Zum Inhalt springen
Inhalt

Neues Buch über Trump «Woodward tut gerne so, als wäre er die Fliege an der Wand»

Legende: Video Neues Enthüllungsbuch über Donald Trump abspielen. Laufzeit 04:47 Minuten.
Aus 10vor10 vom 05.09.2018.

Bob Woodward hat ein Buch über den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump verfasst. Der Investigativjournalist ist bekannt als Enthüller der Watergate-Affäre, die in den 70er-Jahren Präsident Nixon zu Fall brachte. Er hat acht Bücher über US-Präsidenten geschrieben. Curd Knüpfer arbeitet für das Kennedy-Institut in Berlin und kennt Woodwards Vorgehensweise.

Curd Knüpfer

Curd Knüpfer

Forscher am John F. Kennedy Institut, Berlin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Knüpfer ist USA-Kenner am John-F-Kennedy-Institut in Berlin. Er beobachtet unter anderem die US-Aussenpolitik und das Verhältnis der Politik zu den Medien.

SRF News: Findet sich in Bob Woodwards Buch «Fear – Trump in the White House» etwas wirklich Neues über die US-Regierung?

Curd Knüpfer: Neues ist nicht viel dabei. Es wird bestätigt, dass im Weissen Haus ein ziemlich chaotischer Stil herrscht. Das gibt natürlich kein gutes Bild für einen Führungsstil ab.

Tatsächlich wurde die Watergate-Berichterstattung, die Woodward zusammen mit Carl Bernstein in den 70ern durchführte, für Nixon gefährlich.

Woodward hat über fast jeden Präsidenten seit Nixon eines oder mehrere Bücher geschrieben. Ist er quasi der Präsidentenüberwacher?

So würde er sich, glaube ich, gerne darstellen. Und so wird er oft auch dargestellt. Tatsächlich wurde die Watergate-Berichterstattung, die er zusammen mit Carl Bernstein in den 70ern durchführte, für Nixon gefährlich. Er musste infolge dieses Skandals zurücktreten. Wenn man sich aber als Investigativjournalist in Washington über mittlerweile mehr als vier Jahrzehnte hält und immer wieder Quellen findet, die mit einem reden, dann ist das ein bisschen paradox. Kritische Beobachter sollte es stutzig machen, dass Woodward als Präsidentenüberwacher angesehen wird und trotzdem immer wieder das Vertrauen erhält.

Bob Woodward, der Watergate-Investigativjournalist.
Legende: Dorn im Auge des Weissen Hauses: Bob Woodward, der Watergate-Investigativjournalist. Keystone

Lebt Woodward auch von seinem Nimbus als Watergate-Enthüller?

Um Woodward existiert definitiv ein Nimbus. Er wurde schon mehrfach in Hollywood-Filmen dargestellt.

Woodward kommt immer wieder an Quellen, die bereit sind, Dinge zu enthüllen, die uns als Menschen interessieren, die aber nicht unbedingt von politischer Brisanz sind.

Aber beispielsweise in der Bush-Ära hätte man enthüllen können, was die Regierung rund um den Irak-Krieg plant oder wie sie die amerikanische Bevölkerung hinters Licht geführt hat. Doch die Bücher Woodwards haben Bush nicht so sehr geschadet, dass er nicht nochmals vier Jahre hätte regieren können.

Das heisst, die ganz pikanten Sachen standen gar nicht drin?

Woodward pflegt einen relativ neutralen Stil. Er tut gerne so, als wäre er die Fliege an der Wand, als würde er von aussen beobachten. Aber oftmals werden dann Quellen zitiert, die er nicht genau benennt, er sagt nicht, von wem er diese Informationen hat. Darum ist es immer auch etwas Klatsch und Tratsch.

Es sind Leute, die möglicherweise nicht mehr in ihrer vorherigen Position sind, die mit ihm reden, und die möglicherweise nicht ganz zufrieden mit ihrer vorherigen Anstellung waren. So kommt er immer wieder an Quellen, die bereit sind, Dinge zu enthüllen, die uns als Menschen interessieren, die aber nicht unbedingt von politischer Brisanz sind.

Alle paar Monate kommen neue Bücher über Trump auf dem Markt und landen auf den Bestsellerlisten. Ist das Ganze ein gutes Geschäft?

