Wird «die Hölle niederregnen» oder kommt es doch zu Verhandlungen? Auch in der sechsten Kriegswoche bleibt offen, wie weit US-Präsident Donald Trump gehen will – und zu welchem Preis. Klar ist nur: Mitten im Konflikt stehen die Golfstaaten. Sie wurden zum Ziel der iranischen Reaktion.
«Wir werden uns aufrappeln», sagt Anwar Gargash, Chefberater am Hof von Abu Dhabi. Gleichzeitig spricht er vom Worstcase-Szenario, das mit diesem Krieg eingetreten sei.
Der Krieg trifft die Golfregion ins Mark. Hinter dem wirtschaftlichen Erfolg steht plötzlich eine neue Frage: War der Wohlstand nur auf Sand gebaut?
Angriffe auf Infrastruktur und Städte
Vor der UNO zählt der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrats, Jasim al Budaiwi, die Schäden auf: beschossene Öl- und Gasinfrastruktur, Geschäftsgebäude, diplomatische Vertretungen und Wohnviertel. Allein gegen die Emirate hat Iran schon mehr als zweitausend Drohnen und über fünfhundert Raketen abgefeuert.
Die Strategie dahinter: eine «horizontale Eskalation». Teheran zieht den Krieg in die Breite, um die Kosten für die Gegner zu erhöhen. Al Budaiwi nennt die Angriffe «sündhaft».
Oman: Gegenschläge «inakzeptabel, aber unvermeidbar»
Anders der Ton aus Oman. Aussenminister Badr Al Busaidi nennt die Gegenschläge «inakzeptabel, aber unvermeidbar». In einem existenzbedrohenden Krieg handle Teheran rational.
Der stärkste Hebel, den Trump und Netanjahu dem iranischen Regime in die Hand gaben, ist die Strasse von Hormus. Ihre Schliessung führt zu globalen Engpässen und steigenden Preisen. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.
Bahrain setzt auf Diplomatie. Im UNO-Sicherheitsrat fordert es «alle notwendigen defensiven Mittel», um die Schifffahrt durch das Nadelöhr zu sichern. Doch der Vorstoss wirkt hilflos – parallel droht Trump mit massiver militärischer Eskalation.
Zerbrochene Illusionen
In der Region wächst das Gefühl, zwischen den Fronten zu stehen. Der Politexperte Mohammed Baharoon spricht von zwei Illusionen:
Erstens: die enge Kooperation mit Israel. Die Emirate waren in den letzten Jahren besonders weit auf Israel zugegangen. Es ging um wirtschaftlichen Vorteil, aber auch um die Vorstellung einer Sicherheitspartnerschaft. Jetzt sei offenkundig, Israel agiere einzig auf der Basis seiner eigenen Sicherheitserwägungen, sagt Baharoon.
Zweitens: der amerikanische Schutzschirm. Statt Sicherheit liefert die US-Präsenz am Golf dem Iran ein Argument für Angriffe.
Zwischen Verhandlung und Eskalation
Die Reaktionen am Golf gehen auseinander. Oman kritisiert Washington scharf: «Die USA haben die Kontrolle über ihre Aussenpolitik verloren», sagte Aussenminister Al Busaidi schon vor zwei Wochen. Gleichzeitig diskutiert das Land mit Teheran über ein neues Regime für die Strasse von Hormus.
Die Emirate setzen auf Druck. Verhandlungen ja – aber nicht um jeden Preis, sagt Gargash. Im Hintergrund steht die Hoffnung, das iranische Regime militärisch zum Nachgeben zu zwingen.
Doch die Lage verschärft sich weiter. Teheran droht, auch Bab al-Mandab zu schliessen – ein zweites Nadelöhr des Welthandels zwischen Dschibuti und dem Jemen.
Aufrüstung als Konsequenz
Die Debatten kaschieren die Unsicherheit nur schlecht. Am Golf dominiert Ratlosigkeit über einen Krieg, der mit dem Argument grösserer Stabilität verkauft wurde.
Eine Entwicklung zeichnet sich ab: Die Golfstaaten werden massiv aufrüsten.