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Legende: Audio Alabama fährt scharfen Kurs gegen Abtreibung abspielen. Laufzeit 03:08 Minuten.
03:08 min, aus Echo der Zeit vom 15.05.2019.
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Neues Gesetz in Alabama Systematischer Angriff auf das Abtreibungsrecht

Abtreibungsgegner erleben in den USA derzeit einen Höhenflug. Kentucky, Mississippi, Ohio, Georgia und nun Alabama: Ein Gliedstaat nach dem anderen hat Beschränkungen für Abtreibungen verabschiedet, Alabama nun sogar ein fast totales Verbot: Nur wenn für die Mutter eine akute Lebensgefahr besteht, sollen Ärzte eine Schwangerschaft abbrechen dürfen.

Andere Staaten haben sogenannte «Herzschlag»-Gesetze verabschiedet, sie verbieten Abtreibungen nach sechs Wochen Schwangerschaft. Viele Frauen sind sich zu diesem Zeitpunkt einer Schwangerschaft noch nicht bewusst.

Abtreibungsgegner hoffen auf Obersten Gerichtshof

All diese Gesetze haben eines gemeinsam, sie werden zunächst nicht in Kraft treten. Zivilrechtsgruppen und Frauenorganisationen haben umgehend geklagt, mit Erfolg, denn in den USA sind Abtreibungen bis 24 Wochen verfassungsrechtlich erlaubt. Seit 1973, seit dem Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Roe v. Wade, gelten Schwangerschaftsabbrüche als fundamentales Recht auf Privatsphäre.

Diesen Rechtsgrundsatz wollen die Abtreibungsgegner und -gegnerinnen in den USA nun also stürzen, sie spekulieren darauf, dass ihre Gesetzesentwürfe via Appellationsgerichte irgendwann vor dem Obersten Gerichtshof in Washington landen. Sie hoffen dort auf ein Richtergremium, das nach rechts gerutscht ist. Die neuen Obersten Richter Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh gelten als Abtreibungsskeptiker, Präsident Donald Trump hat sie ernannt, unter Applaus der christlich-konservativen Lobby.

«Holocaust» an 50 Millionen Babys

Alabama fährt von allen Gliedstaaten den schärfsten Kurs: das Anti-Abtreibungs-Gesetz ist ein klarer Angriff auf den Grundsatz, der seit Roe vs. Wade gilt. Die Privatsphäre der Frau findet keine Erwähnung, dafür aber der Zitat «Holocaust» an 50 Millionen Babys. Das Gesetz will etablieren, dass sich teilende Zellen kurz nach Empfängnis als gottgewollte Person gelten.

Ob das drastische Alabamagesetz oder die Aushöhlungstaktik der anderen konservativen Gliedstaaten dereinst vor dem Obersten Gerichtshof Gehör finden, ist spekulativ. Abtreibungsgegner hoffen, dass Präsident Trump bald einen weiteren Richterstuhl neu besetzen kann.

Abtreibung als Mord?

Käme es zu einer Umkehr von «Roe vs. Wade», träten in den Gliedstaaten die neuen, aber auch alte Gesetze wieder in Kraft. Sie wurden nämlich nie abgeschafft, nur ausser Kraft gesetzt. Laut der Verfassung des Gliedstaats Alabama etwa war Abtreibung schon immer Mord.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

Legende: Video Bundesgerichtsurteil «Roe v. Wade» legalisiert 1973 Abtreibungen in den USA abspielen. Laufzeit 01:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.05.2019.
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36 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Johannes (simon.johannes)
    Man kann es schönreden oder auch nicht. Ein Baby im Bauch, wie immer man es auch juristisch gerne kleinzureden versucht, ist ein eigenes Leben mit einem eigenen, von der Mutter unabhängigen Lebensrecht. Es gehört nicht zu „meinem Bauch“. Es braucht eine Mischung aus Verbot der heute legalen Tötung und sozialen Angeboten, die Frauen das Austragen in schwierigen Lebenssituationen erleichtern.
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  • Kommentar von Luca Meier (Luca Meier)
    Ist ja auch ihr Kind. Zwar ungewollt! Aber trotzdem. Und das Kind kann nichts dafür. Die Frau könnte das Kind auch zur Adoption freigegeben.
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  • Kommentar von Walter Liechti (Walimann)
    Der absolute Gipfel ist, dass die bei einer Vergewaltigung geschwängerte Frau dazu gezwungen werden soll, das Kind ihres Peinigers auszutragen und zu gebären. Gelinde gesagt, eine Frechheit des Staates.
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