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Neue Zielscheibe Trump will Transsexuelle aus UNO-Sprache tilgen

US-Präsident Trump hat bei der UNO eine neue Zielscheibe entdeckt: die Sprache. Seine Diplomaten sollen dafür sorgen, dass in UNO-Dokumenten nicht mehr von «Geschlecht» die Rede ist, sondern nur noch von Frauen oder Männern. Das Ziel: Transsexuelle sollen auf dem Definitionsweg verschwinden.

Legende: Audio Trumps Säuberung der UNO-Sprache abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
01:51 min, aus HeuteMorgen vom 05.11.2018.

Im dritten Komitee der Vereinten Nationen, also dort, wo es um soziale Fragen und Menschenrechte geht, ist ein heftiger Streit entbrannt: Vertreter der US-amerikanischen UNO-Botschaft in New York haben dort nämlich der UNO-Sprache den Kampf angesagt – die in der Tat oft schwerfällig und «politisch korrekt» ist.

Es geht Washington offenbar darum, aus Dokumenten und Beschlüssen den weitgefassten Begriff «Geschlecht» zu tilgen. Ein Beispiel: Es soll dort künftig nicht mehr die Rede sein von «Gewalt gegen Vertreter eines anderen Geschlechts», sondern nur noch von «Gewalt gegen Frauen».

Gegenüber dem britischen «Guardian», der die Sache ans Licht brachte, erklärte ein hoher UNO-Beamter: Es sei offensichtlich, dass die Regierung von Donald Trump damit die Transsexuellen zum Verschwinden bringen wolle, indem es sie gemäss Definition gar nicht mehr gibt.

In den USA hat Trump das Gleiche vor

Das Gleiche strebt die US-Regierung gemäss einem Papier, das die «New York Times» publizierte, auch in den Vereinigten Staaten selber an: Das Geschlecht einer Person muss künftig eindeutig aufgrund der Geschlechtsorgane als entweder männlich oder weiblich definiert werden – unabhängig davon, ob sich jemand tatsächlich dem einen oder dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt.

Die UNO hingegen verfolge eine ganz andere Politik, betont ihr Experte für Fragen der Diskriminierung, Victor Madrigal-Borloz: Man müsse dafür sorgen, dass Menschen überall rechtlich jenem Geschlecht zugeordnet würden, mit dem sie sich selber identifizierten. Und das könne nicht nur männlich oder weiblich sein. Die Wahl des Geschlechts soll also weitgehend dem oder der Einzelnen überlassen werden.

In der UNO beginnen nun in dieser Frage wohl langwierige Auseinandersetzungen - mit merkwürdigen Allianzen: Die USA, unterstützt von Russland und arabischen Ländern einerseits gegen die traditionellen Partner der USA in Europa und Lateinamerika andererseits.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Ich bin kein Linker, finde aber Herr Trumps Vorgehen zu diesem Thema alles Andere als in Ordnung. Es gibt nun mal auch Menschen die Geschlechtsteile beider Geschlechter in sich tragen. Ihnen soll es durchaus erlaubt sein sich zu entscheiden welches Geschlecht sie wollen oder weiter so leben zu dürfen wenn sie es wollen. Solche Menschen sollte man nicht ausgrenzen oder tilgen sondern man soll sie so nehmen wie sie sind.
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      ... und die "Agender" die Geschlechtslosen? Der Begriff "Agender" bezeichnet demgegenüber eine Person, für die das Geschlecht kein Teil ihrer Identität ist, sondern nur eine zufällige Zuschreibung von Außen.
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Zum Genderwahn...Kinder sollten in einer Welt aufwachsen, in der sie ihre Persönlichkeit auszuleben dürfen. Wir sollten dabei jedoch stets kritisch hinterfragen, wo diese Freiheit aufhört und der linke Zwang anfängt, denn andernfalls werden unsere Kinder eines Tages von der politischen Korrektheit aufgefressen.
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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Es geht bei diesem Thema nicht um Emanzipation oder weibliche Formen in der Sprache, wie das verschiedene hier verstehen. Es geht darum dass sich jeder Mensch als etwas fühlt. Das stimmt meist mit dem Körper überein, aber eben nicht immer, und vorallem fühlt man sich als das auch ohne die Merkmale am Körper sonst müssten sich Frauen nach Brustamputationen oder Männer nach Penisamputationen (zB bei Krebs) plötzlich als etwas anderes fühlen, und das ist nicht so. Und um diese Menschen geht es.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Gleichzeitig lässt man Menschen verhungern, sich aus ökonomischer Perspeiktivlosigkeit das Leben nehmen, zerstört mit völkerrechtswidrigen Kriegen ganze Länder, setzt Uranmunition ein mit schweren Folgen für Generationen usw. Hat die Menschheit nicht andere Probleme zu lösen, als mit dem Genderwahn die Menschen in iherer Körperwahrnehmung und im Zusammenleben zu verunsichern (in den USA wurden Menschen gefeuert, weil sie jemand falsch ansprachen: miss-gendering als Vergehen)?
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    2. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Hans Bernoulli, Trump macht hier etwas zu einem Problem, dass schon gelöst war.
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