In gut fünf Monaten endet die Amtszeit von UNO-Generalsekretär António Guterres. Inzwischen haben sich vier Kandidatinnen und zwei Kandidaten in Stellung gebracht für die Nachfolge auf dem bedeutendsten und prominentesten internationalen Spitzenposten.
Das Amt des UNO-Generalsekretärs sei eines der schwierigsten, aber auch ehrenvollsten der Welt, sagte Annalena Baerbock, Präsidentin der Generalversammlung und damit Gastgeberin der Debatte.
Viele Allgemeinplätze der Kandidierenden
Gemessen an der Bedeutung der Funktion, verlief der Wahlkampf bisher lau. Das ändert auch die Debatte mit allen Kandidatinnen und Kandidaten kaum. Sie liefen zwar auf der Bühne ein wie Gladiatorinnen und Gladiatoren, gaben sich dann aber eher als zahnlose Tiger. So mancher Allgemeinplatz wurde ausgebreitet.
So will etwa Rebeca Grynspan aus Costa Rica, bis vor kurzem UNO-Spitzenbeamtin, «echte Lösungen und ehrliche Antworten» bieten. Macky Sall, Ex-Präsident von Senegal, bietet sich als «erfahrener Krisenmanager» an.
Chiles frühere Präsidentin und ehemalige UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, findet, «die Zeit ist reif für eine erste Frau an der UNO-Spitze». Maria Fernanda Espinosa aus Ecuador wiederum unterstreicht, sie habe als Präsidentin der UNO-Generalversammlung gelernt, mit allen zu reden und Kompromisse zu schmieden.
Die sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Debatte
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Bild 1 von 6. Rebeca Grynspan aus Costa Rica. Bildquelle: Keystone/EPA/Olga Fedorova.
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Bild 2 von 6. Macky Sall aus Senegal. Bildquelle: Keystone/Cyril Zingaro.
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Bild 3 von 6. Michelle Bachelet aus Chile. Bildquelle: Keystone/Cyril Zingaro.
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Bild 4 von 6. Maria Fernanda Espinosa aus Ecuador. Bildquelle: Keystone/Cyril Zingaro.
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Bild 5 von 6. Rafael Grossi aus Argentinien. Bildquelle: Keystone/EPA/Olga Fedorova.
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Bild 6 von 6. Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana. Bildquelle: Keystone/Xinhua/Mark Garten/UN Photo.
Die Zurückhaltung der Kandidierenden erklärt sich auch damit, dass es keine klare Favoritin, keinen Favoriten gibt, die oder der sich erlauben könnte, sich stärker aus dem Fenster zu lehnen. Etwas grössere Chancen als den anderen werden allenfalls dem Argentinier Rafael Grossi zugetraut, dem Chef der UNO-Atombehörde IAEA.
Grossi beklagt, die UNO sei bei den aktuellen Grosskonflikten als Vermittlerin aussen vor. Er würde das ändern. Seine Organisation, die IAEA, beweise das: Sie sei höchst aktiv, wenn immer es um nukleare Bedrohungen geht. Auch Macky Sall will die UNO bei der Friedensvermittlung wieder von der Peripherie ins Zentrum des Geschehens holen.
Bloss keine Vetomacht verärgern
Alle, die antreten, wissen: Entscheidend ist, keine der fünf UNO-Vetomächte gegen sich zu haben. Denn jede kann die Wahl einer Person verhindern. Also darf man gerade bei diesen nicht anecken. Wenn sich daher Michelle Bachelet, wenngleich höchst vage, für die Menschenrechte ausspricht, könnte bereits das Punkte in Peking, Washington oder Moskau kosten.
Gerade zu konkreten Fragen positionieren sich die Anwärter sehr unkonkret. Dafür geben sich alle als Reformer, wie Carolyn Rodrigues-Birkett, Ex-Aussenministerin von Guyana. Oder alle verweisen, wie die chilenische Ex-Staatschefin Bachelet, auf reiche Führungserfahrung.
Trump-Vertrauter schlägt Infantino vor
Das Ziel solcher Auftritte ist für alle sechs, möglichst viele der 193 UNO‑Mitgliedsländer hinter sich zu scharen. Denn wenn jemand breite Unterstützung geniesst, wird es für die Vetomächte schwierig, sie oder ihn einfach abzuschiessen. Doch wirklich breit getragen ist noch niemand.
Weshalb denkbar ist, dass keine und keiner der offiziellen Bewerber das Rennen macht, und am Ende jemand anderes aus dem Hut gezaubert und gewählt wird. Das dürfte indes kaum Fifa-Präsident Gianni Infantino sein. Dieser wurde soeben von einem Vertrauten von US-Präsident Donald Trump ins Spiel gebracht. Am UNO-Sitz gilt das allerdings als absonderlicher Vorschlag.