Das ist sicherlich ein gutes Geschäft. Die Bücher verkaufen sich auch ausserhalb Washingtons und ausserhalb der USA. Doch die Bücher sind nur das eine. Es geht ebenfalls um die mediale Aufmerksamkeit. Man spricht darüber, man baut am eigenen Nimbus. Das gilt oft für Personen, die von ihren Stellen zurücktreten und so die Chance nutzen, im Gespräch zu bleiben wie beispielsweise der ehemalige FBI-Direktor James Comey. Aber das Bild, das sich bisher aus diesen Büchern ergeben hat, bestätigt die bisherigen Erkenntnisse.

Trumps Wähler beeindrucken diese Bücher also nicht?

Kaum. Im Gegenteil: Es zeigt sich, je mehr Trump aus den richtigen Kreisen angegriffen wird, desto mehr kann er sich als Opfer und unter Beschuss stehend positionieren. Daran wird ein Enthüllungsbuch von Bob Woodward von der «Washington Post» nichts ändern. Im Gegenteil: Trump wird es ausschlachten. Er wird darauf hinweisen, dass er auch dort noch unter Beschuss gerät. In den Teilen der amerikanischen Wählerschaft, die Trump den Rücken decken, wird sich das Buch sicherlich nicht gut verkaufen – egal, was bei den Enthüllungen rauskommt.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Klein (HansKlein)
    Man sollte nicht ganz vergessen, dass die Eigentümer der Washington Post zu den Gründern des Council on Foreign Relations gehörten, der wiederum die CIA gründete. Diese rühmte sich in den 1960er, in der Operation "Mockingbird" über "vertrauenwürdige" und einflussreiche Journalisten in über 500 Nachrichtenredaktionen der USA zu verfügen. Wenn man weiss und beobachtet, wie die CIA alle Hebel gegen Trump in Bewegung setzt, sollte man zumindest vorsichtig und kritisch mit solche Enthüllungen sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wenn man allerdings sieht, wie sich Trump vor der Kamera seit Jahren aufführt und seine Tweets und sonstigen onlinereaktionen verfolgt, sind die bisher bekannt gewordenen Passagen im Buch nicht einmal mehr überraschend und passen voll ins Bild. Da kann man allfällige Verschwörungen weil irrelevant glatt vergessen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Darf man fragen, welche Quellen Sie für Ihre doch etwas sehr fantasie-lastige Darstellung benutzen? Sie verkürzen komplexe Sachverhalte zu Aussagen, die so bearbeitet, nicht den Tatsachen entsprechen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Wo sind die Stimmen, wo die Medien, welche Trump in seiner Deeskalationspolitik gegenüber Russland loben bzw. unterstützen (was nicht bedeutet, ihn für anderes nicht zu kritisieren).? Leider scheint die Kritik gegen Trump wichtiger, als die gegen die Kriegstreiber gegen Russland. Wir sind in der Situation wie im Theaterstück "Biedermann und die Brandstifter".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Deeskalationspolitik gegenüber Russland? Hat er nicht kürzlich die Sanktionen verschärft, weil sich in den Beziehungen nichts verändert hat?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @HP Müller: Ja, hat er, Finden Sie das gut? Ich nicht. Wer von den US-Politikern, die sonst lautstark gegen Trump wettern, sind dagegen? Ist das nicht irre? Wollen diese alle Krieg gegen Russland? Scheint der einzige Punkt, in dem die Trump-Kritiker ihn nicht kritisieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Immer dieses "Krieg gegen Russland". Wie genau soll dies im flächenmässig grösstem Land mit tausenden von Atomwaffen und ausgebauter militärischer Infrastruktur denn funktionieren. Das Ziel ist ein anderes aber kommen Sie ruhig mal selbst drauf... auch wenn ich es bezweifel.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Um Bob Woodward zu beurteilen und zu analysieren, würde ich eigentlich einen Zeitgenossen erwarten und nicht einen jungen Mann wie Curd Knüpfer, der erst vor drei Jahren promoviert hat und Bob Woodward nur aus zweiter Hand kennen kann. B.W. ist dafür bekannt, dass er noch nie Informanden gegen ihren Willen preisgab, daher das hohe Vertrauen, dass er geniesst. Investigativ-Journalismus ist ein gutes Geschäft?? Ich bitte Sie! B.W. ist eine Institution, Herr Knüpfer hat da noch etwas Weg vor sich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen