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Nach Machtwort des Königs Thailands Prinzessin wird nicht Premierministerin

  • In Thailand wurde die Kandidatur von Prinzessin Ubolratana für das Amt der Premierministerin zurückgezogen.
  • Mit dem Verzicht füge sich die Prinzessin einer königlichen Anordnung, teilte ihre Partei mit.
Legende: Video Aus dem Archiv: Prinzessin will Premierministerin werden abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.02.2019.

Nach einem öffentlichen Rüffel ihres Bruders, König Maha Vajiralongkorn, gibt die thailändische Prinzessin Ubolratana ihre politischen Ambitionen auf. Die Partei Thai Raksa Chart zog die Kandidatur der Prinzessin für das Amt der Ministerpräsidentin am Samstag zurück.

Mit dem Verzicht auf die Teilnahme an der Parlamentswahl füge sich Ubolratana der «königlichen Anordnung», teilte die Partei mit. Ubolratana hatte zunächst eine Pause vom Wahlkampf angekündigt. Eine für Samstag vorgesehene Wahlkundgebung in der Hauptstadt Bangkok sagte ihre Partei nun ab.

Von der Prinzessin selbst gibt es noch keine klare Stellungnahme. Auf Instagram bedankte sie sich bei ihren Anhängern für «Liebe und Unterstützung». Beobachter werteten dies als Zeichen für einen baldigen Verzicht.

«Unangemessen»

König Maha Vajiralongkorn hatte die Kandidatur seiner Schwester als «unangemessen und verfassungswidrig» kritisiert. Ein hochrangiges Mitglied der königlichen Familie in die Politik zu bringen, sei «gegen die königlichen Traditionen und die Kultur der Nation», hiess es in einer Erklärung. Die Monarchie stehe über der Politik.

Prinzessin Ubolratana hatte am Freitag überraschend angekündigt, sich bei der Parlamentswahl am 24. März als Premierministerin zu bewerben. Damit stellte sie sich gegen Thailands Generäle, die seit einem Militärputsch 2014 an der Macht sind. Thailand hatte seit der Einführung der konstitutionellen Monarchie im Jahr 1932 keinen Premierminister, der dem Königshaus entstammt.

Ubolratana, die ältere Schwester des heutigen Königs, hatte vor Jahrzehnten einen US-Bürger geheiratet und auf ihre königlichen Titel verzichtet. Nach ihrer Scheidung kehrte sie in ihre Heimat zurück. Die schillernde Prinzessin ist in Filmen aufgetreten, singt, ist in den sozialen Netzwerken aktiv und Modeliebhaberin.

Wahl im März

Die Wahl zum neuen Parlament ist nach wiederholter Verschiebung nun für den 24. März geplant. Für das 68-Millionen-Einwohner-Land wäre dies ein wichtiger Schritt zurück in Richtung Demokratie. Verlässliche Umfragen gibt es bislang nicht.

Militärregierung in Thailand

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Thailand wird seit 2014 vom Militär unter General Prayut regiert. Dieser will bei der Parlamentswahl am 24. März für die Partei Phalang Pracharat antreten, die der Armee nahesteht.

Für das Königshaus und die Ultramonarchisten ist die Partei Thai Raksa Chart ein rotes Tuch. Bei einer Kandidatur für diese Partei wäre die Prinzessin gegen den Chef der Militärjunta angetreten, einem Verteidiger der Monarchie. Der Rückzieher von Ubolratana könnte nach Einschätzung Bangkoker Analysten die Wahlchancen der Junta verbessern.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Es gilt zu beachten, dass das Militär hier, nicht einfach eine Junta ist. Es ist eher und überspitzt gesagt, die andere Seite ein und der selben Medaille. Das Militär hier ist dem Königshaus verpflichtet, sehr loyal zum König, und gilt quasi als ein Organ des Königs. Also eher die eine Seite, ein und der selben Medaille. So das Militär regiert, regiert eigentlich ja doch der König eben durch "sein" Militär. - Das mögen einige nicht so recht zu verstehen.
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  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Es gilt das grundsätzliche Problem, was in dieser Kandidatur liegt zu beachten. So ein Mitglied des Königshauses Primer wird, womöglich die Minister dann auch noch aus dem Königshaus kommen, bleibt nicht mehr viel übrig, was man dann noch konstitutionelle Monarchie nennen könnte. König Maha Vajiralongkorn hatte die Kandidatur seiner Schwester als «unangemessen & verfassungswidrig» abgelehnt und offensichtlich verboten. Sein Einschreiten erscheint mir persönlich als angemessen und logisch.
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  • Kommentar von Maligan Jury (jury maligan)
    Die Journalisten von SRF sollten sich erst mal mit der Thai Mentalität und Sitten in diesem Land befassen und einverleiben. Die Sicht der Dinge ist hier etwas anders als in der Schweiz und das ist bitte zu respektieren. Wir Schweizer hier müssen ggf. darunter leiden, was die CH-Presse an Falschaussagen rauslässt. Denn was der König sagt, das gilt - basta. Und die Prinzessin ist nicht vor dem Aus sondern danach. Auch die Partei hat längst analysiert was Sache ist.
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    1. Antwort von Haller Hans (H.Haller)
      Es geht vor allem darum die Thais zu verstehen, was westlich orientierten und erzogenen Menschen vielleicht etwas schwer fällt. Als Anfang kann man einen sehr bekannten Spielfilm hier empfehlen. Anna and the King mit Jody Foster in der Hauptrolle als engl. Lehrerin. Schon ganz am Anfang des Filmes werden sehr treffende Worte gesprochen. - Für alle die Thailand näher kennen lernen möchten, mit diesem Film da könnte man einen guten, einfachen ein Anfang machen.
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    2. Antwort von Jonny Berger (Landkind)
      Ich selber empfinde den Bericht hier von SRF als neutral, gewertet wird da meiner Meinung nach von den Journalisten nichts. Deshalb verstehe ich Ihren harschen Kommentar aucht nicht. Aber grundsätzlich bin ich mit Ihnen einverstanden: Es ist die Sache der Thais, wie sie diese Angelegenheit behandeln. Und auch wenn uns Westler sehr befremdet ist es halt so, dass das Wort des Königs (fast) Gesetz ist. Da haber wir uns ganz sicher nicht einzumischen!
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