Die USA und Saudi-Arabien haben sich auf ein Atomabkommen geeinigt. Die Energieminister beider Länder haben eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach die USA dem saudischen Königreich beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms helfen sollen. Genaue Details sind nicht bekannt. Und: Plötzlich stellt Präsident Trump die Anerkennung Israels als Bedingung für den Deal.
Energiepolitisch im Zugzwang
Doch das Abkommen ergibt gleich in mehrfacher Hinsicht Sinn für Saudi-Arabien: Das Land mit über 35 Millionen Einwohnern muss sich um neue Energiequellen bemühen. Denn bei gleichbleibender Fördermenge reichen die bisher bekannten Ölreserven des Königreichs voraussichtlich nur noch für die nächsten 60 bis 70 Jahre.
Das bedeutet: Die jüngste Generation der Saudis dürfte bereits ein Land ohne eigene Ölvorkommen erleben. Der saudische Staatshaushalt ist – wie bei allen anderen Golfmonarchien auch – grösstenteils vom Öl abhängig. Doch aufgrund seiner relativ grossen Bevölkerung steht Saudi-Arabien unter weit grösserem Zugzwang, nach neuen Energieträgern zu suchen.
Erfolgsmeldung für den Kronprinzen
In den bevölkerungsärmeren Nachbarstaaten ist der Energiehunger geringer, und die kleineren Golfemirate können ihre Bevölkerung notfalls länger mit den Ölmilliarden durchfüttern. Die Uhr tickt für Saudi-Arabien also schneller als für die anderen – das ist ein Grund, warum das Abkommen für Riad wichtig ist.
Ein anderer ist, dass die gross angekündigten Traumprojekte mit solarbetriebenen Megastädten und Skigebieten ins Stocken geraten sind. Seine «Vision 2030» musste Kronprinz Mohammed bin Salman gehörig stutzen – dieses Abkommen mit den USA kann er in Saudi-Arabien als Erfolg verkaufen. Zumal die saudische Gesellschaft der Atomenergie durchaus positiv gegenübersteht.
Aufholen gegenüber Iran und Israel
Mit eigenen Atomanlagen würde Saudi-Arabien aufholen im regionalen Wettstreit mit Israel, den Emiraten und dem Iran aufholen, welche alle bereits Atomkraftwerke besitzen. Zudem können Saudi-Arabien und die USA ihr durch den Irankrieg ramponiertes Verhältnis zumindest vordergründig wieder etwas aufpolieren. Saudi-Arabien wirbt schon seit Jahren in den USA um Unterstützung in der Atomenergie – es scheint, als habe Trump bin Salman da einen Gefallen geschuldet.
Über die angeblich rein zivilen Absichten der künftigen Atomkooperation bleiben die USA und Saudi-Arabien womöglich ganz bewusst vage. Dies ist als ein Signal an den Iran zu verstehen, der seinerseits viel Interpretationsraum offenlässt über die eigentlichen Absichten seines Atomprogramms. Die Stossrichtung Riads ist jedoch klar: Sollte Teheran nach der Atombombe streben, wird Saudi-Arabien nachziehen. Das betont Kronprinz Mohammed bin Salman bereits seit Jahren unmissverständlich.
Annäherung an Israel kaum annehmbar
Trotz der unbestreitbaren Vorteile für Saudi-Arabien: Eine Annäherung an Israel und damit ein Beitritt Riads zum Abraham-Abkommen sind im aktuellen Kontext des Gaza-Krieges äusserst unwahrscheinlich. Saudi-Arabien müsste für einen solchen Deal eine politische Spitzkehre vollziehen, die weder den regionalen Partnern noch der eigenen Bevölkerung vermittelbar wäre.
Trump stellt bin Salman vor die Zerreissprobe: Entweder verliert das Königreich seine Glaubwürdigkeit oder ein für sicher geglaubtes Atomprogramm.