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Neue Spitze des spanischen PP Pablo Casado – Wofür der Neue steht

José Maria Aznar, früher Ministerpräsident und Parteichef, hat sich bitter-bissig beklagt darüber, dass er, ausgerechnet er, nicht eingeladen wurde zum Parteitag der Konservativen. Man wollte ihn offenbar nicht, nachdem er vor zwei Jahren unter lautem Protest sein Amt als Ehrenpräsident abgelegt hatte.

Ein Nein zur Parteilinie war das. Und zu Parteichef Rajoy. Dieses Wochenende aber hätte Aznar gern wieder dazu gehört, denn Casado ist Aznars Sprachrohr.

Gegen Homo-Ehe und Abtreibung

Casado gehörte schon in jüngsten Jahren zur Entourage Aznars. Und im aggressiven und oft gehässigen innerparteilichen Wahlkampf machte er klar, wem er gefallen will: den konservativen Hardlinern. Dort dürften viele der drei Millionen Stimmen zu finden sein, die die Konservativen verloren haben seit Rajoys Wahlsieg 2011. Unermüdlich zählte Casado darum auf, was in Spanien nicht sein darf: Gleichgeschlechtliche Ehen, Abtreibung, Euthanasie, Gesetze zum Schutz von Frauen. Alles ist ihm suspekt.

Mehr Härte gegen Separatisten

Aber das reicht nicht. Für die Konservativen am rechten Flügel der Partei musste mehr auf den Tisch. Die historische Bewältigung des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur etwa, verhöhnt Casado: Was nützt es, argumentierte Kandidat, heute über Dinge zu reden, die 80 Jahre zurückliegen. Und er hatte Erfolg damit. Das pièce de résistance der spanischen Politik-Debatten aber ist Katalonien. Hier will Casado mehr Härte und das Verbot separatistischer Parteien. Den Dialogversuch der sozialistischen Regierung findet er populistisch.

Mit all dem lässt sich Stimmen gewinnen. Aber auch verlieren. Dass die Justiz derzeit gegen ihn ermittelt, ist da nicht hilfreich. Casado wird vorgeworfen, er habe seinen Mastertitel erschlichen. Eine Ermittlung ist keine Verurteilung. Aber mindestens ein Schönheitsfehler, wenn man grad auf dem Weg nach oben ist.

Casado wird jetzt die Parteigremien und die Parteibasis davon überzeugen müssen, dass nur sein Rechts-Kurs zurück an die Macht führt. Das wird nicht einfach sein. Widerstand ist sicher.

Casado macht in der Mitte Platz

Die Sozialisten aber werden sich wohl freuen, dass Casado den Platz in der Mitte des politischen Spektrums räumen will. Und die Partei Ciudadanos dürfte ihm beweisen, dass auch sie die den rechten Flügel der Konservativen zu ihren Fanggründen zählt. Und dass sie dort Beute machen kann, gilt als sicher. Im Wahlkampf wurde nicht debattiert darüber, wie eine moderne konservative Partei aussehen soll. Casado muss bald eine Antwort haben. Flügelkämpfe nach innen und aussen helfen seiner schwer ramponierten Partei sicher nicht.

Martin Durrer

Martin Durrer

Auslandredaktor, SRF

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Martin Durrer arbeitet seit 1989 bei Radio SRF. Er war unter anderem als Leiter der Auslandredaktion tätig und berichtete aus Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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