit geprägt. Frau Merkel hat innerhalb ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin Deutschland gespalten, ebenso die EU, den Brexit ermöglicht, die Freundschaft mit Frankreich als Mythos demaskiert (Macron fehlte), sanktioniert Russland, hofiert den Iran, der Israel von der Landkarte...
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    1. Antwort von Erwin Jenni  (ej)
      Absolut korrekt Herr Stahn, nur will man diese Fakten hier und in Europa nicht sehen. Niemand sonst hat Europa in den letzten JZ mehr geschadet als Frau Merkel. Man sieht schon heute, was ihre Fehlentscheide bewirken, aber spätestens in 10 Jahren sieht es jeder!
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Wenn es schon schwierig sei mit einem Land, sei es bestimmt nicht der richtige Ansatz,
    dass wenige zu zerstören, was noch verbindet. Gute und hoffnungsvolle Worte Frau
    Merkel , aber dann auch versuchen, es wirklich zu vollziehen und nicht gleichzeitig neue
    Sanktionen gegen Russland zu erheben.
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