Die USA und der Iran haben sich auf ein Abkommen geeinigt. Damit würden nach iranischen Angaben der Krieg und die militärischen Operationen an allen Fronten, einschliesslich des Libanon, dauerhaft enden. Zudem soll die Seeblockade gegen den Iran aufgehoben werden. Das Abkommen soll am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden. Nahost-Korrespondent Thomas Gutersohn schätzt ein.
Warum ist der Iran jetzt bereit, einem Abkommen mit den USA zuzustimmen?
Im Grunde ist der Iran schon länger zu einem solchen Schritt bereit. Die iranische Wirtschaft leidet stark unter dem amerikanischen Boykott. Der Führung ist bewusst, dass diese Situation nicht ewig weitergehen kann und eine Lösung notwendig ist. Ein entscheidender Punkt für den Iran war aber immer, den Krieg an allen Fronten zu beenden, also auch im Libanon. Das ist bisher aber nicht geschehen. Erst gestern gab es wieder Angriffe Israels auf den Libanon, sogar auf die Hauptstadt Beirut. Der ausschlaggebende Punkt war, dass nun auch US-Präsident Trump forderte, diese Kriegshandlungen Israels im Libanon einzustellen. Das hat den Iran wahrscheinlich zum Einlenken gebracht.
Welche Hürden muss das Abkommen noch nehmen?
Bis Freitag kann noch viel passieren. Der Iran hat klargestellt, dass seine Verpflichtungen erst nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens in Kraft treten. Die iranische Führung wird also genau beobachten, was in dieser Woche geschieht. Es gibt nach wie vor viele potenzielle Störfaktoren, vor allem was den Libanon angeht. Sowohl Israel als auch die Hisbollah könnten durch Angriffe die ganze Sache wieder zum Scheitern bringen. Man darf nicht vergessen, dass die israelische Regierung im Grunde kein Abkommen zwischen den USA und dem Iran wünscht und jetzt Spielraum hat, dieses zu verhindern.
Doch auch wenn es am Freitag zur Unterschrift kommt, wäre das erst der Anfang eines langen Prozesses. Zunächst ginge es darum, die Strasse von Hormus zu öffnen und die Kampfhandlungen einzustellen – also eine Situation wiederherzustellen, wie sie vor dem Krieg herrschte. Die wirklich heiklen Themen würden erst danach angepackt werden. Dazu gehören das iranische Atom- und Raketenprogramm, die Erleichterung von Sanktionen, allfällige Reparationszahlungen oder die Auszahlung iranischen Vermögens im Ausland. Das sind die echten Knacknüsse in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.