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Nach Nein zum Brexit-Deal Ratlosigkeit in den Strassen Birminghams

Fragt man die Leute auf der Strasse, tönt es ähnlich wie im Parlament. Ein glaubwürdiges Rezept zur Beendigung der Brexit-Krise hat niemand.

Legende: Audio Brexit: Wie ist die Stimmung im Land? abspielen. Laufzeit 04:05 Minuten.
04:05 min, aus Rendez-vous vom 16.01.2019.

Nieselregen im Zentrum von Birmingham. Das Wetter passt zur Stimmung. Viele Menschen eilen ins Konferenzzentrum oder weiter zur Arbeit. Eine riesige Baustelle prägt den Platz vor der neu eröffneten, modernen Stadtbibliothek.

Bleibt May Premierministerin?

William hebt den Regenschirm, geht ein paar Schritte weiter. Er hat die Brexit-Abstimmung im Unterhaus am Fernsehen verfolgt. Was nun kommt, weiss er nicht. «Unser Land befindet sich in einer vertrackten Situation», sagt er. Niemand könne sagen, wie es weitergehen solle.

Weiter geht es im Parlament mit einer Abstimmung heute Abend. Dann wird über einen Misstrauensantrag gegen die Regierung abgestimmt. Vom Ausgang hängt ab, ob Therese May nach der vernichtenden Niederlage vom Dienstag weiterhin Premierministerin bleiben darf.

Mann demonstriert vor den Houses of Parliament, hinter ihm Leute mit Briten-Schirmen und Flaggen.
Legende: Für einen harten Brexit, für einen weichen, für gar keinen: Niemand weiss, wie es weitergeht. Keystone

Ein neues Referendum?

Greg glaubt, May bleibe Regierungschefin. Auch wenn er selber seine Stimme der oppositionellen Labour-Partei geben würde. Es gehe ja nicht um Theresa May, sagt er. «Es geht darum, dass wir eine politische Lösung finden. Die Bevölkerung wünscht sich eine Abstimmung darüber, ob wir die EU verlassen sollen oder nicht.»

Das ist eine Antwort, die viele geben. Eine zweite Volksabstimmung mit drei Optionen sollte es geben, meint auch Jenny. Ja oder Nein zum ausgehandelten Abkommen mit der EU, einen «Hard-Brexit», also ein Austritt ohne Vertrag, oder dann Mitglied der EU bleiben. Darüber will Jenny noch einmal abstimmen.

«Wir alle hatten nun genügend Zeit, genau zu prüfen, was ein Austritt aus der EU bedeuten würde», sagt sie. Darum wäre es gut, das Volk ein zweites Mal abstimmen zu lassen.

Leute stehen bei Nacht beeinander.
Legende: Wie weiter? Brexit-Gegner stehen vor den Houses of Parliament und warten am Dienstagabend auf das Abstimmungsergebnis des Unterhauses. Reuters

Zweite Chance für die Regierung?

Tom hingegen will keine zweite Abstimmung. Er vertraut immer noch darauf, dass sich die gewählten Politiker im Parlament zusammenraufen und einen Ausweg aufzeigen. Hierfür müsse Premierministerin May allerdings einen Schritt auf die Opposition zugehen. Er hofft, dass das Parlament bis Ende März eine Lösung finden wird.

Eine zweite Chance will auch Ange der Regierung geben. Ein Rücktritt der Premierministerin bringe nichts. «Theresa May macht, was sie kann, steht aber vor einer unmöglichen Aufgabe», sagt sie. Vielleicht komme man aber nur weiter, wenn zuerst ein neues Parlament gewählt werde.

In den Strassen von Birmingham tönt es also ziemlich ähnlich wie im Parlament in Westminster in London.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Europa hat vor allem einen "besonderen, gemeinsamen Nenner", seit jeher. Alle wollen es seit jeher in einem einzigen Gebilde und politischen Macht-Struktur sog. einigen und vereinigen und zusammenfassen. Bisher ist es aber immer wieder gescheitert und mündeten in Auseinandersetzungen und Kriege. Alle, restlos alle sind damit am Ende letztlich kläglich gescheitert. NB: Die Geschichte hat nicht erst im 20. Jahrhundert mit dem sog. Urknall (1.WK) begonnen.
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  • Kommentar von Haller Hans (H.Haller)
    Herr Toni Koller, die EU mit der Schweiz vergleichen zu wollen, wie Siees tun, greift nun wirklich viel zu kurz. Genau da trennen uns Welten und Weltanschauungen.
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  • Kommentar von Enrico Dandolo (Doge)
    Die EU ist bei weitem nicht perfekt. Aber wir haben keine bessere. Und sollte es gelingen, sie zu zerstören, werden wir sie wohl bald schmerzlich vermissen. Dann werden die Grossen (USA, RU, China) uns Europäer häppchenweise verputzen. Dafür gibt es genug Beispiele. Kaputtschlagen ist immer einfach, aber was besseres aufbauen ist ein ganz anderes Kaliber.
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    1. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Enrico Dandolo: Wir haben keine Schlechtere wäre angebrachter. Im übrigen kann man ohne EU besser auskommen wie die Menschen in GB bald feststellen werden. Vermissen werden Sie da gar nichts !
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Wie viele "Viel-Völker-Staaten" gibt es heute noch ? Wie viele Imperien sind bisher gescheitert ? Welche Imperien werden noch in Zukunft scheitern ? Was waren jeweils die Folgen solcher "Zusammenschlüssen" ?
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Enrico Dandolo, Europa gibt sich auch alle Mühe "nicht perfekt" sein zu können. (smile) Genau betrachtet, schlägt sich dieses EU-Europa ja selber kaputt, was vielleicht auch gewollt sein kann. Und die EU ist bereits ein Spielball zwischen den wirklich grossen Mächten USA, Russland und China. Zwischen diesen drei findet die wirkliche Politik statt und die EU ist da nur Zaungast und wird bestenfalls lediglich instrumentalisiert in diesem Macht-Poker der grossen drei Mächte.
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