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Vorwürfe gegen Israel UNO-Bericht: «Kinder werden gezielt von Israel beschossen»

Die UNO hat einen Bericht veröffentlicht, der Dramatisches beinhaltet: Israelische Sicherheitskräfte hätten gezielt palästinensische Kinder ins Visier genommen und getötet. Israel weist die Anschuldigungen zurück. Für die UNO-Kommission, die den Bericht verfasst hat, ist klar: Es sind Belege dafür, dass Israel einen Genozid an der palästinensischen Bevölkerung begeht. ARD-Korrespondent Julio Segador ordnet diesen Bericht ein.

Julio Segador

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Julio Segador ist seit über 30 Jahren Radioreporter und Korrespondent des Bayrischen Rundfunks, der zur ARD gehört. Derzeit berichtet Segador für die ARD aus Tel Aviv.

SRF News: Was sagt dieser neue Bericht der UNO?

Julio Segador: Dieser Bericht der UNO-Untersuchungskommission zeichnet ein verheerendes Bild der Lebensrealität palästinensischer Kinder im Gazastreifen und im Westjordanland. Er wirft den israelischen Sicherheitskräften, aber auch Siedlern, vor, Kinder systematisch zu misshandeln und zu töten. Es sind spezifische Vorwürfe, zwei davon sind gravierend. Einer ist der Vorwurf, Kinder direkt mit Präzisionswaffen zu beschiessen. Es werden Zeugenaussagen dokumentiert, wonach die Kinder gezielt durch Scharfschützen und auch durch Drohnen in lebenswichtige Organe, in den Kopf und auch in den Oberkörper beschossen und getötet werden. Der zweite: Die Kommission geht davon aus, dass Kinder kollektiv ins Visier genommen werden, weil die israelischen Sicherheitskräfte und die Soldaten die Zivilbevölkerung im Gazastreifen gleichsetzen mit der Terrororganisation Hamas.

Der rücksichtslose Einsatz bestimmter Waffen und bestimmter Munition ist für die UNO ein Beleg für vorsätzliches und auch systematisches Handeln. 

Geht es auch um die Art und Weise der Kriegsführung der Israeli?

Absolut. Dieser rücksichtslose Einsatz bestimmter Waffen und bestimmter Munition ist für die UNO ein Beleg für ein vorsätzliches und auch systematisches Handeln. Auch, dass vor allem in den dicht besiedelten Vierteln des Gazastreifens immer wieder Bomben mit einer enormen Zerstörungskraft abgeworfen werden. Wenn man den Zahlen, die vorliegen – sie basieren auf Angaben aus dem Gazastreifen, die die UNO übernommen hat – glaubt, sind etwa 30 Prozent der Todesopfer in diesem Konflikt Kinder. Die Kommission wertet das als beabsichtigte Tötung. 

Israel weist alle Vorwürfe zurück. Welche Argumentation machen Sie da aus?

Israel spricht von einem zutiefst fehlerhaften und einseitigen Bericht. Es gehe nur darum, eine «politisch motivierte anti-israelische Erzählung» voranzutreiben. Dieser Vorwurf gegenüber der UNO ist nicht neu. Immer wieder wird auch auf das Schicksal der israelischen Kinder verwiesen, Stichwort 7. Oktober 2023. Es heisst, dass zehntausende israelische Kinder als Folge dieses Terrors umgesiedelt worden seien. Weiter führt Israel an, dass die palästinensischen Kinder nicht so unschuldig seien, wie man annimmt. Die Terrororganisation Hamas würde Kinder als Kämpferboten und als Tunnelarbeiter, aber auch als menschliche Schutzschilde rekrutieren. Da geht es um die Taktik der Hamas: Die Hamas habe in zivilen Bereichen ihre militärischen Anlagen, und das werde von den Zivilisten gedeckt.

Es waren erfahrene Juristen, die diesen Bericht verfasst haben. Sie wurden von Völkerrechtsexperten und Forensikern unterstützt.

Was ist Ihre Einschätzung: Wie belastbar ist dieser Bericht?

Diese Kommission stützt sich auf ein breites Spektrum an Quellen. Das sind viele vertrauliche Interviews mit Opfern, mit Augenzeugen. Es gibt Video- und Fotoaufnahmen, und inzwischen auch forensische Daten. Es waren erfahrene Juristen, die diesen Bericht verfasst haben. Sie wurden von Völkerrechtsexperten und Forensikern unterstützt. Das sind Punkte, die dafür sprechen, dass diese Vorwürfe belastbar sind. Aber: Die Kommission hatte keine Möglichkeit, selbst entweder nach Gaza oder ins Westjordanland einzureisen.

Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.

SRF 4 News, 25.6.2026, 6:20 Uhr ; 

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