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Angriffe auf Golfstaaten Darum greift der Iran Golfstaaten an

Schon seit einigen Tagen bombardieren die US-Streitkräfte wieder Ziele im Iran. Gleichzeitig feuert das iranische Regime Raketen auf mit den USA verbündete Staaten. Betroffen sind derzeit vor allem Kuwait, Katar, Jordanien und Bahrain. Nahostexperte Philipp Dienstbier erklärt, weshalb der Iran gerade diese Länder ins Visier nimmt.

Philipp Dienstbier

Nahost-Experte

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Dienstbier ist seit 2023 der Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Sitz in Amman, Jordanien. Die Stiftung steht der deutschen CDU nahe.

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SRF News: Warum greift der Iran derzeit vor allem Kuwait, Katar, Jordanien und Bahrain an?

Philipp Dienstbier: Diese Staaten sind für die US-amerikanischen Militäroperationen gegen den Iran sehr wichtig. In Katar befindet sich das regionale Hauptquartier des US-Zentralkommandos Centcom. In Bahrain ist die fünfte Flotte der US-Marine stationiert. Und Kuwait beherbergt gemessen an der Zahl der Soldaten die grössten amerikanischen Stützpunkte in der Region. Für den Iran sind diese Länder deshalb wichtige militärische Drehkreuze der USA.

Riesige Rauchwolken steigen aus einer Industrieanlage auf.
Legende: Der Iran greift derzeit vor allem Kuwait, Katar, Jordanien und Bahrain (im Bild) an. Zu Beginn des Krieges standen noch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien im Fokus. (09.03.2026) REUTERS/Stringer

Was lösen die erneuten iranischen Angriffe in den betroffenen Ländern aus?

Der Krieg ist für die Golfstaaten ein permanentes Damoklesschwert. Selbst nach der Vereinbarung einer vorläufigen Waffenruhe nahmen die gegenseitigen Angriffe nur begrenzt ab. Es ist konstant dieses latente Risiko da, dass Angriffe auf das eigene Staatsgebiet ausgeführt werden könnten. Dadurch kommt die Region wirtschaftlich und politisch kaum zur Ruhe.

Die Golfstaaten haben eine inzwischen sehr zurückhaltende, skeptische Betrachtungsweise Richtung Iran.

Wie hat sich das Verhältnis zum Iran verändert?

Die Golfstaaten haben eine inzwischen sehr zurückhaltende, skeptische Betrachtungsweise Richtung Iran. Selbst Länder, die vor dem Krieg gute Beziehungen zum Iran gepflegt hatten, wurden zum Ziel. Gleichzeitig wissen die Golfstaaten, dass sie auch künftig Nachbarn eines unberechenbaren Akteurs bleiben werden.

Die Golfstaaten müssen eine schmale Gratwanderung beschreiten, bei der man den Iran nicht zu stark vor den Kopf stossen darf.

Weshalb treten sie dem Iran dennoch nicht konfrontativer entgegen?

Die Golfstaaten wissen, dass die Gefahr besteht, dass sich die USA aus dem Konflikt zurückziehen, selbst ohne nachhaltige Lösungen – etwa für die Strasse von Hormus, das iranische Atomprogramm oder das Raketenprogramm. Die Golfstaaten müssen deshalb eine schmale Gratwanderung beschreiten, bei der man den Iran nicht zu stark vor den Kopf stossen darf.

Sind sie den Entscheidungen Washingtons und Teherans ausgeliefert?

Sie haben durchaus Einflussmöglichkeiten. Saudi-Arabien, Katar und die Emirate verfügen über sehr gute Beziehungen zur Trump-Regierung. Sie haben grosse Wirtschaftsabkommen vereinbart und Investitionen in den USA angekündigt. Dadurch haben sie einen kurzen Draht nach Washington.

Wie weit reicht dieser Einfluss?

Für die Golfstaaten gilt wie für viele andere Akteure: So gut das Verhältnis auch ist, ihr Einfluss auf das Weisse Haus bleibt begrenzt. Katar vermittelt zwischen dem Iran und den USA, Saudi-Arabien hat Washington bei drohenden Eskalationen wiederholt dazu bewegen können, einen Gang zurückzuschalten. Am Ende entscheidet der US-Präsident jedoch selbst.

Zwei Personen sitzen in einem luxuriösen Raum mit Flaggen und einem grossen Porträt an der Wand.
Legende: Saudi-Arabien (im Bild), Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate pflegen enge Beziehungen zur Trump-Regierung. Sie empfingen den US-Präsidenten im vergangenen Frühjahr und reisten später zu Gegenbesuchen nach Washington. (13.05.2026) REUTERS/Brian Snyder

Wie gross sind die wirtschaftlichen Schäden?

Sie sind enorm. In Saudi-Arabien ist die Industrieproduktion um rund 20 Prozent zurückgegangen. Das Haushaltsdefizit ist das schlimmste seit 2018, weil die staatlichen Einnahmen stark vom Öl- und Gasgeschäft abhängen. Gleichzeitig sind die Wirtschaftsbereiche ausserhalb des Ölsektors im Jahresvergleich um rund zwei Prozent gewachsen. Das zeigt eine gewisse Resilienz. Doch die Einnahmen aus Öl und Gas finanzieren weiterhin die Staatshaushalte und den wirtschaftlichen Umbau. Wenn sie ausbleiben, funktioniert auch die geplante Abkehr von der Abhängigkeit von Öl und Gas nicht.

Das Gespräch führte Matthias Kündig.

Echo der Zeit, 17.07.2026, 18:00 Uhr ; 

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