Nach dem US-Angriff und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro rückt die Erdölproduktion Venezuelas in den Fokus. Diese weist ein grosses Potenzial auf – ist in den vergangenen Jahrzehnten aber auch stark zurückgegangen. US-Präsident Donald Trump hat sofortige Lieferungen und Investitionen angekündigt – eine Strategie, die auch darauf abzielt, Chinas Einfluss als grössten Abnehmer venezolanischen Öls zurückzudrängen.
Venezuela ist ein schlafender Riese
Venezuela verfügt über die weltweit grössten Ölreserven. Mit rund 17 Prozent der globalen Vorräte liegt das Land laut dem in London ansässigen Energy Institute sogar vor dem OPEC-Spitzenreiter Saudi-Arabien.
Trotz hoher Reserven produziert Venezuela wenig Öl
Venezuela fördert heute nur noch rund ein Drittel der Menge von vor 20 Jahren. Verantwortlich für den Rückgang der Produktion sind Sanktionen, Missmanagement bei der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA und Korruption. 1999 schrieb Präsident Hugo Chávez vor, dass PDVSA in allen Projekten die Mehrheit halten muss. In der Folge zogen sich US-Konzerne wie ExxonMobil und ConocoPhillips zurück, ihre Vermögenswerte wurden enteignet. Einige internationale Unternehmen – darunter der US-Konzern Chevron – blieben zwar in Form von Joint Ventures mit dem Staat präsent. Dennoch wurde der Ölsektor aus Sicht vieler Experten stark reguliert, wodurch private Investitionen weitgehend verdrängt wurden.
Venezuelas Anteil am weltweiten Öl-Handel ist klein
In den 1970er-Jahren produzierte Venezuela bis zu 3.5 Millionen Barrel Öl pro Tag – das entsprach damals mehr als sieben Prozent der weltweiten Förderung. Heute liegt der Anteil bei nur noch rund einem Prozent, andere Länder haben Venezuela längst überholt. Nach aktuellen Angaben der Internationalen Energieagentur betrug die Fördermenge im November durchschnittlich 0.86 Millionen Barrel pro Tag. Zum Vergleich: Saudi-Arabien förderte im selben Monat 9.93 Millionen Barrel täglich.
China ist zum wichtigsten Abnehmerstaat geworden
Die USA waren früher der Hauptabnehmer für venezolanisches Öl. Seit der Einführung von Sanktionen ist im letzten Jahrzehnt jedoch China zum Hauptziel geworden. Allerdings halten sich die Liefermengen in Grenzen: Rohöl aus Venezuela machte im vergangenen Jahr nur etwa vier Prozent der chinesischen Ölimporte aus.
USA sichern sich Öl im Wert von zwei Monatsproduktionen
Am Mittwoch kündigte US-Präsident Donald Trump Öl-Lieferungen aus Venezuela in die USA an: Auf der Plattform Truth Social kündigte der Republikaner an, dass das südamerikanische Land zwischen 30 und 50 Millionen Barrel sanktioniertes Öl (je 159 Liter) an die USA liefern werde. Die Erlöse aus dem Verkauf wolle er persönlich kontrollieren, schrieb Trump weiter. Das angekündigte Volumen entspricht in etwa der gesamten venezolanischen Ölproduktion von ein bis zwei Monaten.