Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

US-Intervention in Venezuela Es geht Trump nicht nur um Venezuelas Öl

Die US-Regierung will Venezuelas marode Ölindustrie wieder gross machen. Doch das ist nur ein Ziel von Präsident Trump.

Ein wichtiger Grund für die US-Militärintervention in Venezuela sind die immensen Ölvorkommen. So werden 17 Prozent und damit die grössten bekannten Ölvorkommen weltweit im Bereich des Flusses Orinoco, im sogenannten Orinoco-Gürtel, liegen. Gefördert wird davon kaum mehr etwas. Doch dies soll sich nun ändern.

US-Präsident Donald Trump möchte Venezuelas Ölindustrie wieder gross machen, wie er am Wochenende sagte. US‑amerikanische Unternehmen würden dabei helfen, zum Wohle Venezuelas. Nur eben – die Infrastruktur für die Förderung, die ist wirtschaftlich zusammengebrochen. All das wieder aufzubauen, sei leichter gesagt als getan, sagt die Ökonomin und Energieexpertin Cornelia Meyer.

Um die venezolanische Ölproduktion wieder auf den früheren Stand zu bringen, braucht es mehrere Jahre.
Autor: Cornelia Meyer Ökonomin, Energieexpertin

«Das ist nicht wie ein Lichtschalter, den Sie einfach betätigen können», betont die Ökonomin. Um die venezolanische Ölproduktion wieder auf den früheren Stand zu bringen, brauche es mehrere Jahre. ​Heute fördert Venezuela rund 70 Prozent weniger Öl als noch vor einigen Jahrzehnten. Und was an Öl aus Venezuela kommt, macht weniger als ein Prozent der weltweit geförderten Menge aus.​

Praktisch alles Öl aus Venezuela gehe nach China, aber für die Versorgung des riesigen Landes sei es nicht wirklich wichtig, erläutert Meyer: «Für China ist es vielleicht strategisch wichtig, aber nur etwa sechs Prozent des chinesischen Erdölimports kommt aus Venezuela.»​

Ölpumpen im Sonnenuntergang.
Legende: Eine Ölförderanlage in Maracaibo in Venezuela. Bis das Öl wieder wie in alten Zeiten fliesst, wird es Jahre dauern. KEYSTONE/EPA/CHICO SANCHEZ

Dabei waren einst die USA der wichtigste Abnehmer für venezolanisches Öl.​ Spätestens die Sanktionen gegen Präsident Maduro setzten dem ein Ende.​

Der Niedergang der Ölindustrie

Das Hauptproblem der venezolanischen Ölindustrie sehen Fachleute wie Cornelia Meyer im Missmanagement, vor allem durch die zunehmende Verstaatlichung der Ölindustrie seitens der Regierung.​ In einer ersten Welle in den 70er‑Jahren und dann von Hugo Chavez um die Jahrtausendwende.​ Eine Politik, die Nicolás Maduro fortsetzte und statt Fachleuten Gefolgsleute in der Ölindustrie einsetzte. Auf die Verstaatlichung der Erdölfelder unter Hugo Chavez bezieht sich auch Donald Trump, wenn er sagt, Venezuela habe den USA Eigentum gestohlen, das zurückzugeben sei.​

China ist in Venezuela vor allem auch im Minensektor sehr verwurzelt, betreibt Minen und verschifft teilweise auch Seltene Erden nach China.
Autor: Cornelia Meyer Ökonomin, Energieexpertin

Und doch: Die immensen Ölvorkommen Venezuelas sind gemäss der Energieexpertin nicht der einzige wirtschaftliche Grund für die Militärintervention.​ Vielmehr gehe es auch um geostrategische Fragen, konkret um Russland, Iran und vor allem Chinas Rolle in der Region.​ Meyer weist auf die starke Verwurzelung Chinas in Venezuela hin. «Das Land betreibt dort Minen und verschifft unter anderem auch Seltene Erden nach China.»

Der Iran wiederum betreibe in Venezuela noch Produktionsstätten für Drohnen mit recht grossen Reichweiten, was den Amerikanern ebenfalls missfalle, so Meyer. Die Russen schliesslich hätten noch mehr als 120 militärische Sicherheitsberater in Venezuela. Weltpolitische Gegner oder Rivalen der USA sind also präsent in Venezuela, in einer Region, die die US‑Regierung wieder zunehmend als ihr Einflussgebiet betrachtet.

Diskutieren Sie mit:

Echo der Zeit, 04.01.2026, 18 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel