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Benneton soll Autobahnanteile verkaufen
Aus Echo der Zeit vom 13.07.2020.
abspielen. Laufzeit 03:20 Minuten.
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Nach Morandi-Unglück Werden den Benettons die italienischen Autobahnen genommen?

Ist die Unternehmerfamilie als Autobahnbetreiberin am Ende? Darüber wird in der Regierung in Rom heftig gestritten.

Es war nicht etwa Silvio Berlusconi, sondern es war die Mitte-links-Regierung von Romano Prodi, die Ende der 1990er-Jahre die italienischen Autobahnen privatisierte. Damit verhalf Prodi der Unternehmerfamilie Benetton zu einem Milliardengeschäft.

Doch seit vor zwei Jahren die Morandibrücke in Genua eingestürzt ist, besteht der Verdacht, die Benettons hätten gross kassiert, ohne aber in den Unterhalt zu investieren. Es ist dies ein böser Verdacht, der von Gerichten erst in den nächsten Jahren bestätigt oder widerlegt wird.

Eingestürzte Morandibrücke.
Legende: Für die 2018 eingestürzte Morandibrücke war «Autostrade per l'Italia» verantwortlich, ein Unternehmen der Familie Benetton. Reuters

Seither streitet ganz Italien darüber, ob den Benettons die Konzession schon vor dem Urteil zu entziehen sei. Jetzt hat Italiens Premier dazu ein Machtwort gesprochen. In zwei Zeitungsinterviews sagt Giuseppe Conte: Entweder ziehe sich die einflussreiche Familie freiwillig zurück oder die Regierung entziehe ihr die Konzession.

Conte will Benetton raus haben

Der Premier weiss, dass er die grösste Regierungspartei, das Movimento Cinque Stelle, auf seiner Seite hat. Die ehemalige Protestbewegung fordert schon lange den Rauswurf der im Textilgeschäft gross gewordenen Familie. Dieses Versprechen könnten die Cinque Stelle nun – vor wichtigen Urnengängen im Herbst – einlösen.

Allerdings wollen sich auch andere mit dem Thema profilieren. Zu ihnen gehört Ex-Premier Matteo Renzi mit seiner vor einem Jahr gegründeten Mittepartei. Laut Renzi könnten die Benettons klagen, wenn man ihnen die Konzession ohne Urteil entziehe. Das aber könnte den italienischen Staat am Ende Milliarden kosten und den Betrieb und Unterhalt der Autobahnen während Jahren behindern, so Renzi.

Kompromiss der Sozialdemokraten

In diesem Streit spielt der sozialdemokratische Partito Democratico das Zünglein an der Waage. Die Sozialdemokraten könnten morgen, beim Entscheid der Regierung, auf einen Kompromiss drängen: Die Familie Benetton wird nicht ganz ausgeschlossen, muss aber die Aktienmehrheit abgeben.

Unter dem Strich bedeutet diese Ausgangslage, dass der Staat die Autobahnen mit grösster Wahrscheinlichkeit rückverstaatlichen wird. Offen ist lediglich die Frage, ob die Familie Benetton ganz oder nur mehrheitlich draussen ist.

Das heisst aber auch, dass der Staat eine schwere Verantwortung übernähme. Denn Italiens Strasseninfrastruktur ist tatsächlich an vielen Stellen marode. Und sollte erneut etwas einstürzen, dann wäre nicht ein privater Betreiber schuld daran, sondern die Regierung.

SRF 4 News, Echo der Zeit vom 13.7.2020, 18.00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Conte will Benetton raus haben. Hoffentlich auch. Die Einnahmen der Autobahngebühren fliessen doch sicher zu einem grossen Teil in die Kasse des Unternehmens. Wenn er die Euro Gelder für die Infrastruktur verwenden will, dürfen solche Privatunternehmen nicht davon profitieren. Ausserdem sollten das nur Darlehn sein. Der grösste Geldgeber Deutschland, hätte das auch bitter nötig für den Strassenbau.
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  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    ...sind "ANDERE" besser/vertrauensvoller als Benetton???
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    1. Antwort von Markus Weilenmann  (markusweile)
      Eine demokratisch gewählte Regierung ist gegenüber der Bevölkerung rechenschaftspflichtig, eine private Familie ist das nicht. Wenn Schlüsselinfrastruktur wie Strassen, Eisenbahnen, Häfen usw. privatisiert wird, kommt es darum fast immer zu Konflikten zwischen privaten Renditeabsichten und öffentlichen Schutzinteressen. Bei der Morandi-Brücke ist das nicht anders.
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  • Kommentar von Jürg Häusermann  (Abraham)
    Der ital. Staat verkaufte die Autobahnen damals, um Schulden und die Euro-Beitritttskriterien zu erfüllen. Warum er dass besser könne als ein Privatunternehmen ist mir schleierhaft. Gerade führungsstark war er noch nie.
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Nun ja, wie die Erfahrung zeigt, kann das ein Privatunternehmen auch nicht besonders gut ... Infrastrukturen sollen jedenfalls nicht Profit erzeugen, sondern der Allgemeinheit dienen. Da ist der Staat der richtige Akteur dafür. Und wenn er nicht so gut funktioniert, muss man ihn halt verbessern. In der Schweiz läuft das mit den staatlichen Autobahnen ja ganz OK. Es käme hoffentlich niemandem in den Sinn, diese Aufgabe einem privaten Gewinneintreiber zu übertragen.
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    2. Antwort von Martin Meier  (M.Meier)
      @Häusermann: Genau. EU Zwängereien, um damals den Euro einführen zu können. Genauso unverantwortlich wie man die Griechen mitreingeholt hat.
      Würde man die Geschichte des Euros richtig aufarbeiten, sähe man, wie viele krumme Dinge gemacht wurden um diese "fantastische Einheitswährung" zu schaffen; die im Endeffekt den Staaten (ausser Deutschland) nur Probleme bringt.
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