Zum Inhalt springen
Inhalt

Nach Bluttat an High School Ein Land mit 310 Millionen Waffen

Nach dem Amoklauf in Florida steht erneut das laxe Waffenrecht in den USA im Fokus. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum gibt es in den USA so viele Waffen? Die Verfassung gesteht den Amerikanern das Recht auf Selbstverteidigung und damit auf Waffenbesitz zu. An diesen zweiten Verfassungszusatz wagt niemand zu rütteln. Allerdings war er für eine Zeit gemacht, in der die USA grossenteils aus unerschlossener Wildnis bestanden und ihre Bürger weit entfernt von Ortschaften lebten.

Ein Gewehre und Gitarren Laden in Nevada.
Legende: «Gewehre und Gitarren», ein Gewehrgeschäft, in dem der vermutete Las Vegas Schütze angeblich Feuerwaffen kaufte. Getty Images

Was sagt die Statistik? Dieses Problem ist ein sehr amerikanisches Problem. In keinem anderen entwickelten Land kommen so viele Menschen durch Schusswaffen zu Tode. Nach Angaben der Organisation Gun Violence Archive sind 2018 mit Stand 15. Februar bei 6573 Vorkommnissen bereits 1827 Menschen gestorben und 3142 verletzt worden. Darunter sind 402 Kinder und Jugendliche. In den USA sind 310 Millionen Waffen im Umlauf.

Was fordern die Gegner der geltenden Waffengesetzgebung? Die Demokraten machen sich seit langem für eine Verschärfung stark. Der damalige Präsident Barack Obama scheiterte mit einer Reform am gusseisernen Widerstand der republikanischen Mehrheit im Kongress. Die Demokraten wissen, dass ihre Forderungen mit hohen politischen Risiken verbunden sind. Es geht ihnen nicht um eine Änderung der Verfassung, sondern um strengere Regeln wie konsequentere Überprüfungen von Käufern oder Einschränkungen bestimmter Waffen.

Ein Mann verkauft Waffen hinter einer Theke.
Legende: Mel 'Dragonman' Bernstein verkauft Maschinengewehre, automatische Waffen, Handfeuerwaffen, Gewehre und Schalldämpfer in Colorado Springs. Getty Images

Was sagen die Befürworter von Waffen? Die NRA, die National Rifle Association, ist eine der mächtigsten Lobbygruppen der USA. Die Empfänger ihrer Millionenspenden im US-Kongress sind öffentlich. Gegen jede Verschärfung der Gesetze argumentieren die Republikaner mit dem Recht auf Selbstverteidigung. Dass die Verfassung nicht vom Recht auf Sturmgewehre spricht, lassen ihre Verteidiger nicht gelten. Oft wird auch gesagt, nur mehr Waffen würden gegen mehr Gewalt helfen: Mehr bewaffnete Verteidiger könnten bewaffnete Angreifer unschädlich machen, etwa in Schulen.

Ein Mädchen posiert mit einer Waffe.
Legende: Die NRA, die National Rifle Association hat 5 Millionen Mitglieder. Jedes Jahr gibt es eine NRA-Ausstellung. Getty Images

Wie stehen die Chancen, dass sich etwas verändert? Nicht hoch. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auch nach anderen Fällen nichts passierte. Die Waffengesetzgebung in den USA auf Bundesebene stammt aus dem Jahr 1968. Die letzte Änderung in der Reagan-Ära lockerte 1986 im «Waffenbesitzer-Schutzgesetz» die Regeln sogar noch. Hinzu kommen verschiedenste Regelungen der Bundesstaaten. Nach dem Massaker von Las Vegas 2017 wollte der Kongress – hier haben die Republikaner die Mehrheit – nicht einmal sogenannte Bump Stocks verbieten: Plastikaufsätze für halbautomatische Waffen, die sie fast so schnell schiessen lassen wie Maschinengewehre.

Und Präsident Trump? Er ist Waffen-Befürworter und erklärter Fan der NRA. Unter ihm schaffte der Kongress eine kurz zuvor geltende Waffenregulierung Obamas wieder ab. Damit können auch psychisch Kranke wieder Waffen besitzen.

Legende: Video Trump spricht den Opfern sein Beileid aus abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.02.2018.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    In Japan ist der Besitz von Schusswaffen verboten. Legal trägt nur die Polizei Schusswaffen, illegal die Mafia – allerdings immer seltener. Wer einen Schuss abfeuert, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft, selbst wenn es nur ein Probeschuss ins Leere war. Gefährdet er damit jemanden, fällt die Strafe viel härter aus. Bei den vielen Waffennarren in den USA lässt sich so etwas leider nicht umsetzen und würde glatt Firmen wie Remington, Smith & Wessen und viele andere ruinieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Im Februar 2017 hat Supertrump die von Obama durchgeboxte Waffenregulierung gekippt. Noch im selben Monat hat sich der Psychopath die Waffe gekauft, mit der er ein Jahr später ausrastet und 17 Menschen abknallt.(ZDF)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Meier (H-M)
    Lasst ihnen doch die waffen! Wieso sollten wir uns darum kümmen wenn sie sich in den USA gegenseitig das gehirn.....hmmm sorry das vacuum rausschiessen!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen