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Öl aus Venezuela Wieso Trump das teure venezolanische Schweröl verschiffen lässt

Die USA haben Präsident Donald Trump zufolge ein Abkommen mit Venezuela über Öllieferungen in die Vereinigten Staaten geschlossen. Demnach soll Schweröl im Wert von bis zu zwei Milliarden Dollar in US-Häfen verschifft werden, wie Trump mitteilte. Dabei handle es sich um 30 bis 50 Millionen Barrel Öl, die Venezuela bislang wegen US-Sanktionen nicht exportieren konnte. Dieses Öl werde zum Marktpreis verkauft, sagte Trump.

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin

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Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

Wieso macht Trump so rasch vorwärts mit dem venezolanischen Öl?

Diesbezüglich haben die USA keine andere Wahl, denn aufgrund der Blockade, die sie selbst eingerichtet haben, konnte Venezuela kein Öl mehr exportieren, und deshalb sind die Lager in Venezuela voll. Wenn nicht schnell Öl verschifft wird, muss das Land die Ölproduktion herunterfahren, und das will Trump verhindern. Allerdings muss man sagen, dass Venezuela vor allem Schweröl hat, das teuer zu verarbeiten ist.

Wieso heben die USA nicht einfach die Blockade auf?

Das könnten sie. Aber Donald Trump will nicht, dass zum Beispiel die Chinesen dieses Öl kaufen. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er es für die USA will. Sein Vorgehen wird auch kritisiert. So sagte Harvard-Professor Jeffrey Sonnenfeld gegenüber der «Financial Times», es handle sich bei dieser Aktion um eine imperialistische Beschlagnahmung, für die es keine Rechtfertigung gebe. Zudem bräuchten die USA dieses Öl gar nicht, die USA hätten genug Öl.

Ist das venezolanische Öl günstig oder teuer?

Wie erwähnt ist das Schweröl aus Venezuela enorm aufwendig zum Aufbereiten, sprich: teuer. Laut Berechnungen der Agentur Reuters braucht es einen Ölpreis von mindestens 80 Dollar pro Barrel, um dieses Schweröl überhaupt rentabel zu machen. Der Ölpreis ist zurzeit am Sinken, weil genug Öl vorhanden ist und weil die Welt immer unabhängiger vom Erdöl wird. Zum Vergleich: Schweröl aus Kanada ist schon ungefähr ab 55 Dollar rentabel. Wenn Ölkonzerne leichteres und einfacheres Öl fördern können, dann kostet das nur 30 oder 35  Dollar pro Barrel. So wahnsinnig attraktiv ist das Öl aus Venezuela deshalb nicht, und dazu kommt, dass die Infrastruktur in Venezuela völlig marode ist. Experten schätzen, dass man bis zu 200 Milliarden Dollar investieren muss, um die Förderanlagen überhaupt auf den neuesten Stand zu bringen.

Wer will denn dieses Schweröl?

Die meisten US-Ölkonzerne werden sich hüten, in die venezolanische Ölindustrie zu investieren, jedenfalls kurz- und mittelfristig. Sie geben aus den erwähnten Gründen Absichtserklärungen ab. Aber an der US-Golfküste gibt es ein paar Raffinerien, die auf Schweröl spezialisiert sind, und die sind schon an dem venezolanischen Öl interessiert. Raffinerie ist nicht gleich Raffinerie, so wie Öl nicht gleich Öl ist. Auf Schweröl spezialisierte Raffinerien brauchen Schweröl, und wenn Trump ihnen das Öl aus Venezuela zu Dumpingpreisen verkauft, könnten die Raffinerien schon noch ein gutes Geschäft machen.

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SRF 3, 7.1.2026, 7:40 Uhr ; 

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