Roberto Vannacci liebt die Provokation. Der Ex-General schrieb einen Bestseller mit dem Titel: «Il mondo al contrario» – die Welt auf den Kopf gestellt. Bei der Gründung seiner Partei am Wochenende in Rom lieferte er dafür Beispiele: «Es gibt keine Femizide», behauptete Vannacci. Obschon allein in diesem Jahr in Italien über 90 Frauen ermordet wurden, weil sie Frauen sind – die meisten von ihnen in ihren eigenen vier Wänden.
In einem Interview vor zwei Jahren bezeichnete Vannacci Benito Mussolini nicht als Diktator, sondern als Staatsmann.
Was ist normal?
Und eben erst, in einer Talkshow mit der bekannten Journalistin Lilli Gruber, bezeichnete der Chef der Partei «nationale Zukunft» Homosexuelle als «nicht normal». Es folgte eine lange Debatte über die Bedeutung des Wortes normal.
Einiges von dem, was der Ex-General heute sagt, sagte vor vier Jahren Giorgia Meloni, als sie noch in der Opposition war. Seit sie regiert, hat Meloni ihre extremen Positionen aufgegeben, aufgeben müssen.
Einen Teil dieser Positionen nimmt nun Vannacci auf und jagt damit, so sagen es alle Umfragen, Melonis Partei Fratelli d'Italia und auch der Rechtsnationalen Lega Stimmen ab.
Rechts bekommt noch rechtere Konkurrenz
Das entstandene Gedränge am rechten politischen Rand beschreibt Vannacci süffisant so: «Die bisherige Rechte hat die Orientierung verloren.» Und er fungiere nun als Sextant, also als Kompass, er werde die rechten Parteien Italiens wieder auf Kurs bringen.
Wobei Vannacci keine Ideen, kein Programm präsentiert, sondern vor allem Probleme benennt: Ausländer, Migranten, Brüssel. Der Green Deal, der Abbau von Treibhausgasen, ist ihm ein Gräuel. Er möchte sofort Frieden mit Russland, auch wenn der zulasten der Ukraine geht.
Der Lega-Chef hat ihn gerufen
Wie konnte Vannacci in Italien so schnell so gross werden? Es war Lega-Chef Matteo Salvini, der den Ex-General entdeckt hatte, ihm bei der Wahl ins EU-Parlament vor zwei Jahren den ersten Listenplatz anbot und ihn nach oben katapultierte.
Doch bald war klar, dass er mehr wollte: seine eigene Partei. Auch wenn er das bis vor Kurzem noch abstritt: «Ich bleibe in der Lega, denn ich glaube an die Ehrlichkeit.»
Einbinden oder ausgrenzen?
Sein Wort hat er unterdessen gebrochen. Und die zentrale Frage lautet nun: Werden Meloni und Salvini die Konkurrenz noch weiter rechts in ihre Koalition einbinden? Oder errichten sie eine italienische Brandmauer?
Das sind sehr schwierige Entscheide, die Italiens Politik noch gehörig durcheinanderwirbeln könnten.