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International Nicht nur der IS ist eine Gefahr für die historischen Stätten

Die antike Oasenstadt Palmyra ist Unesco-Weltkulturerbe. Nun haben Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates IS die Stadt in Syrien eingenommen. Es ist zu befürchten, dass die Islamisten die Kulturstätte zerstören. Doch die Ruinen sind schon länger in Gefahr. Ein Archäologe erklärt, weshalb.

SRF News: Sie haben selbst in Syrien gegraben und geforscht. Zum letzten Mal waren sie 2010 dort, noch vor Kriegsausbruch. Worin besteht die besondere Bedeutung der Stadt Palmyra?

Palmyra ist einzigartig. Auch im Vergleich zu den anderen Ruinenstätten des gesamten Orients aus dieser Epoche.

Mirko Novák: Die Stadt war ein Schmelztiegel. Hier trafen Traditionen aus dem alten Babylonien, der Perser, der Römer und aus dem hellenistischen Orient zusammen. Sie verschmolzen zu einer neuen Kultur. Das macht Palmyra im Vergleich zu den anderen Ruinenstätten des gesamten Orients aus dieser Epoche so einzigartig.

Die Stadt liegt in der syrischen Wüste. Spielt die Lage auch eine Rolle?

Ja, der Zustand der Ruinen ist aufgrund dieser Lage extrem gut. Gut erhalten ist zum Beispiel das organische Material der sehr aufwändig gestalteten Gräber. Aus diesem Grund fasziniert die Stadt Besucher seit jeher. Sie bekamen dort wunderbar konservierte antike Kultur einzigartigen Gepräges zu sehen.

Was konkret konnte ein Besucher besichtigen?

Allein die Umgebung ist faszinierend: Insbesondere wenn ein Besucher im Sommer Palmyra besuchte, betrat er eine Dattel-Oase umgeben von einer wüstenartigen Steppe. Am Rande der Oase konnte er die wunderbaren Baureste besichtigen: Eine mehr als 1,5 Kilometer lange gepflasterte Kolonadenstrasse mit Säulenstellungen und öffentlichen Gebäuden wie Tempel, Bäder, Theater und Militärlager. Der Besucher tauchte in eine unglaublich faszinierende Atmosphäre ein.

In welchem Zustand befindet sich die Stadt heute?

In Palmyra ist die Situation schon seit einiger Zeit kritisch. Allerdings weniger wegen der bewussten Zerstörung der Stätte durch den IS für propagandistische Zwecke, als aufgrund der Kämpfe. In der Stadt kam es seit Beginn des Krieges immer wieder zu Kämpfen, denen auch Teile der Ruinenstätte zum Opfer fielen.

Die Raubgrabungen sind massiv und schlimmer als die Zerstörung aufgrund der Kämpfe.
Legende: Video Impressionen aus Palmyra (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 03:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.05.2015.

Ein Problem sind auch die Raubgrabungen.

Ja, die Grabungen sind massiv und schlimmer als die Zerstörung aufgrund der Kämpfe. Hintergrund ist die immer schwieriger werdende wirtschaftliche Lage der lokalen Bevölkerung. Die Plünderung der Kulturgüter und deren Verkauf auf dem Kunstmarkt ist eine der wenigen Möglichkeiten, um noch an Geld zu kommen.

Wie kommen Sie an Informationen über den Zustand der Ruinen in Syrien?

Es gibt verschiedene Netzwerke. Je nach Region funktionieren die Informationsflüsse besser oder schlechter. Insbesondere aus dem vom IS besetzten Gebiet erreichen uns Informationen nur noch spärlich.

Das Gespräch führte Andrea Christen.

Mirko Novák

Mirko Novák
Legende: ZVG

Der Archäologe ist an der Universität Bern tätig. Während 25 Jahren war er in Syrien an Ausgrabungen beteiligt, bis der Bürgerkrieg dies ab 2011 verunmöglichte. Er forscht unter anderem zur Archäologie Mesopotamiens und der Levante sowie zur Sozialökonomie des Alten Orients.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Die Vernichtung historischer Stätten bedauert man - die von IS ermordeten Menschen offenbar nicht.
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  • Kommentar von N. Buonaparte, Thurgau
    Bin mir bewusst, dass ich hier wohl eine heikle Meinung vertreten werde. Ist ja nicht so, dass in diesem elenden Krieg keine C Waffen mehr benutzt werden. Hier wären sie angebracht. Ich erachte IS nicht als Menschen. Und zu Frau Bernegg Auch wenn hoffnungslos: Dass Sie auch hier Ihre Fremdenfeindlichkeit zum besten geben... Unsäglich. Reisen Sie nach Jordanien oder in den Libanon.
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    1. Antwort von Erwin Jenni, Ottikon
      @Buonaparte: Da bin ich diesmal ganz ihrer Meinung. Man hätte dies nur viel früher machen sollen, dann wäre vielen Menschen viel Leid erspart geblieben! Reden, reden, reden, bringt nur Vorteile für die Schlächter. Handeln und zwar konsequent ist schon lange angesagt.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Die Zerstörung oder der Raub von Kulturgütern ist etwas Negatives. Doch ich kenne keine Macht, die dies bei einem Überfall/Krieg nicht gemacht hätte. Gerade im 2. WK hat das NS-Regime in ganz Europa Kulturgütter geraubt und zerstört. Es gab extra Abteilungen, die teure Kunstwerke gezielt suchten und dem deutschen Reich einverleibt haben. Zerstört wurde auch aus Verblendung oder Unwissenheit. Frühere Eroberer aus Europa und Arabien haben ganze Kulturen aus reiner Gier zerstört.
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    1. Antwort von Erwin Jenni, Ottikon
      "Szabo: Ihre Ansichten und Kommentare sind ja vielleicht gut gemeint, aber jede Aktion und Begebenheit mit irgend einer Episode in der Geschichte zu relativieren, ist des Guten einfach zu viel. Schauen sie, was heute passiert ist so schrecklich und menschenverachtend, dass man es mit nichts vergleichen kann und soll! Ja, es gab Kunstraub bei den Nazis, Römern, Kreuzrittern usw. Es braucht brauchbare Lösungen hier und jetzt, um diesem barbarischen Treiben endlich ein Ende zu setzen!
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    2. Antwort von Christina Bernegg, Horw
      Herr Szabo,hier kann man schreiben was man will,es wird von den meisten Lesern nicht angenommen.Herr Jenni ist für die Amis,und lässt nicht zu,dass man seine Ansichten untergräbt.Auch gegen die Israelis bekommen wir schreibverbot,obwohl,das von Herr Jenni geschriebene eine Lüge ist,dass Israel ein blühender Staat ist?Warum wohl,weil sie ihren Nachbarn das Wasser klauen.Es ist alles so verlogen,das macht keinen Spass mehr.
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    3. Antwort von Erwin Jenni, Ottikon
      @Bernegg: Spass? Es geht hier um Fakten, Frau Bernegg! Ich wehre mich gegen Halbwahrheiten und Lügen, egal ob Ami oder Israel. Da ich mehrfach in Israel war und die Geschichte kenne, darf ich doch schreiben. Wenn es ihnen nicht passt, schreiben sie einfach ihre Meinung dazu, punkt. Mir macht es auch keinen Spass, ich schreibe zum bessseren Verständnis. Und doch: Israel ist ein blühendes Land und den Pal. geht es gut, denen die nicht auf Terror setzen!
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