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Nachwahlen in Alabama Senatssitz der Republikaner wackelt

Bei der Nachwahl im US-Bundesstaat Alabama steht viel auf dem Spiel – inhaltlich, politisch und moralisch.

Legende: Video Nachwahlen in Alabama abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.12.2017.

Im US-Bundesstaat Alabama findet eine Nachwahl statt, die die Republikaner im Kongress schwächen könnte. Sollte der demokratische Kandidat Doug Jones sich durchsetzen, würde die Mehrheit der Republikaner im Senat auf einen Sitz schmelzen.

Bestimmt wird die Nachfolge des republikanischen Senators Jeff Sessions, der als Justizminister ins Weisse Haus gewechselt ist. In Alabama hatten in den letzten 20 Jahren immer die Republikaner bei dieser Wahl das Rennen gemacht. Doch jetzt präsentiert sich die Ausgangslage offen.

Mehrere Frauen nämlich beschuldigen den Kandidaten der Republikaner, den erzkonservativen Ex-Richter Roy Moore, sie in den 1970er und 1980er Jahren sexuell belästigt zu haben. Eine von ihnen war damals erst 14 Jahre alt.

Roy Moore bestreitet die Vorwürfe. Er wird unterstützt vom rechten Strategen Steve Bannon, der schon Donald Trump aus einer ähnlichen Situation zum Sieg führte. Zusammen werben sie an der Wahlveranstaltung für die Trump-Agenda und verteufeln das Establishment in Washington.

Präsident Donald Trump war zuerst zurückhaltend. Doch mittlerweile erkannte Trump auch, dass der Ausgang der Wahl auf der Kippe steht. Wählt Roy Moore twitterte er und sagte:

Wir brauchen doch keinen Demokraten in Alabama.
Autor: Donald TrumpUS-Präsident

Auch viele Wähler stehen noch voll hinter Roy Moore, lassen sich von den Vorwürfen gegen ihn nicht beirren. «Die meisten Wähler möchten lieber einen Kandidaten, der moralisch nicht perfekt ist, dafür aber ihre Haltung teilt, anstatt jemanden der charakterlich überzeugt, aber ganz und gar nicht ihre Meinung vertritt», erklärt die Politologin Lara Brown von der George Washington Universität.

Wenn Moore gewählt würde, wären ihm Probleme mit dem Ethik-Ausschuss gewiss.
Autor: Mitch McConnellMehrheitsführer der Republikaner im Senat

Kritiker werfen den Republikanern vor, für den Machterhalt alle Moral fahren zu lassen. Das Weisse Haus und die Partei hatten zuletzt die Linie verfolgt, die Wähler selbst sollten in Alabama entscheiden, wie gewichtig die Anschuldigungen gegen Moore seien.

Sollte Moore gewinnen, stehen rechtliche Folgen im US-Senat im Raum. «Ich habe gehofft, dass Roy Moore sich zurückzieht, aber das wird nicht passieren. Wenn er gewählt würde, wären ihm Probleme mit dem Ethik-Ausschuss gewiss», sagte bereits der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell.

Ein Sieg von Jones wäre eine Sensation

Einige Republikaner fürchten ausserdem, dass der belastete Moore im Jahr der Halbzeitwahl 2018 eine schwere Bürde für die Partei sein könnte, wenn es darum geht, die Mehrheiten in Senat und Abgeordnetenhaus zu halten.

Umfragen zeichnen kein klares Bild. In manchen Erhebungen liegt Moore vorne, in anderen Jones. Trump malte als Konsequenz einer Niederlage Moores negative Auswirkungen für seine politische Agenda an die Wand. Eigentlich ist der Staat mit seinen rund 4,8 Millionen Einwohnern ein traditionell sicheres Rennen für die Republikaner. Durch den Streit um Moore ist die Wahl aber viel offener als sonst. Ein Sieg des Demokraten Doug Jones im konservativen Alabama wäre eine Sensation, meint SRF-Korrespondent Peter Düggeli.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Häberli (Arthur Häberli)
    Hr. Jaeger. Wissen sie was es für eine Frau bedeutet an die Öffentlichkeit zu treten mit solchen Beschuldigungen? Die Frau ist erledigt. Gesellschaftlich bedrängt und stigmatisiert. Sehr schlimm daran: Dies auch wenn die Beschuldigungen rechtens sind. Um Ihre Logik der Strafstrenge zu kehren, Herr Jaeger: Dieser Mann und viele vor ihm haben zuerst gesagt: "stimmt nicht" und dafür wird auch nicht so streng bestraft, gehört ja zur Verteidigungsstrategie, wenns dann doch auskommt.
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  • Kommentar von alfred maurer (zeitgeist)
    der dürfte wohl trotz allem gewählt werden, gilt doch wie brecht so schön sagte:"Erst kommt das fressen, erst dann kommt die Moral!" Oder adaptiert:" Erst kommt die Macht, die kennt keine Moral!"
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  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    Eine Beschuldigung ist schnell formuliert. dass es den Damen ausgerechnet vor den Wahlen in den Sinn kommt ist eigenartig. Aber dass falsche Beschuldigung zu wenig streng bestraft wird ist eine Tatsache.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Ich würde mich nicht wunder wenn sie ein Mann sind? Solches kommt in erster Linie nur einem Mann in den Sinn! Kann mir schwer Vorstellen das in Alabama ein Demokrat gewinnt. Das wäre wenn man sagen würde die Schwarzen sei da gleichviel Wert!
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    2. Antwort von Benjamin Roth (benjamin)
      Oftmals wird ignoriert, wie eindeutig die Anschuldigungen sind. Wenn ein "fremder" meiner 14 Jährigen Tochter ins Jahrbuch schreiben würde, dann wäre ich also sehr alarmiert. Und jemand der offiziell ein verbot für ein Kaufhaus bekommt ist mehr als suspekt. Und glauben Sie wirklich, dass sich Frauen so exponieren würden, nur um jemandem zu Schaden, der ihnen nichts angetan hat? Stellen sie sich mal vor, was diese Frauen nun durchmachen müssen, wegen solchen Anschuldigungen.
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    3. Antwort von M. Jaeger (jegerlein)
      Die meisten Anschuldigungen (ca 80 Prozent) stellen sich als falsch heraus. Die Beschuldigten sind trotzdem ruiniert. Und den Beschuldigern passiert nicht viel. Den Fall in Alabama kenne ich nicht. Aber ein 40 Jahre altes "Verbrechen" zu verfolgen zu wollen scheint mir ein bisschen spät..., aber rechtzeitig zu den Wahlen. Das wollt ich nur sagen.
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